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Mein Leben und Ich

"Der Einbruch"

(Staffel 1 - Folge 1)

Die beteiligten Personen:

Alexandra - Alex - Degenhardt
Hendrik Degenhardt(Alex Vater)
Anke Degenhardt (Alex Mutter)
Sebastian - Basti - Degenhardt (Alex kleiner Bruder)
Claudia Fischer (Alex "beste" Freundin)
Nikolas - Niko (Nervensäge)
Florian (Claudia ist überzeugt davon, daß Alex in ihn verliebt ist. Alex nicht)
Frau Lindner (Lehrerin)
Schulhausmeister
Diverse Mitschüler
"Schnuffelmann" (Ein Papierschwein)

Intro:  
   
Ort: Das Haus der Degenhardts
   
  Alex liegt in ihrem Bett und schreibt in ihr neues Tagebuch.
   
Alex (Tagebuch): Warum glauben Mütter eigentlich, daß ihre Töchter unbedingt Tagebuch führen müssen?
(Zitiert) "Für meine kleine Alex."
   
  Alex streicht das "kleine" mit ihrem Füller aus.
   
Alex (Tagebuch) An sich wollt' ich niemals ein Wort in das Ding 'reinschreiben. Aber die Katastrophen der vergangenen Woche lassen mir keine andere Wahl.
Die Woche hatte schon schrecklich angefangen. Meine Eltern wollten u-n-b-e-d-i-n-g-t ein Motivations-Video für ihre beste Freundin Hilde dreh'n. Hilde wiegt 103 Kilo und hatte eine Diät angefangen.
   
  Alex Eltern, Basti und der Hund versammeln sich in der Küche vor der Videokamera.
   
Alex Vater: "Wo is'n Alex jetzt?"
Alex Mutter: (Laut rufend) "AAALEX! Papa ist soweit! ALEXANDRA!"
   
  Alex kommt mit verschränkten Armen und einem bitteren Gesichtsausdruck in die Küche.
   
Alex Mutter: "Warum hörst du denn nicht?"
Alex: (Trocken) "Weil ich den Kopf im Gasofen hatte!"
Alex Vater: (Hinter der Videokamera, dirigierend) "Ähhh ... Geh' mal zu Basti, Alex... dichter!"
   
  Alex stellt sich zu Basti und dem Hund, der auf dem Küchentisch sitzt.
   
Alex: "Einer von beiden stinkt!"
Basti: (Bestimmend) "Der Hund!"
Alex Mutter: "Kinder!"
Alex: "Das bringt doch eh nix - das ist Hildes hundertste Diät!"
Alex Mutter: "Das ist bei ihr eben psychisch, da kann man nur ganz, ganz schwer was machen..."
Alex: "Wieso, man könnte alle Bäckereien in der Nachbarschaft zumauern..."
Alex Vater: (Begeistert) "Ach kommt, das ist doch 'ne verrückte Idee mit dem Video!"
Alex Mutter: "Ich find's auch lustig!"
   
  Alex Vater hat die Videokamera inzwischen aufnahmebereit gemacht.
   
Alex Vater: "So, seid ihr fertig?"
Alex Mutter: "Fertig!"
Basti: "Fertig!"
Alex Mutter: (Zu Alex Vater) "Komm!"
   
  Alex Vater drückt eine Taste und begibt sich zu seiner Familie vor die Kamera.
   
Alex Vater: "Okay... so!"
Alex Mutter: (Flüstert) "drei... vier..."
Alle: (Ohne Alex und Hund) "Liebe Hilde..."
Alex Vater: (Feierlich) "Liebe Hilde! Eins ist klar. Du stehst niemals ohne Freunde da..."
Basti: "...und das alleine ist's was zählt, wenn dich mal der Hunger quält..."
Alex Mutter: "...drum halte durch und bleibe fit! Wir Degenhardts - wir fühlen mit..."
Alex: "...doch eines weiß ich... ganz genau. Du schaffst es nie - du fette Sau!"
Hund: (bellt)
   
   
(Vorspann)  
   
Ort: Das Haus der Degenhardts
   
  Alex Mutter steht in der Küche und schlägt mit einem Klöppel an einen Gong.
   
Alex Mutter: (Fröhlich rufend) "Basti! Frühstück!"
   
  Alex trägt den Tee an den bereits gedeckten Küchentisch.
   
Alex Mutter: (Zu Alex) "Und, was gibt's heut' in der Schule?"
Alex: "Unterricht?"
   
  Alex Vater kommt in die Küche.
   
Alex Vater: "Sach' mal Anke, welche Krawatte soll ich denn heute anzieh'n? Die hier... oder die?"
Alex Mutter: "Hendrik, die ist doch viel zu schreiig für die große Konferenz ...Ich hab's im Gefühl: Das wird heute dein Tag!"
Alex (Tagebuch): Ich glaube ich sollte langsam mal meine Familie vorstellen. Mein Vater Hendrik war früher Künstler. Jetzt ist er Designer für einen großen Autokonzern. In seiner Konferenz heute werden so wichtige Dinge entschieden wie die Anzahl der Fußmatten...
  Meine Mutter Anke arbeitet halbtags als Musiktherapeutin in der städtischen Irrenanstalt.
  Und mein Bruder Sebastian... ist ein Verkehrsunfall.
Alex Vater: (Verabschiedet sich von seiner Frau) "Vielleicht komm' ich heute Abend früher!"
Alex Mutter: (Turtelnd) "Das will ich nicht hoffen..."
   
  Beide küssen sich innig.
   
Alex (Tagebuch): (Stöhnt) Ohhhhh, meine Eltern sind noch echt scharf aufeinander... Was ich ziemlich cool fände... wenn's die Eltern von jemand anderes wären.
   
Alex Vater: (Stolz) "Hey, eure Mutter spielt heut' Schlagzeug!"
Alex: (Trocken) "Sach' nicht, du träumst von 'ner Popkarriere?"
Alex Mutter: "Warum nicht? Träume nicht dein Leben - lebe deinen Traum!"
Alex: "Tue ich seit 15 Jahren. Nur leider 'n Alptraum..."
   
  Alex schnappt sich die Schlagzeugsticks ihrer Mutter und schlägt sie einige Male gegeneinander.
   
Alex Mutter: "Die Trommeln sind für meine Patienten, damit können die ihre Aggressionen abbauen."
Alex: (Freudig) "Ach..."
   
  Alex haut Basti mit einem Stick kräftig auf den Kopf, worauf dieser laut aufschreit. Alex lacht begeistert.
   
Alex: "Funktioniert! Mir geht's schon viel besser!"
   
  Alex Mutter schnappt sich die Sticks und packt sie in ihre Tasche.
   
Alex Mutter: (Genervt) "Vielleicht sollte ich doch lieber bei den Triangeln bleiben... Eßt euer Müsli, Kinder!"
   
Alex (Tagebuch): Meine Mutter glaubt, Musik kann Geisteskranke heilen. Sie glaubt auch, daß ein gesünderer Dickdarm der Schlüssel zum Glück ist. Damit dürfte klar sein, womit ich mich täglich ' rumschlagen muß.
   
   
Ort: Klassenzimmer
   
  Alex sitzt alleine an ihrem Tisch in der letzten Reihe und liest die Tageszeitung.
   
Alex (Tagebuch): Die nächsten drei Tage gab's den üblichen langweiligen Trott. Sowas gibt einem das trügerische Gefühl von... Sicherheit. Dabei hätte ich wissen müssen, daß die große Katastrophe bereits hinter der nächsten Ecke lauerte...
   
  Frau Lindner betritt mit einer neuen Mitschülerin das Klassenzimmer.
   
Frau Lindner: "So, bitte mal alle herhören!"
Alex (Tagebuch): ...oder besser gesagt: Vorne an der Tafel stand.
Frau Lindner: "Danke!
  Ich möcht' euch eine neue Mitschülerin vorstellen: Das ist Claudia Fischer. Sie ist gerade frisch aus Hannover hier angekommen. Wer von euch kümmert sich um sie und erklärt ihr alles?"
   
  Die Klasse sieht betreten zu Boden - alle tun so, als ob sie nicht zugehört hätten.
   
Frau Lindner: "Leute, hallo! Könnt ihr euch nicht vorstellen, wie das ist, wenn man ganz allein dasteht? Wenn man niemanden hat, mit dem man mal reden kann?"
   
  Die Klasse dreht sich kollektiv zu Alex in der letzten Reihe um, die immer noch Zeitung liest und davon zunächst nichts bemerkt.
  Aufgrund der plötzlich eingetretenen Stille senkt Alex ihre Zeitung und realisiert, daß alle sie anstarren.
   
Alex: (Genervt) "Is was?"
Frau Lindner: Claudia ...Alexandra wird sich um dich kümmern!" (An die Klasse gewand) "Und zur Feier des Tages kommen wir heute zu den binomischen Formeln! Seite 44 bitte aufschlagen..."
   
  Claudia begibt sich nach hinten zu Alex Tisch.
   
Claudia: "Äh, da hab' ich ja Glück, daß neben dir noch was frei ist, was?"
Alex: (Genervt) "Nein!"
   
  Alex nimmt die Zeitung wieder hoch und beginnt zu lesen. Claudia kichert und drückt die Zeitung wieder herunter.
   
Claudia: "Du bist ja drauf! Echt witzig! Aber wem sag' ich das, was? Oh Mann, ich bin super aufgeregt, das ist alles ...so neu hier ...und so ...toll ..."
Alex (Tagebuch): Und so begann ein gräßlicher Alptraum!
   
   
Ort: Schulflur
   
  Alex läuft schnellen Schrittes über den Schulflur.
   
Claudia: "Sieht ja fast so aus, als wolltest du mich abhängen..."
Alex: "Wollt' ich auch!"
Claudia: "Ach... komm, daß meinst du nicht so. Gestern Abend - meine Mutter - die hatte voll nicht den Blick, sie hat Angst, ich finde keinen Anschluß, beknackt, was? Und ich sag', ich find' sofort 'ne Freundin und sie sagt: 'Ne Freundin, so schnell? Und ich sag': Ja sicher. Und sie sagt: Am ersten Tag? Und ich sag'..."
   
  An der nächsten Ecke biegt Alex ab, ohne daß Claudia es merkt.
   
Claudia: "...kennst mich doch... und jetzt rate mal, von wem ich heut' Abend erzähle!"
   
   
  Claudia dreht sich in die Richtung, von der sie glaubt, daß Alex dort sein müßte und realisiert, daß Alex nicht mehr da ist.
   
Claudia: "Alex?" (Laut rufend) "ALEX?"
   
  Claudia läuft zurück und entdeckt Alex auf dem Weg in den Biologieraum. An der Tür holt Claudia sie ein und beide betreten den Biologieraum.
   
Claudia: "Wie sind die Anderen eigentlich so drauf?"
Alex: "Cool."
Claudia: (Schnippisch) "Vielleicht geht's auch 'n bißchen genauer?"
Alex: "Warum?"
Claudia: "Wenn ich mehr über sie weiß, laß ich dich vielleicht in Ruhe!"
   
  Alex nickt mit dem Kopf in Richtung dreier modisch gekleideter Mädchen.
   
Alex: "Die sind cool, weil sie die richtigen Klamotten haben..."
   
  Sie nickt in Richtung zweier Jungs.
   
Alex: "...Die, weil sie die richtige Musik hör'n..."
   
  Nickt in Richtung einer Hohlbirne.
   
Alex: "...und die, weil sie kiffen, bis Klamotten und Musik keine Rolle mehr spielen!"
   
  In diesem Moment versucht Niko mit den drei modischen Mädchen anzubändeln und drängt sich zwischen sie. Eine von ihnen drängt ihn rüde weg.
   
Schülerin: "Verpiß dich!"
Claudia: (Niko meinend) "Und ...äh ...der da hinten scheint alle tierisch zu nerven?"
Alex: "Ja, aber du machst ihm echt Konkurrenz!"
   
  In diesem Moment betritt ein gutaussehender Schüler den Raum.
   
Alex: "Ach ja... und Florian. Den finden alle toll. Am meisten er sich selbst."
Claudia: (Schwärmend) "Das ist aber auch 'ne Schnuckeltüte! Klasse, was?"
Alex: (Betont beiläufig) "Ist mir noch gar nicht aufgefallen..."
   
  Claudia starrt Alex wissend lächelnd an, was Alex nicht entgeht.
   
Alex: "Was?"
Claudia: "Alles klar!"
Alex: "Was ist alles klar?"
Claudia: (Eifrig) "Du stehst auf Florian! Ich kann in den Gesichtern der Menschen genau lesen, was jemand fühlt. Und bei dir les' ich, daß du verknallt bist!"
   
  Alex wendet ihr Gesicht ganz dicht vor Claudias und sieht sie kalt an.
   
Alex: (Eisig) "Guck noch mal ganz genau hin! Kannst Du das auch lesen?"
Claudia: (Belustigt) "Klar. Ich glaub' aber nicht, daß du mich wirklich umbringen würdest."
   
  Der Biologielehrer betritt das Klassenzimmer.
   
Lehrer: (Forsch) "Pause ist vorbei. Gespräche bitte einstellen..."
   
  Der Lehrer geht nach vorne zum Pult und zieht sich einen Gummihandschuh über.
   
Lehrer: "...Thema heute: Blutgerinnung!
  Hierfür benötigen wir eine Ampulle Blut ...wer meldet sich freiwillig?"
   
  Die Klasse stöhnt angeekelt auf. Alex zeigt mit dem Finger auf Claudia.
   
Alex: (Bestimmend) "SIE!"
Lehrer: "Okay, bitte..."
   
   
Ort: Das Haus der Degenhardts
   
  Alex sitzt in der Küche und hat sich eine Kanne Tee zubereitet. Sie genießt es, endlich alleine zu sein und versucht zu relaxen.
   
Alex (Tagebuch): Mit ihrem Geplapper konnte Claudia in jedem Folterkeller eine Mörderkarriere machen.
  Doch es hatte auch sein Gutes.
  Ich entdeckte ein kostbares Geschenk:
   
  Stille!
   
  Kostbar...
   
  Alex hört, wie sich eine Tür öffnet.
   
Alex (Tagebuch): ...und vergänglich...
   
  Alex Eltern stürmen in die Küche.
   
Alex Vater: (Aufgebracht) "Ich hab' die Mappe heute morgen noch hier in der Hand gehabt!"
Alex Mutter: (Beruhigend) "Sei doch nicht so nervös, das Haus verliert nichts ...komm ich koch uns erstmal 'n Tee."
Alex Vater: "Anke, die warten alle auf mich..."
Alex Mutter. "Aber der entspannt dich!"
Alex Vater: (Laut) "Ich bin entspannt!"
Alex Mutter. "Dann haste auch Zeit für'n Tee! Alex, hast Du vielleicht 'ne Ahnung, wo Papa seinen Entwurf hingelegt hat? Was für'n Entwurf eigentlich?"
Alex Vater: (Resignierend) "Na von dem versenkbaren Aschenbecher inner Kopfstütze."
Alex Mutter: (Sarkastisch) "Alex, was ist los? Kein doofer Kommentar?"
Alex. "Soll ich?"
Eltern: "NEIN!"
Alex Mutter: (Besorgt) "Is' irgendwas nicht in Ordnung?"
Alex: (Wütend brüllend) "JA! UM GENAU ZU SEIN IST ALLES NICHT IN ORDNUNG. ICH HABE SOWIESO DAS GEFÜHL, DASS SICH DIE GANZE WELT HEUTE VORGENOMMEN HAT, MICH SOLANGE ZU NERVEN, BIS ICH PLAAATZE!"
Alex Mutter: (Beruhigend) "Du hast Verstopfung, ich mach dir'n Kräutertee!"
   
  Stöhnend verläßt Alex die Küche und knallt die Tür hinter sich zu.
   
Alex (Tagebuch): Deswegen erzähl' ich meinen Eltern NICHTS aus meinem Leben!
   
  Alex Eltern schauen sich verständnislos an.
   
   
Ort: "Limit" (Schülerkneipe)
   
Alex (Tagebuch): Okay, es war echt nicht mein Tag. Meine Eltern nervten und Claudia war ein einziger Horror. Aber sollte ich mir deshalb eine Decke über den Kopf ziehen? Besser wär's gewesen...
   
  Alex betritt das "Limit" und will an einer Gruppe Jungen vorbeigehen. Florian sieht sie.
   
Florian: "Hi!"
Alex: (Gequält lächelnd) "Hi!"
Florian: "Hör mal... Das soll ich Dir geben, hast'e in der Schule vergessen."
   
  Florian hält ein selbst gebasteltes Buch mit der Aufschrift "MEIN FAN-ALBUM, The Frontdoor Boys" in der Hand.
   
Alex: "Was is' das denn?"
Florian: "Kein Ahnung. Sieht aus wie'n Fan-Album." (Grinst) "The Frontdoor Boys!"
Alex: (Gequält) "Seh' ich selbst. Und was soll ich damit?"
Florian: "Was weiß ich? Ist doch dein's?"
Alex: (Verzweifelt) "Wer sagt das denn?"
Florian: (Auf Claudia zeigend) "Deine Freundin!"
   
  Claudia sitzt einige Meter entfernt alleine an einem Tisch, grinst Alex zu und mal mit den Händen ein Herz in die Luft.
  Alex stürmt auf sie zu und knallt das Fan-Album vor ihr auf den Tisch.
   
Alex: (Zischt) "Sag mal, bist Du total durchgeknallt? Hast du dir dein Resthirn in die Haare geföhnt, oder was?"
Claudia: "'Ne Menge Fragen auf einmal - aber ich versteh' schon, daß du so aufgeregt bist. Mann, mann, mann, der ist soooo süß!"
Alex: "Was veranstaltest du eigentlich hier?"
Claudia: "Ich helf' dem jungen Glück mal 'n bißchen nach - und weil Nikolas mir erzählt hat, daß du nachmittags manchmal hier abhängst..."
Alex: (Ungläubig) "Moment... Du hast Nikolas über mich ausgefragt?"
Claudia: "Ich mußte nicht viel fragen - er ist doch total in dich verschossen!"
Alex: "Claudia... Vielleicht mußt du's mir einfach mal erklären..."
   
  Claudia sieht Alex erwartungsvoll an.
   
Claudia: "Ja?"
Alex: "Kann man dich mit Medikamenten ruhigstellen? Gibt's bei dir irgendwo 'ne Schublade, wo ich die Batterien raus nehmen kann? Oder reicht es ganz einfach, wenn ich dir sage: HALT DICH AUS MEINEM LEBEN RAUS!"
   
  Alex schnappt sich ihre Tasche und setzt sich an den Tresen. Dort sinkt sie resigniert zusammen. Claudia folgt ihr.
   
Alex: (Zur Bedienung) "Machst mir n' Tee?"
   
  Claudia ist ihr natürlich gefolgt.
   
Claudia: "Verstehe. Wir kennen uns ja noch gar nicht richtig. Na... ich wette, du willst schon die ganze Zeit wissen, warum ich überhaupt mit meinen Eltern hier her gezogen bin, stimmt's?"
Alex: (Abwesend) "Nein..."
Claudia: "Weißt du, eigentlich sind nur meine Mutter und ich umgezogen. Meine Eltern lassen sich nämlich gerade scheiden..."
Alex (Tagebuch): Höchst wahrscheinlich ist ihr Vater abgehau'n, weil er nie zu Wort gekommen ist...
Claudia: "Und weißt du was... Ich glaub... ich hab das alles auch noch nicht verarbeitet. Alles in allem voll traurig das Ganze."
Alex: (Gelangweilt) "Ja... ich hoffe, ich weiß jetzt alles über dich, deine Eltern und überhaupt... dein ganzes Leben."
Claudia: (Eifrig) "Ich könnte dir noch meinen Spezialtrick zeigen. Ich kann meinen Finger halbieren!"
   
  Claudia zeigt begeistert den uralten Trick mit dem halbierten Finger. Alex zeigt sich nicht sehr begeistert.
   
Claudia: (Strahlt) "Meiner besten Freundin zeig' ich natürlich gerne, wie's geht!"
   
  Alex wendet sich wieder ab.
   
Claudia: "Jetzt bist du wütend auf mich!"
Alex: "JA!"
Claudia: "Soll ich dir 'ne Technik verraten, die dagegen hilft?"
Alex: "NEIN!"
Claudia: "Also bevor ich ins Bett geh', schreib' ich alles auf, was mich an dem Tag fertig gemacht hat. Dann verbrenn' ich das Blatt und wenn der Rauch verfliegt, verfliegt auch meine Wut. So kannst du deine Wut auch loswerden!"
Alex: (Entrüstet) "Ich will meine Wut überhaupt nicht loswerden, ich liebe meine Wut. Das einzige, was ich nicht leiden kann, bist du!"
   
  Alex steht auf und will gehen. Claudia erhebt sich ebenfalls.
   
Alex: (Energisch) "Wenn du mir folgst, bist du tot!"
Claudia: "Komm, das meinst du nicht so."
Alex: "Ich würd's nicht ausprobieren!"
   
  Alex geht und kommt wieder an dem Tisch mit Florian vorbei. Diesmal hält er ein Bild mit dem Sänger der "Frontdoor Boys" mit nacktem Oberkörper hoch.
   
Florian: "'Tschuldige, aber ich glaub', du hast was verloren!"
   
  Alex reißt ihm das Bild aus der Hand und stürmt aus dem Laden. Claudia schaut etwas schuldbewußt.
   
   
Ort: Das Haus der Degenhardts
   
  Inzwischen ist es Abend geworden. Alex Eltern, Basti und der Hund machen es sich im Wohnzimmer gemütlich.
   
Alex Mutter: (Zu ihrem Mann) "Und dein Chef war einfach schon gegangen?"
Alex Vater: "Golfstunde..."
Alex Mutter. "Also - ich find deinen Aschenbecher jedenfalls toll!"
   
  Alex kommt nach Hause und zieht ihre Jacke aus. Ihre Eltern sehen sich in stiller Übereinkunft an und nicken sich zu.
Alex Vater: "Sebastian! Gehst du mal bitte auf dein Zimmer!"
Basti: (Stöhnt) "Warum muß ich immer auf mein Zimmer, gerade wenn's spannend wird?"
   
  Widerwillig verläßt Basti das Wohnzimmer und geht an Alex vorbei, die sich gerade ein Brot schmiert.
   
Alex: "Weil in der Garage schon Papas Auto steht!"
Alex Mutter: "Alex! Was ist los mit dir?"
Alex: "Nix!"
Alex Vater: "Alex, wir machen uns Sorgen."
Alex: (Schnippisch) "Es is' aber nix - wo ist das Problem?"
Alex Mutter: (Laut) "Das Problem ist, daß dein Verhalten immer merkwürdiger wird. Zuerst dachten wir, wir sind schuld. Vielleicht sind wir einfach zu gutmütig?"
Alex Vater: "Oder zu streng?"
Alex Mutter: "Oder es liegt an den Drogen, die ich während der Schwangerschaft genommen hab'..."
Alex Vater: "Vielleicht ham' wir auch damals einfach zu oft mit'nander geschlafen..."
Alex (Tagebuch): Öfter als jetzt? Unmöglich!
Alex Vater: (Säuselnd) "Du sahst aber auch so sexy aus mit deinem dicken Bauch!"
Alex Mutter: (Verliebt) "Und du mit deinem Vollbart! So... so verlegen!"
Alex: (Genervt) "Hallooo! Wir war'n zufällig gerade beim Anschiß!"
Alex Vater: "Ja! Ähm... Also... Alex... Versetz' dich bitte mal in unsere Lage."
Alex Mutter: "Wir machen uns wirklich Sorgen. Du bist so... anders! Wir ha'm uns früher für Rockstars interessiert..."
Alex Vater: "Ja, oder war'n politisch engagiert."
Alex Mutter: "Oder ha'm einfach unsere Freunde getroffen."
Alex Vater: "Ja, genau! Und du... du... du hast gar keine Freundinnen! Äh, also Alex... Ähm - nach langen Diskussionen ha'm deine Mutter und ich jetzt eine Entscheidung getroffen!"
Alex: (Schockiert) "Oh Gott! Ich muß wieder bei Mamas Chef in die Psychostunde?"
Alex Mutter: "Professor Kramer würde dich doch gar nicht mehr nehmen, nach deinem letzten Auftritt."
   
  Alex Vater geht zum Tisch und sucht ein Prospekt heraus.
   
Alex Vater: "Schau mal Alex, es gibt da ein... Internat in der Eifel, das ist spezialisiert auf Teenager, die... äh, ich will nicht sagen schwierig sind, aber..."
Alex Mutter: "Aber da findest du dann bestimmt auch 'ne Freundin! Guck mal - sieht doch total nett aus?"
Alex (Tagebuch): Ja. Wenn man 'ne Brille in Colaflaschenstärke hatte, sah es nett aus. Mir war sofort klar: Dieses drastische Problem erforderte eine drastische Maßnahme.
   
  Alex holt tief Luft und überwindet sich.
   
Alex: "Ich hab 'ne Freundin!"
Eltern: "WAS?"
Alex: "Naja, wir ha'm 'ne Neue in die Klasse bekommen und mit der hab' ich mich direkt angefreundet. Wie ganz normale Teenager das so machen."
   
  Alex schnappt sich das Prospekt.
   
Alex: "Also. Das heben wir mal lieber für Basti auf, ne'?"
Alex Vater: (Skeptisch) "Moment mal, du hast am selben Tag eine Freundin gefunden, an dem wir uns entschlossen haben, dich aufs Internat zu schicken?"
Alex Mutter: "Was für ein glücklicher Zufall."
   
  Basti, der die ganze Zeit hinter der Tür gelauscht hat, schaut um die Ecke.
   
Basti: (Flötet) "Sie lüüügt!"
Alex: "HALT'S MAUL!"
   
  Alex wendet sich wieder ihren Eltern zu.
   
Alex: "Ich kann das auch beweisen!"
   
   
Ort: Das Haus der Degenhardts
   
  Alex telefoniert mit Claudia und geht währenddessen in der Küche auf und ab - mit Basti im Schlepptau.
   
Alex: "Ja Claudia! Hör endlich auf dich zu bedanken!
   
  Es klingelt an der Haustür.
   
Alex: "Ja. Komm einfach vorbei!"
   
  Alex öffnet die Tür und draußen steht Claudia mit einem Mobiltelefon. Alex starrt verdutzt auf ihr Telefon. Von hinten nähern sich Alex Eltern.
   
Claudia: "Geschenk von meinem Vater!"
Alex: "Cool - er versucht deine Liebe zu erkaufen. Claudia: Meine Eltern!"
   
  Alex knallt Claudia die Haustür vor der Nase zu.
   
Alex: "So, das war's. Jetzt habt ihr sie geseh'n!"
Alex Mutter: "Halt, halt, nicht so schnell!"
Alex Vater: "Wir ha'm doch deine Freundin noch gar nicht kennengelernt."
   
  Alex Mutter macht die Tür wieder auf.
   
Claudia: "Hallo!"
Alex Mutter: "Hallo!"
Alex Vater: "Hallo!"
Basti: "Hier glaubt keiner, daß du Alex Freundin bist!"
Claudia: (Entrüstet) "Aber wir sind Freundinnen - ehrlich!"
   
  Alex geht auf Claudia zu und umarmt sie.
   
Alex: "Ja! Ganz enge sogar! Ich weiß alles über Claudia! Ihre Eltern lassen sich gerade scheiden, ihr Vater ist Arzt und ihre Mutter 'ne Heulsuse."
   
  Claudia nickt eifrig mit dem Kopf.
   
Basti: "Ich wette, sie nickt immer! Egal was Alex sagt!"
Alex Vater: "Weißt du Bastian, gib' doch mal dem Hund was zu fressen, ja?"
Alex: "Am besten dich selbst!"
Alex Mutter: "Alex, ehrlich gesagt - so ganz überzeugt sind wir auch noch nicht."
Alex: "Wie wär's, wenn ich euch was erzähle, was nur 'ne echte Freundin wissen kann?"
Alex Mutter: "Das wär'n Beweis!"
Alex: "Claudia kann ihren Finger halbieren!" (Zu Claudia) "Na zeig's!"
   
  Claudia macht wieder den alten Trick mit dem Finger.
   
Alex Vater: (Beeindruckt) "Ach... Das ist ja witzig! Wie..."
Basti: (Noch beeindruckter) "FETT! Kannst du mir das beibringen?"
Claudia: (Strahlt) "Aber zuerst ist Alex dran!"
   
  Claudia ist selig. Sie lehnt ihren Kopf lächelnd an Alex Schulter. Auch Alex lächelt ein wenig.
   
   
Ort: "Limit"
   
  Alex und Claudia treten ein.
   
Alex: "Also, ein paar ganz grundsätzliche Dinge, ja? Regel Nummer eins: Wir sind KEINE Freundinnen! Regel Nummer zwei: Wir werden auch niemals Freundinnen! Regel Nummer drei: Zeig' mir NIE wieder deinen bescheuerten Fingertrick!"
   
  Beide setzen sich an den Tresen und Claudia beginnt geistesabwesend in ihrer Tasche zu wühlen.
   
Alex: "Hörst du mir überhaupt zu?"
Claudia: (Verzweifelt) "Scheiße, bin ich blöd!"
Alex: "Ja! Deswegen die Regeln!"
Claudia: "Alex, ich steck' richtig tief in der Scheiße!"
Alex: (Strahlt) "Hey, endlich mal gute Neuigkeiten!"
   
  Claudia fängt an zu weinen.
   
Alex: (Besorgt) "Hey, was'n los? Es gucken ja schon alle!"
   
  Claudia schneuzt sich lauthals die Nase.
   
Alex: "Hallo, sag' das alles in Ordnung ist!"
   
  Claudia steht auf, damit alle sie sehen können.
   
Claudia: "Mh... mir geht's gut! Ich hab' nur was im Auge!"
   
  Claudia setzt sich wieder. Niko nähert sich - ernsthaft besorgt.
   
Niko: "Ähm - vielleicht kann ich irgendwas helfen, kann ich irgendwas tun?"
Alex: "PLATZ!"
   
  Niko geht wieder.
   
Alex: (Unfreundlich) "Also: Was ist los?"
Claudia: "Ich hab' dir doch von meiner Methode erzählt, wie man Ärger los wird."
Alex: "Ja, die hat sich für immer in mein Hirn eingebrannt!"
Claudia: "Na ja, ich hab' gestern mal alles aufgeschrieben, was ich an Frau Lindner hasse. Dummerweise hab' ich dann aber die Hausaufgaben verbrannt und..."
Alex: "Den Zettel abgegeben?"
   
  Claudia nickt zustimmend.
   
Claudia: (Panisch) "Die Lindner bringt mich um!"
Alex: (Vergnügt) "Na hoffentlich!"
Claudia: "Alex! Du mußt mir helfen!"
Alex: "Warum sollte ich?"
Claudia: "Weil wir Freundinnen sind!"
Alex: (Beschwörend) "W-i-r t-u-n b-l-o-ß s-o!"
Claudia: "U-n-d d-a-s s-o-l-l-e-n deine Eltern auch bestimmt nie erfahren!"
   
  Alex sieht ein, daß Claudia recht hat.
   
   
Ort: Schule
   
  Inzwischen ist es Nacht geworden. Alex und Claudia brechen mit Taschenlampen bewaffnet in das Schulgebäude ein. Beide sind in Schwarz gekleidet. Claudia hat zusätzlich noch eine schwarze Skimaske auf, Alex schwarze Ohrenschützer.
   
Alex: (Flüsternd) "Los, komm, die Luft ist rein! Mach schon!"
Claudia: "Sicher?"
Alex: "Ja, klar! Und nimm endlich diese bescheuerte Maske ab!"
Claudia: "Alex! Was glaubst du, was passiert, wenn wir erwischt werden?"
Alex: "Ja, ich komm' in'n Knast und dich fragt man nach'm Skipass! Los! Komm!"
   
  Beide dringen bis zur Tür des Lehrerzimmers vor.
   
Claudia: "Du hebst mich hoch und ich klettere durch's Oberlicht! Dann laß ich dich durch die Türe rein!"
Alex: "Aber du kannst..."
Claudia: "Keine Widerrede! Heb mich hoch!"
Alex: "Wenn d..."
Claudia: "HOCHHEBEN ODER INTERNAT!"
Alex: "Wie du willst..." (Stöhnt)
Claudia: "Los! Eins... Zwei... Hoch!
   
  Alex hebt Claudia hoch, so daß sie das Oberlicht über der Tür des Lehrerzimmers erreichen kann. Claudia öffnet das Oberlicht, schaut in das Lehrerzimmer hinein und sondiert die Lage.
   
Claudia: "Die Aufgaben liegen noch auf dem Tisch!"
   
  Alex öffnet die unverschlossene Tür zum Lehrerzimmer und tritt ein. Claudia sieht sie verwirrt an.
   
Alex: "Gut!"
Claudia: (Brummelt) "Das hätt'st mir auch früher sagen können... (??)"
Alex: "Schreib's auf'n Zettel und verbrenn' ihn!"
Claudia: "Harrrgh!"
   
  Alex geht mit der Taschenlampe vor, bis sie die Aufgaben gefunden hat. Claudia hängt immer noch im Oberlicht fest.
   
Alex: "Ich hab' deinen Wisch!"
Claudia: (Zischt) "Hilf mir mal!"
Alex: "Gleich!"
   
  Alex beginnt vorzulesen.
   
Alex: "Frau Lindner ist so unsensibel. Sie besteht darauf, daß jeder vor der ganzen Klasse rezitieren muß - auch die Schüchternen. Kein Wunder, daß die arme Stella in den Abfalleimer erbrochen hat. Frau Lindner sollte wirklich lernen, einfühlsamer zu werden. Vielleicht kann ich ihr dabei helfen."
   
  Im Hintergrund versucht Claudia ohne Alex Hilfe aus dem Oberlicht zu klettern und fällt dabei hinunter. Sie rappelt sich wieder auf und geht zu Alex.
   
Alex: "Wow, meine Herren, der hast du's aber gegeben! Los, mach!"
   
  Claudia packt den Zettel ein.
   
Alex: "Gut! Mission erfolgreich abgeschlossen! Nix wie raus hier!"
Claudia: "Augenblick noch!"
   
  Claudia kramt in ihrer Tasche und holt ein aus Papier geformtes Schwein aus ihrer Tasche.
   
Claudia: (Stolz) "Das hier ist Schnuffelmann! Mein ältester Freund!"
Alex: "Tja, Papier ist geduldig."
Claudia: "Den hab' ich mit sechs gebastelt. Seitdem nehmen wir ihn überall hin mit und fotografier'n ihn! Zu Hause gibt's ein ganzes Album voller Schnuffelmannfotos!
Alex: (Resignierend) "Okay, setz dich!"
Claudia: "Nicht ich! DU! Das gibt doch'n voll süßes Foto!"
Alex: "N-I-E-M-A-L-S!"
Claudia: (Hämisch grinsend) "Du könntest es mit ins Internat nehmen!"
   
  Alex stöhnt, nimmt Schnuffelmann in die Hände und Claudia holt ihren Fotoapparat hervor.
   
Claudia: "Lächeln!"
   
  Alex lächelt gezwungen.
   
Alex: (Zischt mit aufgerissenen Augen) "Du gehörst in die Klapse!"
   
  In diesen Moment hören die beiden, wie sich auf dem Flur jemand nähert. Alex legt Schnuffelmann weg und beide verstecken sich schnell unter einem Schreibtisch.
  Die Tür zum Lehrerzimmer öffnet sich und der Hausmeister tritt ein. Er wundert sich über das offenstehende Oberlicht. Er läßt seine Taschenlampe durch den Raum schweifen und bleibt schließlich vor dem Schreibtisch stehen, unter dem sich Alex und Claudia versteckt halten. Sein Blick fällt auf Schnuffelmann. Claudias Hand kommt hervor und tastet suchend nach ihrem Schnuffelmann.
   
Alex (Tagebuch): Wir wär'n niemals geschnappt worden, wenn es Schnuffelmann nicht gegeben hätte.
   
Hausmeister: (Laut) "Was'n hier los? Häh?"
   
  Er entdeckt Alex und Claudia unter dem Schreibtisch.
   
   
Ort: Polizeirevier
   
Alex (Tagebuch): Claudia und ich landeten auf dem Polizeirevier. Und zum ersten Mal seit ich sie kannte, war sie... still!
   
  Beide sitzen in einem Vorraum auf einer Bank.
   
Claudia: "Du fragst Dich bestimmt, warum ich im Polizeiauto so still war?"
Alex: "Nee, ich frag' mich, wo ich so'n Auto herkriege."
Claudia: "Ich hab' über die Aktion heute Nacht nachgedacht. Die war..."
Alex: "...ne totale Katastrophe, ja!"
Claudia: "...ein Riesenspaß!"
Alex: "HILFE! Ich bin ganz alleine mit dieser Bekloppten!"
Claudia: "Ich weiß, der Abend ist zum Schluß nicht... äh... ganz... optimal verlaufen..."
Alex: (Ungläubig) "Nicht ganz optimal? Und wo wär'n wir, wenn's Scheiße gelaufen wär'?"
Claudia: "Na komm! Du fand'st es doch richtig lustig, als ich stecken geblieben bin?"
Alex: "Jaaa, das war lustig!"
   
  Alex lehnt sich erschöpft zurück und schliesst die Augen.
   
Claudia: (Betrübt) "Nur mein Schnuffelmann... den hab' ich leider verlor'n."
Alex: "Claudia? Warum eigentlich ich?"
Claudia: "Wie jetzt?"
Alex: "Warum willst du unbedingt mit mir befreundet sein? Es gibt doch auf der Schule noch genug andere Leute und... vielleicht kann dich sogar einer ertragen?"
Claudia: "Und das wär' genau der falsche!"
Alex: "Ja, nee - is klar!"
Claudia: "Zu meinem letzten Geburtstag hab' ich die ganze Klasse eingeladen. Und alle sind gekommen. Ich war total glücklich... bis ich mich aus Versehen im Keller eingeschlossen hab'. Und weißt'e was passiert ist?" (Traurig) "Nichts! Keiner hat's gemerkt. Die sind alle nicht wegen mir gekommen, sondern wegen unserem Swimmingpool.
   
  Alex hat die Augen inzwischen geöffnet und hört aufmerksam zu.
   
Claudia: "Tja, alle ha'm mich belogen. Und da hab' ich mir gedacht, nur wenn mir einer ehrlich sagt, daß er mich nicht mag, besteht die Chance, daß er mir auch ehrlich sagt, daß er mich mag. Wenn er mich mag. Also... daß ich so 'ne Freundin finde."
Alex: (Genervt) "Hast du dir mal fünf Minuten beim Quasseln zugehört? Da hast du mit den reichen Eltern bessere Chancen."
Claudia: (Leise) "Vielleicht hast du recht."
   
  Alex Eltern werden von einen Beamten hineingeführt.
   
Alex Mutter: "Claudia, deine Mutter ist ziemlich durcheinander, sie will den Polizisten, der euch verhaftet hat, kastrieren!"
Claudia: (Unbekümmert) "Damit droht sie jedem Mann!"
Alex (Tagebuch): Noch ein Grund, warum Claudias Vater sich verpißt hat.
   
  Claudia steht auf und will gehen.
   
Claudia: "Nacht, Alex!"
Alex: "Warte!"
   
  Alex kramt in ihrer Tasche, holt Schnuffelmann heraus und gibt ihn Claudia.
   
Alex: "Hier, hab' ich auf'm Boden gefunden. Du willst ihn doch bestimmt nochmal hinter Gittern fotografieren!"
Claudia: (Fast sprachlos) "Alex, danke! Für alles!"
   
  Claudia verläßt glücklich das Revier. Alex Eltern haben sich rechts und links von Alex auf der Bank niedergelassen.
   
Alex Vater: "Alex..."
Alex: "Sag nichts! Ich verreise in die Eifel!"
Alex Mutter: "Laß deinen Vater doch mal ausreden!"
Alex Vater: "Sach mal Anke, war'n wir hier nicht schon mal?"
Alex Mutter: "Kann gut sein, bei unseren 15 Verhaftungen war'n wir bestimmt auch schon mal hier."
   
  Alex Vater steht auf und begutachtet die hölzerne Sitzbank genauer. Alex gähnt herzhaft.
   
Alex Vater: "Ja, guck doch hier! Hier hab ich doch unsere Namen eingeritzt!"
Alex Mutter: "Ach..."
Alex Vater: "Hendrik liebt Anke forever!"
Alex Mutter: "Das war 'ne ganz besondere Nacht, weißt du noch?"
Alex Vater: "Na hör mal, ich werd' doch nicht die Nacht vergessen, in der wir Alex gezeugt haben! Ich bin dahinten aufs Klo..."
Alex Mutter: "...ich bin dir ja nach und..."
Alex Vater: "... du bist mir nach und dann hab' ich mich auf die Brille..."
Alex: "ICH GLAUBE, ES REICHT! Wann ist mein erster Tag im Internat?"
Alex Mutter: "Alex. Du mußt nicht ins Internat!"
Alex: (Ungläubig) "Nicht?"
Alex Mutter: "Nein!"
Alex Vater: "Nein! Wir wissen, daß du uns nicht angelogen hast, die Claudia ist wirklich deine Freundin!"
Alex Mutter: (Stolz) "Du hast dich ja sogar für sie verhaften lassen, sowas macht man nur für wirklich gute Freunde!"
Alex Vater: "Ich glaube, daß diese Claudia einen wirklich guten Einfluß auf dich hat! Wir möchten, daß du von jetzt ab soviel Zeit wie möglich mit ihr verbringst!"
   
  Alex gefriert das Lächeln im Gesicht.
   
Alex: (Trocken) "Wir müssen unbedingt nochmal über diese Internatsgeschichte reden. Die Eifel soll ja in dieser Jahreszeit wunderschön sein!"
   
  Alex erntet nur ungläubige Blicke von ihren Eltern.
   
   
Ort: Das Haus der Degenhardts
   
  Alex sitzt in ihrem Zimmer im Bett und schreibt ihr Tagebuch.
   
Alex (Tagebuch): So, das war's. Claudia hat aus meinem Leben ein Katastrophengebiet gemacht und ich gehe davon aus, daß mein Weg mit ihr DIREKT in die Hölle führt.
   
  Claudia betritt Alex Zimmer mit dem Hund auf dem Arm.
   
Claudia: "Hi! Schreibst du was über mich?"
Alex: "Nein, ich schreibe, daß der Hund Flöhe hat!"
   
  Abrupt läßt Claudia den Hund fallen und schüttelt sich vor Ekel, reißt sich die Jacke vom Körper, kreischt und beginnt sich am Körper zu kratzen.
   
Alex (Tagebuch): Aber vielleicht gibt es ja einen Weg aus der Hölle?

Ende

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