Mein Leben und Ich
"Eine gewisse Chemie"
(Staffel 1 - Folge 2)
Die beteiligten Personen:
Alexandra - Alex - Degenhardt
Hendrik Degenhardt (Alex Vater)
Anke Degenhardt (Alex Mutter)
Sebastian - Basti - Degenhardt (Alex kleiner Bruder)
Claudia Fischer (Alex "beste" Freundin)
Nikolas - Niko - Pütz (Nervensäge)
Daniel Kaminski (Alex heimliche Liebe)
Daniels kleiner Bruder
Sabine (Schulschlampe)
Dr. Orthmanns (Chemielehrer)
Diverse Mitschüler
| Intro: | |
| Ort: | Das Haus der Degenhardts |
| Alex (Tagebuch): | Schule soll uns auf die Zukunft vorbereiten. Sie soll alle wichtigen Fragen des Lebens aufwerfen... |
| Ort: | Der Schulhof |
| Alex (Tagebuch): | ...und das tut sie auch. Zumindest in einer Freistunde. |
| Alex sitzt auf einer Bank auf dem Schulhof und wühlt in ihrem Rucksack. Sie fördert ein Buch zutage, welches offensichtlich nicht ihren Erwartungen entspricht. | |
| Alex (Tagebuch): | Warum hat man zu 'ner Freistunde nie das Buch dabei, auf das man sich gefreut hat? |
| Sie steckt das Buch wieder weg und sieht einigen Jungs beim Basketballspielen zu. | |
| Alex (Tagebuch): | Warum werfen Jungs sinnlos einen Ball in einen Korb? |
| Sie beobachtet einige Mädchen, die zusammenstehen und tratschen und schüttelt den Kopf. | |
| Alex (Tagebuch): | Warum stehen Mädchen zusammen und quatschen sinnloses Zeug? |
| Warum wird Ballspielen den einen Jungs langweilig, den anderen nicht? | |
| Sie sieht Daniel, der als einziger noch weiterhin Körbe wirft und dabei von einigen Mädchen beobachtet wird. | |
| Alex (Tagebuch): | Warum finden Mädchen das so spannend? |
| Daniel wirft wieder eine Korb, der Ball prallt vom Gerüst ab und fliegt weit davon. Claudia rennt dem Ball ungeschickt hinterher, während die anderen Mädchen über sie lästern und lachen. Als sie den Ball hat, will sie ihn Daniel zurückwerfen. Sie trifft aber nur eine Reihe von Fahrrädern, die alle nacheinander umfallen. Dann setzt sie sich neben Alex auf die Bank. | |
| Alex (Tagebuch): | Und warum hat Claudia in all den Schuljahren nicht gelernt, wie man einen Ball wirft? |
| Claudia lächelt sie verlegen an. | |
| (Vorspann) | |
| Ort: | Das Haus der Degenhardts |
| Alex (Tagebuch): | Manche springen mit Gummiseilen von Brücken, andere besteigen den Mount Everest, um an die Grenzen ihrer Belastbarkeit zu kommen. |
| Die Degenhardts kommen mit dem Auto vom Einkaufen zurück und fahren die Einfahrt zum Haus hinauf. | |
| Alex (Tagebuch): | Warum so kompliziert? ICH fahr' einfach mit meiner Familie einkaufen. |
| Alex und Basti sitzen unglücklich auf den Hintersitzen, vorne die Eltern. | |
| Basti: | "Ich hatte mich so auf'n Computer mit Internet gefreut." |
| Alex Mutter: | "Dafür haste doch die schönen Schuhe bekommen!" |
| Alex: | (Genervt) "Die wird er auch brauchen, wenn wir immer fünf Kilometer vom Laden weg parken." |
| Alex Vater: | "Warum fährst du überhaupt mit, wenn du immer nur 'rumknöterst?" |
| Alex: | "Das weiß ich auch nich'!" |
| Die Familie steigt aus dem Wagen aus. An der Haustür steht bereits Claudia, die auf Alex gewartet hat. | |
| Claudia: | (Vorwurfsvoll) "Alex, wir war'n doch zum Lernen verabredet!" |
| Alex: | "Ja, deswegen bin ich ja auch extra mit meinen Eltern einkaufen gefahr'n, das war echt kein Vergnügen." |
| Alex Mutter: | "Hallo Claudia!" |
| Claudia: | (Beleidigt zu Alex) "Hier stundenlang warten auch nicht..." |
| Alex sieht auf die Uhr. | |
| Alex: | "Dafür hast' doch ganz gut durchgehalten." |
| Alex öffnet die Haustür und tritt ein. Hinter ihr Claudia, die Eltern mit den Einkäufen und Basti. | |
| Alex Vater: | "Und, was macht ihr beide heute noch Schönes?" |
| Claudia: | "Englisch! Wir kriegen bald blaue Briefe!" |
| Alex Mutter: | "Ach komm, Claudia... und wenn... davon geht doch die Welt nich' unter." |
| Alex Vater: | (Amüsiert) "Weißte noch bei uns damals! Da durft' man sich doch fast nicht erlauben, keinen zu kriegen. |
| In der Küche werden inzwischen die Einkäufe verstaut. | |
| Claudia: | "Gut, wenn man 'n Junge ist. So einer wie Daniel aus uns'rer Klasse zum Beispiel, der kriegt sogar fünf Stück! Aber das ist auch so 'n süßer, geheimnisvoller!" |
| Für Claudias letzte Bemerkung erntet sie einen bitterbösen Blick von Alex. | |
| Claudia: | "Den macht das höchstens interessanter!" |
| Basti beugt sich cool zu Claudia hinüber. | |
| Basti: | "Ja, vielleicht bekomm' ich dieses Jahr auch einen!" |
| Alex: | "Mit interessant meint sie: Für's Arbeitsamt." |
| Claudia: | "Jedenfalls hab' ich 'n völlig anderes Image. Mehr so..." |
| Alex: | "Überflüssig?" |
| Claudia: | "...unauffällig! Und so 'n blauer Brief kann da tödlich sein. Man darf nicht zu gut sein und nicht zu schlecht. Am besten gar nicht auffallen! Sonst ist man nämlich draußen." |
| Alex: | (Frostig) "Gilt hier übrigens auch!" |
| Alex Mutter: | "Das hört sich aber langweilig an - wir war'n richtig wild!" (Schwärmt) "Hauptsache auffallen, jeden Tag was anderes!" |
| Alex: | (Stöhnt) "Heute bedeutet das, sie wechseln die Teesorte!" |
| Alex Mutter schaut sie vorwurfsvoll an. | |
| Claudia: | "Ach komm... wenn deine Mutter heute jung wär', hätt' sie bestimmt 'n Bauchnabelpiercing!" |
| Alex Mutter: | (Entsetzt) "NEE... also... das ist doch zu verrückt für mich." |
| Alex Vater: | "Anke, du bist doch durch und durch verrückt!" |
| Alex Mutter: | "Findest du?" |
| Alex Vater stubbst seiner Frau liebevoll mit der Spülmittelflasche, die er gerade einräumen wollte, zärtlich auf die Nase. | |
| Alex Vater: | "Na klar!" |
| Alex: | "Sonst hättst du ihn ja wohl nicht geheiratet." |
| Claudia: | "Äh, wo machen wir denn Englisch, hier im Wohnzimmer oder oben bei dir?" |
| Alex: | "Im Wohnzimmer bei DIR - ohne mich!" |
| Claudia: | (Enttäuscht) "A... aber ich dachte, wir machen's zusammen? |
| Alex: | (Stolz) "Hm! Dachtest du. Ich laß' dich höchstens abschreiben." |
| Sie kramt in ihrem Rucksack, zieht ihr Englischheft heraus und reicht es Claudia. | |
| Claudia: | (Ungläubig) "Wie... sch... schon fertig?" |
| Alex Vater beugt sich über die beiden und studiert das Englischheft. | |
| Alex Vater: | (Neckend) "Ach, guck mal an, unsere Tochter ist 'ne Streberin!" |
| Alex: | "Da siehst du, wo diese Frau mich noch hinführt. Tschüß!" |
| Unter Claudias Protest führt Alex sie zur Haustür und kehrt lächelnd wieder in die Küche zurück. | |
| Ort: | Schule |
| Alex und ihre Mitschüler sitzen im Chemiesaal. | |
| Alex (Tagebuch): | Vor den Englischunterricht hatte das Schicksal Chemie bei Dr. Orthmanns gelegt. Man konnte es überleben - wenn man nich' in die Mangel genommen wurde. |
| Dr. Orthmanns: | "Gerade mal drei Minuten Unterricht und schon die Gewissensfrage: Riskier ich 'ne Explosion, oder geb' ich lieber gleich drei Fünfen?" |
| Niko, Stefan und Sabine stehen vorne am Arbeitsplatz bei einem gefährlich aussehendem Experiment. Man hört es blubbern. Alle drei haben Schutzbrillen auf und machen nicht den Eindruck, als wüßten sie, was sie tun. | |
| Sabine stöhnt verzweifelt. Dr. Orthmanns beugt sich zu ihnen herüber. | |
| Dr. Orthmanns: | (Sarkastisch) "Okay, ihr habt noch 42 Minuten!" |
| Alex (Tagebuch): | Und Orthmanns meinte sowas ernst. Er würde die drei bis zum bitteren Ende schmoren lassen. |
| Dr. Orthmanns: | "Wo ist denn eigentlich der Kaminski schon wieder, hm?" |
| Niko: | "Der Daniel is' heut' nicht da!" |
| Dr. Orthmanns: | "Ah." (Ironisch) "Darauf wär'sch jetzt nit jekommen, Pütz!" |
| Claudia: | "Oh, nicht da, das is' schlecht!" |
| Alex: | "Besonders für seine Note in Chemie." |
| Orthmanns nähert sich den beiden langsam. | |
| Claudia: | "Und für deine - in Englisch!" |
| Alex beugt sich fragend zu Claudia herüber. | |
| Claudia: | "Daniel hat dein Heft!" |
| Alex: | "Was? Du solltest es abschreiben und nich' auslegen!" |
| Claudia: | "Das war DIE Chance! Dem hatten fünf Mädchen ihre Hefte angeboten - und ich hab' ihm deins gegeben. Jetzt hast du ihm geholfen!" |
| Alex: | "Und wenn ich das gar nicht will? Was mach' ich überhaupt, wenn er heute gar nicht mehr kommt?" |
| Claudia: | (Überlegend) "Er muß sich trotzdem bei dir bedanken!" (Strahlt) |
| Alex: | (Zischt) "Und was soll ich jetzt nächste Stunde abgeben?" |
| Orthmanns steht inzwischen neben Alex. Er beugt sich zu ihr herunter. | |
| Dr. Orthmanns: | (Leise) "Gibt's was Spanndendes, Degenhardt?" (Sarkastisch) "Die drei da vorn' langweil'n mich!" |
| Alex: | "Nee, geht mir genauso!" |
| Dr. Orthmanns: | (Drohend) "Noch ein Wort und ich sorge für Abwechslung!" |
| Er geht wieder nach vorne. | |
| Alex: | (Leise) "Wie, soll ich den ganzen Scheiß nochmal abschreiben...?" |
| Claudia: | (Ängstlich) "Pst!" |
| Orthmanns geht zur Tafel und dreht der Klasse den Rücken zu. | |
| Claudia: | (Flüstert) "Ich kann dir ja helfen." |
| Alex: | (Flüstert) "Dann sorg' dafür, daß jetzt Chemie ausfällt!" |
| Orthmanns schreibt "?? ml" an die Tafel und wendet sich wieder der Klasse zu. | |
| Dr. Orthmanns: | "Wir geh'n hier nicht eher raus, bis das Ergebnis des Versuchs an der Tafel steht!" |
| Alex überlegt kurz. | |
| Alex: | "Sie meinen, dann is' Schluß?" |
| Dr. Orthmanns: | "Oh, ich nenn's Feierabend." |
| Alex erhebt sich, geht zur Tafel, wischt die beiden Fragezeichen aus und schreibt eine 12 vor das "ml". | |
| Alex: | "Fertig!" |
| Alex will zurück zu ihrem Platz. | |
| Dr. Orthmanns: | "Nicht ganz." |
| Alex bleibt stehen, dreht sich um und schaut Orthmanns an. | |
| Dr. Orthmanns: | "Wenn du schon die Theorie der Praxis vorziehst, woll'n wir doch wissen, wie du's gerechnet hast." |
| Alex: | (Schnippisch) "Im Kopf?" |
| Orthmanns wendet sich ab, geht zu Sabine und haut ihr mit der Zeitung, die er in der Hand hält, leicht über den Kopf. Sabine erschrickt und ihr fällt fast der Schlauch, mit dem sie gerade hantiert, aus der Hand. | |
| Dr. Orthmanns: | "Siehst Du!" (Auf Sabines Kopf zeigend) "Der ist nicht nur zum Frisieren da!" |
| Orthmanns wendet sich wieder Alex zu, die bereits ihre Sachen zusammenpackt. | |
| Dr. Orthmanns: | "Also! Deine Kollegin würde gern versteh'n, wie du zu dem Ergebnis gekommen bist." |
| Alex: | "Dann wird's aber nichts mit dem Feierabend." |
| Dr. Orthmanns: | "Stimmt! Aber wenn die ander'n den Lösungsweg kapier'n, dann habe ich weniger Arbeit!" |
| Alex nimmt ihre Sachen und steht auf. | |
| Alex: | (Fröhlich) "Tja... das war aber leider nicht die Aufgabe! Sie kann's ja nachlesen. Kapitel 14!" |
| Alex verläßt das Klassenzimmer und schließt die Tür hinter sich. Orthmanns sieht ihr nach und ist offensichtlich beeindruckt von ihrer Kaltschnäuzigkeit. | |
| Auf dem Flur trifft sie auf Daniel. | |
| Daniel: | "Hey! Hi! Wie's 'n Orthmanns drauf?" |
| Alex: | "Och, bis jetzt hat er erst drei Leute fertiggemacht!" |
| Daniel: | "Hm, okay, dann spar' ich mir Chemie lieber ganz..." |
| Er geht weiter. Alex ruft ihm nach. | |
| Alex: | "Daniel?" |
| Daniel bleibt schnell stehen und dreht sich zu ihr um. | |
| Daniel: | "Ja?" |
| Alex: | "Claudia hat dir mein Englischheft gegeben?" |
| Daniel: | "Ach so, ja!" |
| Er legt seine Tasche auf die Fensterbank und holt Alex Englischheft heraus. Alex wirkt erleichtert. | |
| Daniel: | "Ich hab's eh nicht gebraucht. Hätt' mir eh keiner geglaubt, daß ich sowas schreibe..." |
| Alex schaut ihn verwirrt an. | |
| Alex (Tagebuch): | Ich hoffe, das war positiv gemeint. |
| Ort: | Das Haus der Degenhardts |
| Alex Eltern sitzen im Wohnzimmer auf der Couch und Alex lehnt lässig in der Wohnzimmertür. Alex Vater unterschreibt den blauen Brief, den Alex von Dr. Orthmanns bekommen hat: |
Hansagymnasium zu Köln
Hansaring 56
50670 Köln
Fam. Hendrik Degenhardt
Tannenweg 2
50123 Köln
Sehr geehrter Herr Degenhardt,
ich muß Ihnen leider die Mitteilung machen, das die Leistungen Ihrer Tochter Alexandra im Chemieunterricht ungenügend sind, und aus diesem Grund ihre Versetzung gefährdet ist.
Darüberhinaus ist Alexandra mehrfach wegen unbotmäßigen Betragens auffällig
geworden.
Mit freundlichen Grüßen,
Orthmanns
___________________________________________________________________
Ich habe ihr Schreiben zur Kenntnis genommen.
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Erziehungsberechtigter
| Alex (Tagebuch): | Gut - ich hatte kein Problem in Englisch bekommen, dafür aber in Chemie. Und zwar 'n blauen Brief. An sich nich' so schlimm, wenn nich' der einzige Sinn von blauen Briefen wäre, daß Eltern endlich was haben, worüber sie mit einem reden konnten. |
| Alex wendet sich ab und setzt sich im Esszimmer auf einen Stuhl. | |
| Alex Vater: | "Alex, ähm... du weißt, daß wir... kein Problem mit deinem blauen Brief haben..." |
| Alex: | "Gut!" |
| Alex Mutter: | "Deine Chemienote interessiert uns auch überhaupt nicht." |
| Alex erhebt sich und geht zu ihren Eltern ins Wohnzimmer zurück. | |
| Alex: | "Klar! Eure eigene hat euch ja damals auch nicht interessiert. Wo ihr doch so WILD ward!" |
| Alex Mutter: | (Zu ihrem Mann) "Und noch sind?" |
| Alex Vater: | "Genau!" |
| Alex schnappt sich den blauen Brief und steckt ihn zurück in den Umschlag. | |
| Alex: | "Gut, dann danke ich für das Gespräch..." |
| Alex Mutter: | (Energisch) "...das noch nicht zu Ende ist!" |
| Alex verdreht die Augen und setzt sich. | |
| Alex: | "Das Ganze ist einfach 'ne miese Retourkutsche. Ich konnte alles, aber Orthmann hat es gewurmt, daß ich den Lösungsweg nich' aufgeschrieben hab'. Und jetzt hab' ich noch was Besseres vor." |
| Alex greift wieder nach dem Brief und erhebt sich. | |
| Alex Mutter: | (Laut) "Immer nur DU, DU, DU!" |
| Alex Vater: | (Laut) "Es geht nicht immer alles nur im dich, Alexandra!" |
| Alex stöhnt und setzt sich wieder. | |
| Alex Mutter: | "So gerne du auch hättest, alleine auf dieser Welt zu sein, du bist es nich'! Alles was du machst, hat eine Wirkung auf deine Mitmenschen..." |
| Alex: | "Aber..." |
| Alex Mutter: | "...und auch auf deine Mitschüler!" |
| Alex: | (Entgeistert) "Aber ich hab' doch überhaupt nix gemacht?" |
| Alex Vater: | "Ja eben! Das meint Mutti ja!" |
| Alex Mutter: | (Verwirrt) "Ja?" |
| Alex Vater: | "Ja! Äh... n... na stell' dir doch mal vor, irgendjemand aus deiner Klasse hat wegen dir nich' kapiert, wie dieser Versuch geht. Und dann kommt genau das im Abi dran!" |
| Alex Mutter: | "Genau! Und dann fällt er durch!" |
| Alex Vater: | "Und kann nich' studier'n!" |
| Alex Mutter: | (Eifrig) "Er findet keinen Job, der ihn glücklich macht. Wird arbeitslos!" |
| Alex Vater: | "Und am Ende lebt er aus den Mülltonnen von anderen Menschen!" |
| Beide schauen Alex böse an. | |
| Alex Mutter: | "Wegen dir!" |
| Alex schaut ungläubig zurück. | |
| Alex Vater: | "Hast du das verstanden?" |
| Beide schauen sie erwartungsvoll an. | |
| Alex (Tagebuch): | Ich konnte "nein" sagen. Aber dann würde ich mir diese gequirlte Kacke noch stundenlang anhören müssen. |
| Alex: | "Ja ja, hab' ich kapiert!" |
| Alex Vater strahlt sie an. | |
| Alex Vater: | "Ja, und darum geht's ja auch. Im ganzen Leben, ja? Um's Teilen!" |
| Alex: | "Mh...!" |
| Alex Vater: | (Zu seine Frau) "Wenn sie's jetzt nämlich nicht kapiert..." |
| Alex (Tagebuch): | Oh Gott, die beiden würden noch reden, wenn ich schon längst ins Koma gefallen war. |
| Ort: | Schule |
| Alex und Claudia wandern durch die Korridore zur nächsten Unterrichtsstunde. | |
| Claudia: | "O Gott, du Ärmste - ich hab's schon gehört. Wenn ich jemals 'n blauen Brief krieg, sterbe ich!" |
| Alex: | (Eifrig) "Willst'e meinen haben? Gehört eigentlich sowieso dir!" |
| Claudia: | "Wieso?" |
| Alex: | "Wieso? Ich mußte mir drei Stunden lang das Gelaber meiner Eltern anhör'n!" |
| Claudia: | "Deshalb helf' ich dir ja. Ich bin zwar auch nich'... der Knaller in Chemie..." |
| Alex: | (Schnippisch) "Was heißt denn auch nich' der Knaller? Ich hab' kein Problem in Chemie..." |
| Aus einem der Klassenzimmer tritt Orthmanns. Er hat Alex letzte Bemerkung gehört. | |
| Dr. Orthmanns: | "Das seh' ich anders!" |
| Claudia verzieht sich schnell auf die Toilette. | |
| Alex: | (Sauer) "Ach ja? Verschicken sie deswegen blaue Briefe?" |
| Dr. Orthmanns: | (Grinsend) "Tja, Prügelstrafe ist abgeschafft!" |
| Alex: | "Diktatur auch!" |
| Dr. Orthmanns: | "Och, es gibt kleine Biotope..." |
| Alex: | "Was soll's... auf jeden Fall is' es nich' fair!" |
| Dr. Orthmanns: | "Schüler sind auch unfair - warum sollte ich zu dir fair sein?" |
| Alex: | (Verständnislos) "Sie geben also zu, daß der Brief überhaupt nicht berechtigt is'?" |
| Dr. Orthmanns: | "Mmmh..." |
| Alex: | "Ach, da fällt mir jetzt auch nix mehr ein..." |
| Dr. Orthmanns: | "Gut - mir wird nämlich schon langweilig!" |
| Er wendet sich ab. Alex verdreht genervt die Augen. Orthmanns sieht Daniel auf dem Gang. | |
| Dr. Orthmanns: | "Kaminski!" |
| Daniel bleibt stehen und dreht sich um. | |
| Dr. Orthmanns: | "Warum warst du nicht in der letzten Chemiestunde?" |
| Daniel weiß nicht so recht, was er sagen soll. | |
| Dr. Orthmanns: | "Hm? Wir hatten einen wichtigen Versuch..." |
| Claudia taucht wieder auf. | |
| Claudia: | (Zu Alex) "Was hat er gesagt?" |
| Alex: | "Was wohl?" |
| Claudia: | "Ja wie?" |
| Daniel: | (Unsicher) "Verpennt!" |
| Dr. Orthmanns: | "Verpennt... soso..." |
| Dr. Orthmanns blättern in seinen Unterlagen. Alex will gerade loslegen und Claudia zusammenfalten, da macht Claudia ihr ein Zeichen, leise zu sein, weil sie hören möchte, was zwischen Daniel und Orthmanns passiert. Alex zeigt ihr einen Vogel. | |
| Orthmanns zieht einen Zettel heraus. | |
| Dr. Orthmanns: | "Hier ist der Versuch. Du holst ihn im Labor nach." (Laut zu Alex) "Mit Degenhardt!" |
| Alex: | (Völlig entsetzt) "WAS, ICH? Was hab' ich denn damit zu tun?" |
| Dr. Orthmanns: | "Gar nichts. Aber ich erwarte das Ergebnis trotzdem morgen auf meinem Schreibtisch, hm?" |
| Er wendet sich ab und geht. Alex schießt auf Daniel zu. | |
| Alex: | (Wütend) "Sag' mal, mußtest du hier so dämlich vorbeilatschen? Jetzt darf ich den ganzen Nachmittag mit dir UND Chemie abhängen!" |
| Claudia verfolgt den Dialog von der Toilettentür aus. | |
| Daniel: | "Ich kann mir auch was Besseres vorstellen." |
| Er wendet sich ab und geht. Alex sieht ihm wütend nach. | |
| Alex: | "ACH JA? WAS DENN? MITTAGSSCHLÄFCHEN, GROSSE PAUSE, ODER EINFACH NUR SO PENNEN?" |
| Claudia flitzt zu Alex. | |
| Claudia: | "Bist du bescheuert? Das war DIE Chance!" (Stöhnt) |
| Claudia zieht Alex über den Flur in die andere Richtung. | |
| Alex: | "Die Chance? Du bist..." |
| Ort: | Das Haus der Degenhardts |
| Alex geht die Treppe hoch zu ihrem Zimmer. | |
| Alex (Tagebuch): | Das Schicksal ist echt gnadenlos. Erst der Aufsatz, dann ein blauer Brief... und jetzt auch noch Nachsitzen mit Daniel. Egal, was ich mache, es wird immer noch schlimmer. |
| Alex bleibt im Flur stehen und wundert sich, daß ihre Zimmertür halb geöffnet ist. Sie tritt kräftig von außen gegen die Tür, die daraufhin ganz auffliegt. | |
| Basti: | "AAAAAH!" |
| Alex tritt ein und schließt die Tür, hinter der Basti steht und sich die Schulter reibt. | |
| Basti: | "Aaaah - ich hab nichts gemacht!" (Verzweifelt) "Echt nich'!" |
| Alex schaut auf ihren Laptop, der auf einem Tischchen steht. Der Computer ist eingeschaltet und auf dem Display läuft ein Video von einer Spinne. | |
| Alex: | "Mein Computer?" |
| Basti: | "Wieso, was is'n damit?" (Betont lässig) "...Ach... haaa... ach so, weil er an is'? Ja, fand ich auch komisch, also ich komm' so an deinem Zimmer vorbei und... hör ich so 'n leises ...Brummen... ja und dann bin ich rein und wollt' ihn ausschalten, als du dann..." |
| Basti stöhnt und sieht ein, daß er keine Chance gegen Alex hat. | |
| Basti: | "...ja, okay... ich hab' gesurft." |
| Alex schaut ihn an und lächelt, sagt aber nichts. Basti zappelt ängstlich auf und ab. | |
| Basti: | "Die kaufen mir ja keinen eigenen..." |
| Alex sieht ihn immer noch stumm an. | |
| Basti: | (ängstlich) "...und w... w... was machst du jetzt mit mir?" |
| Alex: | (Trocken) "Nix!" |
| Alex wendet sich ab und fällt schlaff auf ihr Bett. | |
| Basti: | (Verblüfft) "Nix? Bist du krank?" |
| Alex (Tagebuch): | Nein, aber vielleicht hilft's, wenn ich mal nichts mache... |
| Basti verläßt schnell das Zimmer und schließt die Tür hinter sich. Alex schließt die Augen und versucht sich zu entspannen. | |
| Claudia: | "Aaaaalex!" |
| Alex öffnet erschrocken die Augen. | |
| Alex (Tagebuch): | Okay, hilft auch nich'. |
| Die Tür öffnet sich wieder und Claudia kommt gut gelaunt mit einem Schminkköfferchen herein. | |
| Claudia: | "Na Fräulein Degenhardt! Da muß aber einer Danke sagen!" |
| Alex richtet sich auf. | |
| Alex: | "Wofür? Den blauen Brief? Das tolle Gespräch mit meinen Eltern oder einfach, daß du immer da bist, wenn man dich nicht braucht?" |
| Claudia: | (Quieckt) "Neeeee!" |
| Sie setzt sich neben Alex auf's Bett. | |
| Claudia. | "Dank mir... hast du 'ne Verabredung mit Daniel!" |
| Alex: | "Ich wußte doch, daß ich noch was vergessen hab'..." |
| Claudia: | "Hey, 'n bißchen mehr Begeisterung bitte! Alle Mädchen in der Schule träumen davon, sich mal mit Daniel zu treffen." |
| Alex: | (Eisig) "ICH nicht!" |
| Claudia: | "Das sagst du nur, weil er sich nich' für dich interessiert!" |
| Alex: | (Eindringlich) "Wofür ich SEHR dankbar bin!" |
| Claudia: | "Aber ich hab' zum Glück 'n paar gute Argumente dabei. Wenn ich mit dir fertig bin, wird er dich ANSPRINGEN!" |
| Alex: | "Da mußt' mir schon 'n Basketballkorb auf 'n Kopf setzen!" |
| Claudia greift nach Alex Haaren. | |
| Claudia: | (Abwertend) "Der wär' immerhin besser als... diese... Frisur!" |
| Alex seufzt. Claudia steht auf und zeigt ihr ein knappes Top, was sie mitgebracht hat. | |
| Claudia: | "Wie findest du das?" |
| Alex: | (Skeptisch) "Trägt man das so, oder ist das kaputt?" |
| Claudia: | "Okay, der Ausschnitt ist ziemlich tief - aber... die Ware muß ins Schaufenster!" |
| Sie wirft Alex das Top zu. | |
| Alex: | (Sarkastisch) "Tja - leider ist mein Warenangebot ein wenig begrenzt!" |
| Claudia: | "Ja, und ich... hab die Lösung!" |
| Sie greift hinter sich. | |
| Claudia: | "So ein Push-Up BH... der wirkt... WUNDER!" |
| Sie hält sich den BH vor die Brust und drückt in zur Veranschaulichung fest nach oben. | |
| Alex springt auf und drückt ihr das Top in die Hand. | |
| Alex: | "Ach ja? Macht der auch, daß du verschwindest? Claudia, ein für alle Mal, ich will nichts von diesem Typen!" |
| Claudia: | "Aber Daniel..." |
| Alex Mutter stürmt gut gelaunt ins Zimmer. | |
| Alex Mutter: | "Na ihr beiden!" (Enthusiastisch) "Ich hab' 'ne tolle Überraschung!" |
| Alex (Tagebuch): | So wie der Tag bisher gelaufen is', heißt das: Sie ist schwanger. |
| Alex Mutter lüftet ihre Bluse und zum Vorschein kommt ein Bauchnabelpiercing. Alex traut ihren Augen nicht. | |
| Alex Mutter: | (Stolz) "Und? Wie findet ihr's?" |
| Claudia: | (Begeistert) "N' Piercing! GEIL!" |
| Alex Mutter lächelt erleichtert. | |
| Alex (Tagebuch): | Aber nur im Vergleich zu 'ner Schwangerschaft. |
| Claudia: | "Was hat denn ihr Mann dazu gesagt?" |
| Alex Mutter: | "Noch gar nichts. Das soll doch 'ne Überraschung sein!" |
| Alex verdreht die Augen. | |
| Claudia: | (Skeptisch) "Obwohl mit... den Haaren?" |
| Alex Mutter: | "Nich' gut? Ich könnt' se natürlich hochstecken..." |
| Alex (Tagebuch): | Und ICH könnte abhau'n. |
| Alex erhebt sich und verläßt leise das Zimmer. Claudia beginnt, Alex Mutters Haare zu richten. | |
| Claudia: | "So? Hm... das kriegen wir schon in den Griff! Stimmt's Alex?" |
| Claudia und Alex Mutter sehen sich suchend um. | |
| Claudia: | "Alex?" |
| Alex Mutter: | "Alex?" |
| Ort: | Schule |
| Alex beginnt im Chemielabor mit den Vorbereitungen des Versuchs. | |
| Alex (Tagebuch): | Es gab nur eine Möglichkeit, den Nachmittag mit Daniel einigermaßen erträglich zu machen... |
| Alex sieht auf die Uhr - es ist 15:30 Uhr. | |
| Alex (Tagebuch): | ...'ne halbe Stunde vorher da sein und für drei Dinge sorgen. |
| Erstens: Ich will nichts von ihm hör'n... | |
| Alex setzt sich ihren Walkman auf. | |
| Alex (Tagebuch): | ...zweitens: Ich will nicht mit ihm sprechen... |
| Alex hat inzwischen den Versuch zweimal aufgebaut und beide Versuchsanordnungen eindeutig mit Namensschildern versehen. | |
| Alex (Tagebuch): | ...drittens: Ich will ihn nicht sehen! |
| Alex läßt ein Rollo zwischen den beiden Arbeitsplätzen herunter. | |
| Alex (Tagebuch): | Obwohl... in Notfällen sind Handzeichen erlaubt. |
| Alex lugt durch den Spalt am unteren Rand des Rollos. | |
| Ort: | Das Haus der Degenhardts |
| Claudia beginnt damit, Alex Mutter zu frisieren. | |
| Alex Mutter: | "Ich hab' glaub' ich schon jede Haarfarbe gehabt. Und ewig lang ganz kurz!" |
| Claudia: | "Aber nie so schön wie jetzt!" |
| Alex Mutter: | "Du machst das aber auch echt ganz toll!" |
| Claudia: | "Ach... sie ham so schöne Lippen, da mußt' ich fast nix d'ran machen! Und außerdem woll'n wir doch ihr Piercing nicht in den Schatten stellen!" |
| Alex Mutter sieht sich begeistert im Spiegel an. | |
| Alex Mutter: | "Toll!" |
| Claudia: | "Ja, meine Mutti hat mir Schminken noch vor'm Lesen und Schreiben beigebracht!" |
| Alex Mutter: | "Sag mal, und du glaubst wirklich, daß das auch mit den Haaren so geht?" |
| Claudia: | "Also, ich glaub' nich', daß ihr Mann heut' auf die Haare achtet!" |
| Alex Mutter betrachtet sich noch einmal im Spiegel. | |
| Alex Mutter: | "Stimmt!" |
| Geräusche an der Haustür. | |
| Alex Mutter: | (Flüstert) "Da kommt er!" |
| Claudia packt schnell ihre Sachen zusammen. | |
| Alex Mutter: | "Danke!" |
| Claudia: | "Toi, toi, toi!" |
| Ort: | Schule |
| Alex lehnt gelangweilt an einem der Tische. | |
| Alex (Tagebuch): | Leider hatte ich bei meinen Vorbereitungen eine Sache nicht bedacht: DAS DER ARSCH MICH EINFACH SITZEN LÄSST! WAS BILDET SICH DIESER BLÖDE FATZKE EIGENTLICH EIN? Das ich die Versuche ohne ihn mache? WOHL KAUM! |
| Ort: | Das Haus der Degenhardts |
| Alex Vater betritt das Wohnzimmer, wo seine Frau schon sehnsüchtig auf ihn wartet. | |
| Alex Mutter: | "Hallo Schatz!" |
| Alex Vater: | "Hallo!" |
| Alex Mutter: | "Wie war's bei der Arbeit?" |
| Beide küssen sich. | |
| Alex Vater: | "Ach, eigentlich wie immer." |
| Alex Mutter: | (Strahlt) "Schön! Dann... komm doch mal! Entspann dich!" |
| Sie geleitet ihn zum Sofa. | |
| Alex Mutter: | "Setz' dich!" |
| Sie lehnt sich lasziv über das Sofa. | |
| Alex Mutter: | "Ich hab' nämlich 'ne Überraschung für dich!" |
| Alex Vater: | "Aha?" |
| Alex Mutter: | "Mhm!" |
| Alex Vater: | "Was denn?" |
| Alex Mutter: | "Rate mal!" |
| Er mustert sie von oben bis unten. | |
| Alex Vater: | (Unsicher) "Neue Frisur?" |
| Alex Mutter: | "Nnnnnnnn... tiefer!" |
| Alex Vater: | "Neuer Lippenstift!" |
| Alex Mutter: | "Nnnn... viel tiefer!" |
| Alex Vater schaut an ihr herab und grinst lüstern. | |
| Alex Vater: | "Ähhh... vielleicht doch 'ne neue Frisur?" |
| Alex Mutter grinst zurück. | |
| Alex Mutter: | "Nee..." |
| Alex Vater: | "Nee?" |
| Alex Mutter: | "Aufregender!" |
| Alex Vater: | (Entgeistert) "Auf...regender?" |
| Sie stellt sich vor ihn hin, lüftet ihre Bluse, zeigt ihm ihr Piercing und lächelt ihn fragend an. Alex Vater beugt sich vor und mustert den Ring. Er sieht nicht sonderlich begeistert aus. Er schaut seine Frau an, der das Lächeln inzwischen vergangen ist. | |
| Er beugt sich wieder zurück, um den Ring aus der Ferne zu betrachten und hat einen bitteren Gesichtsausdruck. Alex Mutter läßt die Bluse wieder herunter. | |
| Alex Mutter: | (Enttäuscht) "Schon gut... war 'ne Schnapsidee... Ich... ich..." (Den Tränen nahe) "...wollte einfach noch mal was Verrücktes machen. Wie blöd, ich hab' gedacht, du freust dich d'rüber, aber es war auch sowieso alles viel zu spontan, ich... ich... ich nehm' den wieder raus." (Wütend auf sich selbst) "Ach Gott, ich seh' total peinlich aus..." |
| Sie wendet sich ab und will das Wohnzimmer verlassen. Ihr Mann springt auf und nimmt sie in den Arm. | |
| Alex Vater: | "Hey, hey, hey, hey, hey, Schatz! Hmm, du kannst doch überhaupt nicht peinlich aussehen!" |
| Alex Mutter: | (Etwas beruhigt) "Nich'?" |
| Alex Vater: | "Mh-mh!" |
| Er küsst sie. Beide lächeln verlegen. | |
| Alex Vater: | "Du sahst nur plötzlich so... äh... hm... wild aus!" |
| Alex Mutter ist seelig. | |
| Ort: | Schule |
| Alex sitzt im Chemielabor auf einem der Tische. | |
| Alex (Tagebuch): | Ich hatte tatsächlich keinen Finger krumm gemacht. Zwei Stunden lang. Dafür hat ich jetzt Schwielen am Hintern und 'ne Mordswut auf Daniel im Bauch. |
| Sie springt vom Tisch und schnappt sich ihren Rucksack. | |
| Alex (Tagebuch): | Für den blöden Versuch war's jetzt sowieso zu spät... |
| Ort: | Limit (Schülerkneipe) |
| Alex (Tagebuch): | Also konnt' ich auch ins Cafe geh'n und meine Wut an 'nem Bierdeckel oder Kellner auslassen.. |
| Alex betritt das Limit. Sofort sieht Claudia sie. | |
| Claudia: | "Mm, Alex hier oben!" |
| Claudia sitzt eine Etage höher an einem Tisch und winkt Alex zu. Alex geht sofort in die andere Richtung, doch an den letzten freien Tisch vor ihr, setzt sich gerade jemand anderes. Alex seufzt und begibt sich zu Claudia. | |
| Alex (Tagebuch): | ...oder an Claudia. |
| Alex setzt sich an Claudias Tisch. | |
| Claudia: | "Und? War's schön?" |
| Alex: | (Sauer und auch etwas traurig) "Nee, Scheiße!" |
| Claudia: | (Besorgt) "Wieso, was war denn? Hat das Feeling nicht gestimmt?" |
| Alex: | "Der Idiot ist überhaupt nicht gekommen!" |
| Claudia: | "Dann versteh' ich, daß du so sauer bist..." |
| Alex: | "Ich hab' zwei Stunden gewartet." |
| Claudia: | "...und enttäuscht!" |
| Alex: | "Wieso denn enttäuscht?" |
| Claudia: | "Ja, weil du dir Hoffnungen gemacht hast. Wenn wir mal verabredet sind und ich komme 10 Minuten zu spät, bist'e meistens schon weg." |
| Alex: | (Laut) "Vielleicht flüchte ich vor dir? Vielleicht will ich auch einfach nur nicht mit dir gesehen werden und vielleicht rettet dir das manchmal sogar das Leben!" |
| Claudia: | (Eingeschüchtert) "Okay, laß deine Wut lieber an dem da aus!" |
| Claudia hat gesehen, daß Daniel das Limit betreten hat und zeigt auf ihn. Alex springt auf und stürmt zu ihm herunter. Daniel steht am Tresen. Sie reißt den Barhocker weg und stellt sich direkt neben ihn. | |
| Alex: | (Wütend) "...mal DU hast wohl Nerven hier einfach so aufzutauchen!" |
| Daniel: | (Ahnungslos) "Wieso? Ich will mir doch nur Zigaretten kaufen..." (Zur Bedienung) "Könn' se mir vielleicht... äh... zwei Fünfer dafür geben?" |
| Er reicht der Bedienung einen 10 DM Schein. | |
| Daniel: | "Danke!" |
| Beide starren sich an. Daniel unwissend und Alex stocksauer. | |
| Daniel: | "Gibt's irgend 'n Problem?" |
| Alex: | (Sarkastisch lächelnd) "Nein. Es gibt nich' IRGENDEIN Problem..." (Brüllt) "ES GIBT DA 'N DICKES, FETTES RIESENPROBLEM, WIR WAR'N VERABREDET, IM CHEMIERAUM... DER VERSUCH... dämmert's langsam?" |
| Daniel: | (Verlegen lächelnd) "Ach so, ja... ich... ich hatte keine Zeit..." |
| Er bekommt sein Wechselgeld. | |
| Alex: | "Warum, mußtest du wieder 'n Ball vor 'ne Wand werfen?" |
| Daniel wird langsam sauer. | |
| Daniel: | "Und wenn schon, ist doch egal!" |
| Alex schaut ihn entgeistert an. | |
| Alex (Tagebuch): | Es war unerklärlich aber dieser Satz löste etwas in mir aus. Ich konnte nicht verhindern, daß die Worte meiner Eltern aus mir heraussprudelten. |
| Alex: | (Wütend) "NEIN, das ist nich' egal, du bist ja schließlich nicht alleine auf der Welt!" |
| Daniel: | "...mal ist irgendwas? Ich hab' doch gar nichts gemacht!" |
| Alex: | "Ja, genau! Und deswegen hab' ich zwei Stunden lang vor'm Haufen Erlmeierkolben im Chemieraum gesessen!" |
| Daniel: | (Leichtfertig) "'S gibt Schlimmeres..." |
| Alex: | "Ach ja? DU machst es dir einfach. Aber meine zwei Stunden sind weg. Verschwendet. Und die gibt mir auch keiner wieder zurück!" |
| Claudia kommt herunter, um den Streit besser zu verfolgen. | |
| Alex (Tagebuch): | Ich war auf dem besten Wege, mich lächerlich zu machen. Und ich konnte gar nicht genug davon kriegen. |
| Alex: | "WEISST DU, WAS ICH IN DIESEN ZWEI STUNDEN ALLES HÄTTE MACHEN KÖNNEN? MENSCHENLEBEN RETTEN, TIERE BEFREIEN ODER EINFACH NUR 'M HAUFEN RENTNER ÜBER DIE STRASSE HELFEN!" |
| Daniel: | "Okay... also ich geh' jetzt da drüben 'n Päckchen Zigaretten kaufen und wenn ich 'n Rentner treffe, dann... schick' ich ihn zu dir 'rüber..." |
| Er lacht trocken auf und geht. Hinter Alex krabbelt ein kleiner Junge mit einem Basketball auf den Stuhl. | |
| Kleiner Junge: | "Du bist 'ne ganz böse Frau!" |
| Alex mustert den Kleinen überrascht. | |
| Alex: | "Und du bist 'n Zwerg und hast hier nichts zu suchen!" |
| Kleiner Junge: | "Doch! Ich bin mit Daniel da. Mein Bruder paßt nämlich heute auf mich auf!" |
| Alex: | (Genervt) "Na toll! Und deine Mutter? Hat die keine Lust, oder auch schon was Besseres vor? Wieso paßt die denn nich' auf dich auf?" |
| Kleiner Junge: | (Traurig) "Daniel meint, sie muß erst wieder nüchtern werden..." |
| Alex steht völlig erschüttert da und weiß nicht, was sie sagen soll. Daniel kommt zurück und holt seinen Bruder. Er sieht Alex vorwurfsvoll an. | |
| Daniel: | (Zu seinem Bruder) "Los Kumpel, Abflug!" |
| Claudia traut sich wieder ans Tageslicht. | |
| Claudia: | "Ja und? Was hat er gesagt?" |
| Alex: | "Nix!" |
| Alex holt ihren Rucksack und geht. | |
| Ort: | Das Haus der Degenhardts |
| Am nächsten Morgen. Alex steht im Badezimmer vor dem Spiegel und putzt sich die Zähne. | |
| Alex (Tagebuch): | Okay, Daniel hat also Probleme. Soll er doch verdammt noch mal den Mund aufmachen. Aber hätt's mich interessiert? Nich' wirklich. Ham meine Eltern mit ihrer Predigt etwa Recht gehabt? Und ham sie bei anderen Sachen vielleicht auch Recht? Macht es vielleicht sogar Sinn, mir ihr Gelaber öfter anzuhören? |
| Alex Eltern kommen aus dem Schlafzimmer. Alex Vater hat sich mit seinen Zähnen in dem Bauchnabelpiercing seiner Frau verhakt. Er krabbelt gebückt rückwärts, sie direkt dahinter. Hendrik stöhnt herzhaft. | |
| Alex Mutter: | "...jetzt um die Ecke..." |
| Alex (Tagebuch): | Die Anwort ist... |
| Alex Mutter: | "...gut ...du machst das prima..." |
| Alex (Tagebuch): | Nein. |
| Alex Mutter: | "...nach links...ja... ich lauf' ganz langsam..." |
| Alex: | (Verständnislos) "Hallo, alles klar?" |
| Alex Vater: | (Nuschelt) "Hallo Aleksch." |
| Alex Mutter: | (Verlegen) "Ich... ich hab' Papa nur mein neues Piercing gezeigt!" |
| Alex: | "Und? Schmeckt's ihm?" |
| Alex Mutter: | "Nee, er wollte sich's einfach... 'n bißchen genauer angucken." |
| Alex: | "Und jetzt lernt er grad die Inschrift auswendig, oder wie?" |
| Alex Vater: | "...jescht werd' nisch noch fresch, ja?" |
| Alex Mutter: | "Wir geh'n zum Arzt. Das geht schon... jetzt paß auf... du machst das sehr gut... immer geradeaus... ich führ' dich... das geht schon... du machst das sehr gut... ja... ja..." |
| Beide verschwinden im Treppenhaus. Alex steht angelehnt im Türrahmen des Badezimmers und schaut den beiden hinterher. | |
| Alex (Tagebuch): | Tja, so hat jeder seine Probleme. Ich hatte auch eins. |
| Ort: | Schule |
| Alex (Tagebuch): | Orthmanns die Wahrheit sagen. |
| Alex geht durch den Korridor der Schule und bleibt vor dem Chemieraum stehen. | |
| Alex (Tagebuch): | Es war an der Zeit, die Sache endlich hinter mich zu bringen. |
| Sie klopft an die Tür. | |
| Dr. Orthmanns: | (Genervt) "Ja?" |
| Alex öffnet die Tür und tritt ein. Orthmanns sitzt zeitunglesend auf einem der Plätze in der ersten Reihe. | |
| Dr. Orthmanns: | "Hach, Degenhardt - der Tag fängt ja gut an..." |
| Er legt seine Zeitung zusammen. Alex gibt ihm die Unterlagen vom dem Chemieversuch. | |
| Alex: | "Warten sie's ab." |
| Orthmanns räuspert sich, nimmt den Zettel und beginnt zu lesen. | |
| Dr. Orthmanns: | (Sarkastisch) "Ooooh... mit Geheimtinte geschrieben?" |
| Alex: | (Trocken) "Nee, nichts gemacht..." |
| Dr. Orthmanns: | "Das wär' meine zweite Erklärung gewesen. Und? Gibt's Gründe?" |
| Alex: | "Ja, ich..." |
| Dr. Orthmanns: | "Ich werde als Lehrer oft genug gelangweilt, also bitte... streng dich an!" |
| Er steht auf und geht zum Pult. | |
| Alex: | "Ja, ich hab'..." |
| Dr. Orthmanns: | "Kleiner Tip: Die Wörter Durchfall, tote Oma und Wasserrohrbruch... gleich streichen." |
| Alex: | "Ich konnte nich'" |
| Dr. Orthmanns: | "Hm... klassische Eröffnung... jetzt bin ich gespannt." |
| Alex: | "Herrgott, es is' halt was dazwischen gekommen." |
| Dr. Orthmanns: | (Nickend und leicht amüsiert) "Kurz und bündig. Aber nicht sehr einfallsreich. Klare 6!" (Lacht) "Ich dachte sowas passiert immer nur Daniel." |
| Er packt seine Sachen zusammen. | |
| Alex: | (Sauer) "Manche Menschen haben eben wichtigere Probleme als so eine dämliche Chemiezensur!" |
| Orthmanns unterbricht das Zusammenpacken von seinen Sachen und schaut Alex an. | |
| Dr. Orthmanns: | "Ist das dein Ernst?" |
| Alex rückt näher an ihn heran. | |
| Alex: | (Bestimmt) "Ja!" |
| Dr. Orthmanns: | "Na siehst'e... hast' ja doch was bei mir gelernt! Und falls du deine Note schriftlich haben möchtest..." |
| Er holt einen Kugelschreiber aus seinem Kittel und schreibt etwas unter Alex Aufgabenzettel. | |
| Dr. Orthmanns: | "Hier!" |
| Er reicht Alex den Zettel. Alex reißt ihm den Zettel aus der Hand und liest. Plötzlich hellt sich ihre Miene auf. | |
| Alex: | (Ungläubig) "'Ne Drei?" |
| Dr. Orthmanns: | (Abwinkend) "Ja... behalt's für dich... sonst denkt man noch, ich werd' weich..." |
| Alex strahlt ihn an. Orthmanns schickt sich an zu gehen. | |
| Dr. Orthmanns: | "So, und jetzt such' ich mir 'n Klassenzimmer und schließ' mich ein! Hier is' mir einfach zuviel los." |
| Er geht an der sprachlosen Alex vorbei und will den Chemieraum verlassen. In diesem Moment kommt Daniel herein. | |
| Dr. Orthmanns: | "Oh Gott, Kaminski!" |
| Er schubst ihn sanft beiseite, um an die Tür zu kommen. | |
| Dr. Orthmanns: | "SECHS!" |
| Er öffnet die Tür um zu gehen, überlegt es sich noch einmal anders und wendet sich Daniel zu. | |
| Dr. Orthmanns: | "Es sei denn, du läßt dir ihre Hefte vom letzten Halbjahr geben, dann kriegst du vielleicht noch 'ne Vier!" |
| Alex eilt herbei und wühlt in ihrer Tasche. | |
| Dr. Orthmanns: | "Ich geb' dir drei Wochen Zeit." |
| Er verläßt den Chemieraum. Alex hat ihr Heft inzwischen gefunden und drückt es Daniel in die Hand. | |
| Alex: | "Hier!" |
| Daniel: | "Danke. Ey, der hat ja richtig gute Laune! Vielleicht wird der ja nochmal weich!" |
| Orthmanns kommt zurück ins Zimmer gestürmt und zeigt mit dem Finger auf Daniel. | |
| Dr. Orthmanns: | "EINE WOCHE!" |
| Alex schnallt sich ihren Rucksack um und geht, während Daniel aufgrund seiner Bemerkung zu Orthmanns verzweifelt in die Luft schaut. | |
| Ort: | Das Haus der Degenhardts |
| Alex liegt in ihrem Zimmer auf dem Bett, schreibt in ihr Tagebuch und trinkt Tee. | |
| Alex (Tagebuch): | Die Antwort auf viele Fragen, die eine Freistunde aufwirft, is' simpel: Alle haben Probleme... |
| Ort: | Schulhof |
| Alex (Tagebuch): | ...Jungs donnern deshalb 'n Ball gegen die Wand... |
| Alex sitzt auf einer Bank und beobachtet, wie Daniel einen Ball gegen die Wand donnert. | |
| Alex (Tagebuch): | ...und Mädchen reden drüber. |
| Alex sieht einige Mädchen, die auf dem Schulhof sitzen und Daniel zusehen. | |
| Alex (Tagebuch): | War es wirklich so einfach? |
| Alex kramt in ihrem Rucksack. | |
| Alex (Tagebuch): | Warum hatte ich dann immer noch das falsche Buch dabei? |
| Claudia kommt mit einem anderen Mädchen vorbei und fängt zufällig den Ball von Daniel. Schwungvoll will sie ihn zu ihm zurückwerfen, trifft aber Alex am Kopf. Die Mädels lachen. Alex ist genervt. Claudia schaut ein wenig schuldbewußt. | |
| Alex (Tagebuch): | Und warum hatte Claudia immer noch nich' werfen gelernt? |
Ende
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