www.alex-degenhardt.de

Mein Leben und Ich

"Villa Massimo"

(Staffel 1 - Folge 4)

Die beteiligten Personen:

Alexandra - Alex - Degenhardt
Hendrik Degenhardt (Alex Vater)
Anke Degenhardt (Alex Mutter)
Sebastian - Basti - Degenhardt (Alex kleiner Bruder)
Claudia Fischer (Alex "beste" Freundin)
Nikolas - Niko (Nervensäge)
Diverse Mitschüler

Intro:  
   
Ort: Das Haus der Degenhardts
   
  Alex sitzt in ihrem Zimmer am Schreibtisch und schreibt in ihr Tagebuch.
   
Alex (Tagebuch): Die meisten Menschen träumen von Dingen, die ohnehin nicht erfüllbar sind. Ich finde, das ist Zeitverschwendung. Ich halte mich lieber an Träume, die wahr werden. Zum Beispiel die letzte Pausenklingel vor'm Wochenende.
   
   
Ort: Alex Schule
   
  Man hört die letzte Pausenklingel vor dem Wochenende.
  Die Türen der Klassenzimmer öffnen sich und Schüler strömen heraus auf den Flur. Unter anderem auch Alex, Claudia und Niko.
   
Claudia: "Hach...und? Wie verbringst du dein Wochenende?"
Alex: "Hauptsache alleine. Mein Buch lesen, zwei Tage ohne Unterbrechung. OHNE Besuche!"
Niko: "Na gut, ich hab' am Wochenende eh' überhaupt keine Zeit!"
Claudia: (Genervt) "Ich auch nicht! Meine Mutter will eh' die ganze Zeit mit mir zusammenhocken."
   
  Im Treppenhaus steht Basti, der sich von einem anderen Schüler ins Gesicht husten läßt.
   
Basti: (Eindringlich) "Weiter!"
Alex: (Verständnislos) "Sag' mal, seid ihr bescheuert?"
Kranker Schüler: (Näselnd) "Nein, ich bin krank!"
Basti: "Ich will's auch werden."
Alex: "Ich dacht', deine Mathearbeit war gestern?"
Basti: "Mathearbeit? Weißt du etwa nicht, welcher Tag heute ist?"
Alex: "Tag der dummen Fragen? Freitag?"
Basti: (Verzweifelt) "Sie hat es vergessen!"
Claudia: (Genervt) "Ja...was ist denn heute für ein Tag?"
Basti: (Panisch) "Hochzeitstag!"
   
  Alex erstarrt und läßt den Kopf zurückfallen.
   
Alex: (Schockiert) "Ach du Scheiße!"
Claudia: "Wieso? Hochzeitstage sind doch toll. Da ham' die Eltern endlich mal Zeit für sich und ihr könnt machen... was ihr wollt."
Alex: (Resigniert) "Bei und nich'..."
   
  Alex wendet sich an den kleinen kranken Jungen und beugt ihren Kopf herunter.
   
Alex: (Eindringlich) "LOS, HUSTEN!"
Kranker Schüler: (Verunsichert) "So kann ich nicht."
Alex: "DANN KÜSS ICH DICH!"
   
  Der kranke Junge beginnt, kräfig in Alex Gesicht zu husten.
   
   
(Vorspann)  
   
Ort: Das Haus der Degenhardts
   
  Alex Eltern, Alex und Basti sitzen im Esszimmer am Tisch. Die letzteren mit versteinerter Mine.
   
Alex (Tagebuch): Wenn Paare lange verheiratet sind, langweilen sie sich am Hochzeitstag meistens zu Tode. Bei uns ist der Unterschied, daß der Rest der Familie sich mit langweilen muß.
   
Alex Vater: (Glücklich) "Also ich freu' mich schon richtig auf uns'ren Familienabend!"
Basti: (Stöhnt) "Könn' wir nicht mal tanzen gehen?"
Alex Vater: (Stöhnt auch) "Basti, das ham' wir jetzt wirklich oft genug diskutiert. Wir seh'n uns ohnehin so selten. Also, eure Mutter und ich ham' den Eindruck, daß unsere Familie immer mehr auseinanderdriftet.
Alex: (Trocken) "Tun die Kontinente auch, hat noch keinem geschadet."
Alex Mutter: "Einmal im Jahr. Was ist daran so schlimm, sich mal zu unterhalten."
Basti: (Entsetzt) "Wie, nur unterhalten? Wir gucken noch nicht mal 'n Film?"
Alex Vater: "Nö, letztes Jahr seid ihr dabei eingeschlafen. Wie jedes Jahr."
Alex: (Fröhlich) "Stimmt nicht. Vor drei Jahren im Zirkus bin ich nicht eingeschlafen!"
Alex Mutter: "Dafür hast'e den Clown zum Weinen gebracht."
Alex: "Na, der hat mich auch nicht zum Lachen gebracht."
Alex Vater: "Und darum vergessen wir das alles mal und unterhalten uns nur, hm?"
Alex (Tagebuch): Normalerweise würd' ich jetzt die Nummer mit der Magen-Darm-Grippe machen.
   
  Alex setzt zum Sprechen an.
   
Alex Mutter: "Und vergiß den Trick mit der Magen-Darm-Grippe!"
Alex (Tagebuch): Oder die, mit dem total aufwendigen Bioreferat.
   
  Alex setzt wieder zum Sprechen an.
   
Alex Mutter: "Und komm mir nicht mit irgend 'nem Referat für die Schule!"
Alex (Tagebuch): Aber anscheinend wohnte ich schon viel zu lange in diesem Haus.
Alex Vater: "Okay, wer will zuerst?"
   
  Alex und Basti sehen sich betreten im Wohnzimmer um. Alex Mutter nickt ihrem Mann ermutigend zu.
   
Alex Vater: "Gut! Dann mach' ich mal den Anfang! Ähm... was wißt ihr eigentlich über meine Arbeit?"
Alex (Tagebuch): Daß sie uns nich' interessiert.
Alex Vater: "Als... Designer... bei einem internationalen Automobilkonzern muß man vor allem... Kreativität und Vorstellungskraft mitbringen..."
Alex (Tagebuch): Um diesem Abend zu entgehen auch. HILFE! Wenn es einen Gott gibt, sollte er sich bitte jetzt bemerkbar machen.
   
  Leise im Hintergrund hört man Claudias Stimme.
   
Claudia: "Alex!"
   
  Es klingelt an der Haustür.
   
Alex (Tagebuch): (Lächelt) Okay, Claudia is' auch gut!
Alex Mutter: (Entsetzt) "Hast du sie etwa... eingeladen?"
Alex: (Entrüstet) "ICH? Nein, ich hab' sie eigentlich noch nie eingeladen!"
   
  Claudia klingelt mehrmals und klopft an die Haustür. Familie Degenhardt hat sich inzwischen im Flur hinter der Haustür versammelt.
   
Alex Mutter: "Aber man taucht doch nicht einfach so auf 'nem Familienabend auf!"
Alex: "Ja, man nicht, Claudia schon! Obwohl, eigentlich wollt' sie's Wochenende mit ihrer Mutter verbringen."
Alex Vater: (Flüstert) "Und jetzt?"
Alex Mutter: "Ja, wir könn' sie da ja nicht einfach draußen stehenlassen."
   
  Claudia klopft immer energischer an die Tür. Alex Mutter macht ihr auf.
   
Alex Vater: (Sauer) "Jetzt wart' doch mal..."
   
  Er sieht Claudia in der offenen Tür stehen und lächelt sie an.
   
Alex Vater: (Gibt sich erfreut) "Ach, Claudia!"
Claudia: "'Tschuldigung, daß ich so einfach bei ihnen 'reinplatze... ich weiß doch, daß heute ihr Hochzeitstag is'."
Alex Vater: "Und Familientag!"
Claudia: "Klar! Meine Mutter war auch total begeistert, als ich ihr davon erzählt habe, sie wollte direkt 'n Mutter-Tochter-Wochenende machen. Und jetzt wollt' ich nur fragen, ob sie mir 'n bißchen Milch und 'n paar Eier leihen können - im Kühlschrank ist nämlich totale Ebbe."
   
  Alex Mutter ist inzwischen wieder beruhigt und strahlt versöhnlich. Claudia ist hereingekommen und man geht in die Küche. Alex Mutter öffnet den Kühlschrank.
   
Alex Mutter: "Kriegst Du! Und bestell' deiner Mutter 'n schönen Gruß!"
Claudia: "Ja, sobald sie aus Hamburg zurück is'."
Alex Mutter: "Hamburg?"
   
  Sie schließt die Kühlschranktür wieder und wendet sich Claudia zu.
   
Alex Mutter: "Was macht sie denn in Hamburg?"
Claudia: "Na... ihre Mutter besuchen. Also... Mutter-Tochter-Wochenende halt. Ich bin ganz alleine zu Hause." (Traurig) "Pech gehabt."
Alex Mutter: (Zu ihrem Mann) "Das tut mir jetzt auch wieder leid."
Alex Vater: (Enttäuscht) "Na, eigentlich wollten wir ja 'n Familienabend machen!"
   
  Alex geht zu Claudia und legt ihr die Hand auf die Schulter.
   
Alex: "Naja... also ich meine... Claudia gehört ja irgendwie... zur Familie!"
   
  Claudia zieht sie an sich heran und drückt ihre Wange gegen Alex Wange.
   
Alex (Tagebuch): Ich hätte nie gedacht, daß ich diesen Satz einmal sagen würde.
Alex Vater: (Nachgebend) "Na gut, kommt 'rein."
   
  Alex Mutter will die Tür gerade wieder schließen, da schiebt sich von außen eine Hand in den Türspalt.
   
Niko: "Kann ich auch mit 'rein?"
   
  Alle sehen sich fragend an.
   
Alex Mutter: "Ist deine Mutter auch in Hamburg?"
Niko: "Keine Ahnung. Meine Eltern erzähl'n mir ja nie was."
Alex Vater: "Na jetzt is' es auch egal..." (Stöhnt)
   
  Alex Eltern gehen vor ins Wohnzimmer. Claudia, Niko und Alex stecken die Köpfe zusammen.
   
Claudia: (Flüsternd) "Sind wir zu spät gekommen?"
Alex: "Pünktlich auf die Minute!"
Claudia: "Und was machen wir jetzt Schönes?"
Alex: "Och, eigentlich nur Reden!"
Claudia: (Glücklich) "Klasse!" (Zu Niko) "Komm!"
   
  Claudia zieht Niko mit sich ins Wohnzimmer. Alex strahlt über das ganze Gesicht.
   
Alex (Tagebuch): Ich wußte, daß ihr das gefällt.
   
   
Ort: Das Haus der Degenhardts
   
  Man sitzt um den Wohnzimmertisch und die Einzige, die redet, ist natürlich Claudia.
   
Claudia: (Begeistert) "...und als ich dann sechs war, hab' ich von meinem Vati 'ne Giraffe bekommen. Die war so... total riesig..."
   
  Claudia zeigt mit den Händen, wie riesig die Giraffe war.
   
Claudia: "...und hatte so zwei... ja ich würd' mal sagen: Hörner..."
   
  Sie deutet mit den Fingern an ihrem Kopf die Hörner an.
   
Claudia: "...ähm... ungefähr... so!"
   
  Sie hält sich zwei Stangen Lauch an den Kopf.
  Alex sieht völlig gelangweilt weg.
   
Claudia: "Aber die war'n schwarz..."
Alex (Tagebuch): Claudia war großartig. Wenn sie jetzt noch die Geschichte mit der Stoffente brachte, war'n meine Eltern kurz vor'm entgültigen Zusammenbruch.
   
Claudia: "Und als ich dann acht war..."
   
  Alex lächelt wissend.
   
Claudia: "...hab' ich auf der Kirmes meine kleine Stoffente verloren. Das war echt schlimm für mich."
Alex Mutter: (Leise zu ihrem Mann) "Aber nicht für die Ente!"
Alex Vater: "Mhm..."
   
  Alex Vater reibt sich müde die Augen. Niko beugt sich zu ihm herüber.
   
Niko: "Na Herr Degenhardt! Durchhänger?"
Alex Vater: "Mh... Müde."
Niko: "Ach, n' Typ wie sie hat doch Wachmacher (??) im Schrank. Soll ich mal gucken?"
Alex Vater: "Lieber nich..."
Alex: (Gutgelaunt) "Eben! Wir wollten uns doch unterhalten!"
Alex Vater: "Wir könn' ja auch mal was anderes machen."
Alex: "Ja! Zum Beispiel ins Bett gehen!"
Alex Mutter: "Oder was Spielen!"
Alex Vater: "Ja! Spielen ist 'ne gute Idee!"
   
  Alex ist von dieser Idee nicht sehr begeistert.
   
Alex Vater: (Leise zu seiner Frau) "Auf keinen Fall mehr reden..."
Alex: (Unentschlossen) "Also spielen? Ich weiß nicht..."
Alex Mutter: "Ach komm... du darfst auch aussuchen was!"
   
  Claudia nickt zustimmen. Alex überlegt kurz, lächelt und entscheidet sich.
   
Alex: "Monopoly?"
Basti: (Grinst) "Ham' wir nich'!"
Claudia: (Mit vollem Mund) "Hm... dann basteln wir eben 'n Spiel! Kann nich' schwer sein."
Niko: "Geile Idee!"
   
  Alex erhebt sich
   
Alex: "Genau! Ich geh' solange hoch in mein Zimmer und ihr sagt mir dann, wenn ihr fertig seid."
   
  Alex will das Wohnzimmer verlassen. Alex Mutter schaut ihren Mann verschmitzt an und grinst.
   
Alex Mutter: "Aber wir ham' doch Monopoly!"
   
  Alex bleibt stehen und dreht sich fragend um.
   
Alex Mutter: "In dem alten Koffer... oder?"
   
  Alex setzt sich wieder hin.
   
Alex Vater: (Stöhnt) "Muß das sein?"
Alex Mutter: "Ach komm... sei doch froh, wenn du Claudia mal fünf Minuten entkommen kannst!"
Alex Vater: "Okay, ich schau mal..."
   
  Er erhebt sich, um den alten Koffer zu holen.
   
Alex (Tagebuch): Ihr könnt Claudia nicht entkommen. Selbst wenn ihr sie knebelt. Und wenn, würde sie spontan mit Bauchreden anfangen.
   
   
Ort: Das Haus der Degenhardts
   
  Niko und Basti bringen den alten Koffer ins Wohnzimmer. Claudia bringt die Schüsseln mit den Knabbereien vom Esszimmertisch zum Teppich.
   
Claudia: "Also wir können mit sechsen gegen 'nander spielen oder zwei Dreierteams machen... äh... oder wir machen drei Zweierteams... wir können natürlich auch ein Zweier und vier..."
   
  Alex Vater kommt mit dem Spiel. Alex sitzt inzwischen genervt auf dem Sofa, während ihr Vater sich hinkniet und das Monopolyspiel auspackt.
   
Alex Vater: "Gut. Gut. Gut. Gut!"
Alex Mutter: "Laßt uns einfach anfangen."
Claudia: "Boah, sieht das alt aus!"
Alex: "Och, im Vergleich zu den Besitzern..."
   
  Alex Eltern sehen sie pikiert an.
   
Claudia: "Was steht 'n da auf der Schloßallee?"
   
  Auf dem Feld mit der Schloßallee befindet sich ein Stück Klebeband. Darauf steht handschriftlich "Villa Massimo".
   
Claudia: "Villa Massimo?"
Alex Mutter: "Ach das war mal so'n Traum von Hendrik..."
Alex Vater: "Ja ja, ist gut, ist gut..."
   
  Alex hat einen sehr skeptischen Gesichtsausdruck, weil sie sich darüber wundert, daß sie die Geschichte noch nicht gehört hat.
   
Claudia: "N' Spielfeld bekleben ist ja noch harmlos, also mein Vater, der hat mal mitten im Mensch ärgere dich nicht..."
Alex Mutter: (Genervt) "Claudia, weißt du was? Wir machen mit dir 'n Extraspiel.
Claudia: "Klar, was denn?"
Alex Mutter: "Wenn du's schaffst, ab jetzt nicht mehr zu reden, dann kriegst du am Ende..."
Alex Vater: "...'ne Tafel Schokolade!"
Alex Mutter: "Genau!"
Claudia: (Begeistert) "Kenn ich! Das ha'm meine Eltern auch immer mit mir gespielt."
Alex (Tagebuch): Und wie man sieht, ist Claudia dünn geblieben.
Niko: "Also, wie spiel'n wir denn jetzt?"
Basti: "Äh, ich mit Papa!"
Alex Mutter: "Nee, ich will mit Papa!"
Alex: (Resolut) "Ich will mit keinem!"
Claudia: "Dann spielst du mit mir!"
   
  Alex sieht sie böse an und verdreht die Augen. Claudia erinnert sich, daß sie ja eigentlich gar nicht mehr reden wollte.
   
Claudia: (Traurig) "...Oh... jetzt hab' ich verloren."
Alex Vater: "Woll'n wir trotzdem loslegen?"
Alex Mutter: "Hendrik möchte nämlich endlich seine Villa Massimo Straße haben!"
Alex: "Das will bei dem Spiel jeder!"
Claudia: "Aber ich krieg' die Straße sowieso!"
Alex Vater: "Warum denn das?"
Claudia: "Ja, wenn ich mit meinen Eltern gespielt habe, ha'm die mir immer die Schloßallee geschenkt. Also krieg' ich auch die Villa Massimo."
Alex Vater: "Ja Claudia, aber wir sind 'ne andere Familie und wir ha'm auch andere Regeln."
   
  Claudia beugt sich zu Alex auf dem Sofa.
   
Claudia: "Also deine Eltern ha'm komische Regeln..."
Alex: "Stimmt, die von deinen würden mir auch besser gefallen."
   
  Das Spiel beginnt. Es wird gewürfelt, gezogen und gekauft. Das Brett füllt sich langsam mit Häusern und Hotels.
   
Claudia: "So, dann hofft mal, daß keiner von euch hier drauf kommt! Die Miete macht euch ARM!"
Alex (Tagebuch): Es war das erste Mal, daß ich Claudia von einer anderen Seite sah. Gierig, gnadenlos und grausam! Kurzum: Sympathisch!
   
  Basti würfelt eine Sechs. Niko, der mit ihm in einem Team spielt, setzt die gemeinsame Spielfigur sechs Felder vor, direkt auf die Villa Massimo.
   
Alex Mutter: "Willkommen in der Villa Massimo!"
Alex: (Schadenfroh) "Geil, das wird teuer!"
Alex Mutter: (Beruhigend) "Kein Sorge, wir nehm' ja keine Miete, was Hendrik?"
Alex Vater: "Naja... s' würd' die... Situation aber schon 'n bißchen aufbessern, oder?"
Alex: (Fröhlich) "Ja, und so lange könnt ihr mit'm Hut vorm Südbahnhof betteln!"
Alex Mutter: (Optimistisch) "Das kriegen wir auch so hin!"
Alex Vater: (Zögerlich) "Okay, wie du willst..."
Alex Mutter: "Nee. Wie DU willst! Bin mal eben im Bad. Würfelst'e weiter?"
   
  Alex Mutter erhebt sich und verläßt das Wohnzimmer. Ihr Mann würfelt einen Sechserpasch und landet auf der Seestraße.
   
Alex Vater: "Seestraße, puh..."
Alex: (Begeistert zu Claudia) "Ist das nicht die Straße, auf der wir gerade ein Hotel gebaut haben?"
   
  Claudia tut so, als ob sie überlegen müßte. Beide lachen hämisch und starten eine Zwei-Mann-LaOla. Alex Vater reicht den beiden das Geld.
   
Niko: (Angewidert) "Also ich hab' ja schon viele schlechte Gewinner gesehen, aber ihr... ihr seid wirklich die größten..."
   
  Alex Vater würfelt erneut, da er ja davor einen Pasch gewürfelt hatte und landet auf der Theaterstraße, die Basti und Niko gehört.
   
Alex Vater: "Theaterstraße... ach du jemine..."
Niko: (Euphorisch) "Theaterstraße mit Hotel! Das sind EINUNDZWANZIGTAU-
  SEND - JA!"
   
  Basti und Niko klatschen in die Hände und freuen sich diebisch.
   
Alex: "Soviel zum Thema schlechte Gewinner."
Alex Vater: "Tja, also... Spiel ist wohl gelaufen. Wir sind pleite."
   
  Resignierend wirft er die letzten Scheine zu Basti und Niko.
   
Alex: "Nicht unbedingt! Wir bieten Berliner, Wiener und Münchener Straße gegen eure Parkstraße und die Villa Massimo!"
   
  Alex Vater stöhnt und überlegt einige Zeit.
   
Alex Vater: "Na gut. Meinetwegen könnt ihr se' haben."
   
  Die Straßenkarten wechseln die Besitzer. In diesem Moment kommt auch Alex Mutter wieder zurück ins Wohnzimmer.
   
Alex Mutter: "Und? Wie steh'n wir?"
Basti: "Och, super! Ihr seid wieder im Rennen."
Alex Mutter: "Sag ich doch!"
Niko: "Ihr Mann ist'n echter Stratege!
   
  Claudia macht sich währenddessen an den Häusern auf der Villa Massimo zu schaffen.
   
Alex Mutter: "Was macht sie'n da?"
Claudia: "Äh, sorry, wir dürfen eigentlich noch gar nicht bauen..."
Alex Mutter: (Verständnislos) "Nee, wieso baust du da überhaupt?"
Alex: "Naja, um unser neues Viertel attraktiver zu gestalten."
   
  Alex Mutter schaut ihren Mann ungläubig an.
   
Alex Mutter: "Du hast...?"
Alex Vater: (Rechtfertigend) "Ja, wirtschaftliche Notlage."
Alex Mutter: (Sauer) "Das sah vorhin aber noch anders aus!" (Leise) "Ich dachte, wir war'n uns einig..."
Alex Vater: (Stöhnt) "Ja, mein Gott, aber wir woll'n ja auch weiterspielen, oder?"
   
  Alex Mutter verschränkt die Arme und ist offensichtlich sauer auf ihren Mann.
   
Alex Mutter: (Eisig) "Klar!"
Alex Vater: "Bist' jetzt sauer, oder was?"
Alex Mutter: (Schnippisch) "Nö?"
Niko: (Einschleimend) "Würd' ihr auch nix nützen, was Herr Degenhardt?"
Alex Vater: (Traurig) "Außerdem is's ja nicht's erste Mal, daß ich die Villa Massimo aufgebe..."
Alex Mutter: (Laut und wütend) "HA! Darauf hab' ich gerade noch gewartet!"
   
  Claudia flüstert fragend mit Alex, die aber auch nicht weiß, worum es geht.
   
Alex Vater: (Laut) "Ich hab' dir ja gar keinen Vorwurf gemacht."
Alex Mutter: "Hab' ich auch nicht gesagt."
   
  Sie springt auf und verläßt zügig das Wohnzimmer.
   
Alex Vater: "Bist' jetzt doch sauer?"
Alex Mutter: (Aus der Küche rufend) "Nee, ich hab' Durst!"
Alex Vater: "Ach Mann..."
   
  Er springt auch auf und folgt seiner Frau in die Küche.
   
Claudia: "Es ist nicht das erste Mal, daß er die Villa Massimo aufgeben muß?"
Alex: "Naja, kein Wunder, wenn man auf der Schloßallee keine Miete nimmt."
   
  Alex Eltern kommen streitend aus der Küche zurück.
   
Alex Mutter: "...also ist es doch 'n Vorwurf?"
Alex Vater: (Wütend) "NEIN HERRGOTT!"
Alex Mutter: "Du willst nur nich' drüber reden!"
Alex Vater: (Brüllt) "JA, WEIL'S NICHTS ZU REDEN GIBT!"
   
  Er schlägt sich mit den Händen wütend auf die Schenkel. Claudia versucht, die Situation zu entspannen.
   
Claudia: "Vielleicht könnten wir auch mal so alle zusammen drüber reden?"
Alex Eltern: "NEIN!"
   
  Alex Vater springt auf und schickt sich an, das Wohnzimmer zu verlassen.
   
Alex Mutter: "Und warum gehst DU jetzt?"
Alex Vater: "Weil ich auch Durst hab'!"
   
  Alex Mutter folgt ihm in die Küche. Im Hintergrund hört man beide laut streiten. Die Anderen sehen sich fragend an. Basti ist den Tränen nahe.
   
Basti: (Leise) "Was ha'm die denn?"
Claudia: "Deine Eltern streiten sich."
Alex: "Das ist kein Streit - bei denen nennt sich das Vorspiel."
   
  Die Eltern kommen wieder zurück ins Wohnzimmer.
   
Alex Vater: "...also, wenn du das nicht kapierst, dann kann ich dir auch nicht helfen!"
Alex: "Okay, n' langes Vorspiel."
Alex Mutter: (Zu ihrem Mann) "Du hast ja wohl auch genug gesagt..."
   
  Alle schauen sich betreten an.
   
Alex Mutter: "Ja, dann kann ich ja auch schlafen geh'n!"
   
  Sie steht auf und verläßt das Wohnzimmer. Ihr Mann springt auf, schmeißt die Spielkarten, die er noch immer in der Hand hat, weg und folgt ihr.
   
Alex Vater: (Laut) "ICH AUCH!"
   
  Alex, Claudia, Basti und Niko bleiben alleine zurück.
   
Claudia: "Das war... kein Vorspiel."
Alex: "Nee. Aber das Ende eines Familienabends!"
   
  Claudia beginnt damit, das Spiel wieder einzupacken. Alex läuft unruhig umher und lehnt sich dann an die Wand zwischen Wohn- und Eßzimmer.
   
Alex (Tagebuch): Ich hatte keine Ahnung, weshalb sich meine Eltern gestritten hatten. Aber eins war klar: Sie hatten sich ziemlich heftig gestritten. Nur warum fühlte ich mich deshalb so komisch? Hm... wahrscheinlich, weil ich sie so noch nie erlebt hatte.
   
  Basti, Claudia und Niko setzen sich geknickt auf das Sofa im Wohnzimmer.
   
Niko: "Na, wer hat'n jetzt gewonnen?"
Claudia: (Verstimmt) "Als ob's jetzt noch um's Spiel ginge!"
Alex: "Auf jeden Fall kann ich endlich schlafen geh'n!"
   
  Alex geht in Richtung Wohnzimmertür. Claudia steht auf und geht ihr nach. Niko wendet sich Basti zu.
   
Niko: "Neues Spiel?"
Basti: "Klar!"
   
  An der Wohnzimmertür dreht Alex sich nochmal um.
   
Alex: "Nacht Jungs!"
Niko und Basti: "Nacht!"
Claudia: "Nacht!"
   
  Claudia ist Alex gefolgt und will mit ihr zusammen das Wohnzimmer verlassen. Alex sieht sie fragend an.
   
Alex: "Ja?"
Claudia: (Entrüstet) "Ja, du glaubst doch nicht etwa, daß ich nach dem Abend noch allein auf der Couch schlafe?" (Seufzt) "Ich bin total aufgewühlt."
   
  Basti und Niko öffnen das Monopolyspiel wieder.
   
Alex: "Na die Jungs spiel'n bestimmt noch 'ne Weile!"
   
  Alex strahlt Claudia an und geht.
   
Claudia: "Na hoffentlich rutscht mir morgen bei deinen Eltern nichts von unserer Abmachung raus."
   
  Alex bleibt stehen und Claudia strahlt sie an.
   
Claudia: "Familienabend!"
Alex: (Trocken) "Das ist Erpressung!"
Claudia: (Vergnügt) "Stimmt!"
Alex: (Aufstöhnend) "Komm...!"
   
  Beide verlassen das Wohnzimmer, Basti und Niko beginnen eine neue Runde Monopoly.
   
   
Ort: Das Haus der Degenhardts
   
  Alex steht im Pyjama im Bad und putzt sich vor dem Spiegel die Zähne.
   
Alex (Tagebuch): Ich hab' schon einige Familienabende erlebt, aber heute besetzen Niko und Basti die Couch, Claudia will in meinem Bett schlafen und meine Eltern ha'm 'ne Ehekrise.
   
  Alex ist mit dem Zähneputzen fertig und trocknet sich den Mund mit dem Handtuch ab.
   
Alex (Tagebuch): Eins ist klar: Nächsten Hochzeitstag bin ich auf 'ner langen Reise.
   
  Alex verläßt das Bad und sieht im Flur Claudia vor der Schlafzimmertür der Eltern knien. Claudia versucht, durch das Schlüsselloch zu spähen. Alex reißt sie weg.
   
Alex (Tagebuch): Nee, SIE ist auf 'ner langen Reise.
Alex: (Zischt) "Sach ma', das is' nich' dein Ernst, oder?"
Claudia: (Zischt zurück) "Ja was soll ich denn sonst machen, reingehen, oder was?"
Alex: "Sssssch! Mitkommen!"
   
  Alex ergreift Claudia an den Schultern und zieht sie durch den Flur.
   
Claudia: "Manno!"
   
  Beide gehen das Treppenhaus nach oben.
   
Claudia: "Alex! Da drinnen war Totenstille. Das is'n ganz schlechtes Zeichen!"
Alex: "Ja, du mußt zum Ohrenarzt!"
Claudia: "Alex! Wenn aus dem Schlafzimmer meiner Eltern nix zu hören war, hatten die mindestens eine Woche Ehekrise!"
Alex: (Genervt) "Claudia, nochmal zum Mitschreiben, da ist nix! Die beiden ha'm sich längst wieder vertragen und hatten wahrscheinlich schon dreimal wieder Sex!"
   
  Alex öffnet die Tür zu ihrem Zimmer, tritt ein und macht das Licht an. Claudia folgt ihr. Sie sehen, daß Alex Mutter in ihrem Bett liegt - inmitten von gebrauchten Kleenex-Tüchern.
   
Alex: (Entsetzt) "Aber hoffentlich nicht in meinem Zimmer!"
Claudia: "Deiner Mutter geht's also gut, ja?"
Alex: "Na sie schläft doch. Hat nur ihr Bett nicht mehr gefunden..."
   
  Von dem Krach ist Alex Mutter wieder aufgewacht und setzt sich im Bett auf.
   
Alex Mutter: (Verschlafen) "Ach, da seid ihr ja schon...soll ich mal Platz machen?"
   
  Claudia geht auf sie zu und schaut ihr aus der Nähe in die Augen. Sie wendet sich wieder ab zu Alex.
   
Claudia: (Zu Alex) "Sie hat geweint! Aber Gott sei Dank bin ich ja da."
Alex: "Dann wird sie bestimmt gleich weiterweinen!"
Claudia: (Schnippisch) "Gut, dann mach du doch!"
Alex: "Hä?"
Claudia: "Siehst'e! Jetzt weißt'e auch nicht mehr weiter!"
Alex: "Meine Güte, was denn?"
Claudia: (Laut) "Na was wohl? Geh hin! Nimm sie in den Arm! Trock'ne ihr die Tränen! Ja...los!"
   
  Claudia schubst Alex in Richtung Bett. Alex Mutter hat den Dialog natürlich mitbekommen.
   
Alex Mutter: (Gefaßt) "Laß nur, es geht schon wieder."
   
  Claudia setzt sich zu ihr auf das Bett.
   
Claudia: "Also, das war ja mal 'n Abend..." (Leise zu Alex) "Komm!"
   
  Alex setzt sich zu den beiden.
   
Claudia: "...und das an ihrem Hochzeitstag. Was ist eigentlich diese Villa Massimo? 'N Erbe, 'n Landhaus?"
   
  Alex Mutter schüttelt stumm den Kopf.
   
Claudia: (Zu Alex) "Keine Erbschaft, kein Landhaus!"
Alex: "Ich hab's gehört, ich sitz' ja auch hier!"
Claudia: (Gluckst) "Vielleicht 'n Swinger-Club!"
Alex Mutter: (Trocken zu Alex) "Aber sie weiß schon noch, daß ich hier sitze?"
Alex: "Ja, aber sowas stört sie nich'."
Claudia: "Ich versuche nur 'n Gespräch in Gang zu bringen, aber das scheint hier ja keinen zu interessieren!"
   
  Es klopft an der Zimmertür.
   
Claudia: (Hoffnungsvoll zu Alex Mutter) "Das ist bestimmt ihr Mann! Jetzt kommt die große Entschuldigung."
   
  Die Tür öffnet sich und Niko lugt herein.
   
Niko: "Äh - 'tschuldigung?" (Zu Alex) "Sag mal... äh... habt ihr Handschellen im Haus?"
   
  Alle starren Niko entgeistert an.
   
Niko: "Ja, verschärfte Regeln. Basti ist im Knast!"
Alex: (Laut) "Hast du keine anderen Probleme?"
   
  In diesem Moment kommt auch Alex Vater in T-Shirt und Bermudashorts ins Zimmer.
   
Alex Vater: "Braucht noch jemand 'ne Decke?"
Alex Mutter: (Trocken) "Nö! Uns geht's gut!"
Alex Vater: (Sauer) "Das dacht' ich mir."
   
  Er will Alex Zimmer wieder verlassen. Claudia springt auf und geht auf ihn zu.
   
Claudia: "Äh... äh, Herr Degenhardt? Was ist eigentlich diese Villa Massimo?"
Alex Vater: (Bestimmt) "Nichts! Hat sonst noch jemand 'ne Frage?"
Niko: "Ja, ich! Äh, sie ha'm nicht zufällig 'n Paar Handschellen für mich da?
   
  Alex Vater verläßt schweigend das Zimmer und schließt die Tür hinter sich.
   
Claudia: "Frau Degenhardt..."
   
  Sie ergreift ihre Hand.
   
Claudia: "...wenn sie heute Nacht aufwachen, sich alleine fühlen und diese Leere spür'n... ich bin für sie da! Seh'n sie mich einfach als... Freundin..." (Begeistert) "...als Trösterin... als..."
Alex: "NERVENSÄGE!" (Zu Niko) "GILT AUCH FÜR DICH! RAUS!"
Niko: (Geknickt) "Gut... dann geh' ich halt..."
   
  Alex Vater betritt wieder das Zimmer, ergreift Nikos Arm und drückt ihm ein Paar Handschellen in die Hände. Niko strahlt die Handschellen begeistern an.
   
Niko: "Jaaaah! Hihihi!"
   
   
Ort: Das Haus der Degenhardts
   
  Claudia, Alex und ihre Mutter liegen nebeneinander in Alex Bett. Claudia und Alex Mutter schlafen tief und fest. Alex, die in der Mitte liegt und noch wach ist, erhebt sich.
   
Alex (Tagebuch): Meine Eltern ha'm sich angeschrien, schlafen in getrennten Betten und reden nich' mehr mit'nander. Nee, das ist zu interessant, um's einfach abzuhaken.
   
  Sie steht auf und geht die Treppe hinunter. Unten im Flur vor der Küchentür steht Basti und sieht sie verlegen an.
   
Basti: "Äh... hi Alex! Äh... kannst du mir 'n Glas Wasser holen?"
Alex: "Wenn's mit Telepathie nicht klappt, muß man die Klinke auch schon mal runterdrücken."
Basti: "Jaaa, aber Niko hat das Wasserwerk gekauft uns jetzt darf ich kein's mehr holen..."
Alex: (Mit gespieltem Mitleid) "Och, der arme Basti! Aber nur, weil heut' Familientag is'."
Basti: (Hektisch) "Ja... a... warte, warte!"
   
  Er versteckt sich im Flur.
   
Basti: (Flüsternd) "Okay, jetzt!"
   
  Alex öffnet die Tür. Vor der offenen Kühlschranktür steht Niko. Er trägt hochhackige Schuhe, Strumpfhosen, ein kurzes Kleid und eine Stola um den Hals. Er trinkt aus einer Wasserflasche und verschluckt sich, als er Alex sieht. Alex starrt ihn entgeistert an.
   
Alex: "Schönheitskonkurrenz?"
Niko: (Beschämt) "Mhm. Zweiter Preis."
   
  Verstehend nickt sie ihm zu.
   
Alex: "Hm."
   
  Sie geht zu einer Küchenschublade und holt eine Taschenlampe. Als sie wieder an Niko vorbeigeht, mustert sie ihn nochmal genau.
   
Alex: "Na, dann kann Basti auch durstig ins Bett."
   
  Niko winkt ihr nach.
   
   
Ort: Die Garage der Degenhardts
   
  Alex öffnet die Garagentür von außen und leuchtet mit der Taschenlampe hinein.
   
Alex (Tagebuch): Wenn das Monopolyspiel in dem alten Koffer war, dann vielleicht auch noch mehr.
   
  Im fahlen Licht der Taschenlampe sieht man Fahrräder, Kisten und anderen Trödel. Alex macht sich an einem Pappkarton zu schaffen.
   
Alex (Tagebuch): Was die für einen Scheiss aufbewahren. Postkarten, Babyflaschen... und meinen alten Lieblingspulli, der "angeblich" von der Leine geklaut worden is'. Komisch... hab' mich nie dafür interessiert, was die in diesen Kisten haben.
   
  Sie zieht eine Grillschürze mit aufgemalten Brüsten aus den Karton.
   
Alex (Tagebuch): War wohl auch besser so.
   
  Plötzlich geht das Licht in der Garage an und Claudia steht in der Tür.
   
Claudia: "Ist das der Koffer, wo das Spiel drin war?"
Alex: "Du machst wohl nie 'ne Pause, was?"
Claudia: "Jedenfalls nicht, wenn's spannend wird! VORSICHT, nichts anfassen!"
   
  Claudia setzt sich neben Alex zu den Kartons und dem alten Koffer.
   
Alex: "Claudia, ich obduzier' hier keine Leichen, mach bloß 'n Koffer auf."
Claudia: "Das ist nicht irgendein Koffer!"
Alex: "Doch, ist es!"
   
  Sie drückt Claudia die Taschenlampe in die Hand, um beide Hände frei zu haben.
   
Alex: "Halt mal!"
   
  Alex öffnet den Koffer.
   
Claudia: (Beschwörend) "Da is' vielleicht das Geheimnis der Villa Massimo drin'!"
   
  Alex zieht einen bunten Fetzen hervor.
   
Alex: "Oder nur 'n Haufen alte Kleider!"
   
  Claudia entdeckt etwas, drückt Alex wieder die Taschenlampe in die Hand und fängt an, in einer Art Künstleralbum zu blättern.
   
Claudia: "Was ist das denn? Das sind ja ...Hunderte!"
Alex: (Entgeistert) "Sind von meinem Vater..."
   
  Alex sucht weiter und findet ein weiteres Album.
   
Alex: (Beeindruckt) "Mensch, der war ja wirklich mal Künstler!"
Claudia: "Aber nich' sehr einfallsreich. Sind ja nur Bilder von schwarzen Menschen drin."
Alex: "Das sind die Schatten von Menschen!"
Claudia: "Warum malt er denn nicht die Menschen?"
Alex: "Weil man nicht immer alles abbilden muß, was man sieht."
Claudia: "Klar. Sowas sagt jemand, der... Mülltonnen photographiert!"
Alex: "Halt mal!"
   
  Alex drückt Claudia wieder die Taschenlampe in die Hand und sucht weiter. Sie findet einen Umschlag.
   
Alex: "Hier! Villa Massimo!"
Claudia: (Aufgeregt) "Ja, endlich! Was is' es denn? 'N Schloß, 'ne Erbschaft?"
   
  In dem Umschlag ist auch ein Bild.
   
Claudia: "'N Landhaus."
Alex: "Nee, 'n Kunststipendium. Und zwar nicht irgendwo..." (Ungläubig) "...in ROM! Nur für die Besten."
Claudia: "Hat er nie was davon erzählt?"
   
  Alex blätter weiter.
   
Alex: "Ja... Nee, er hat's ja auch abgelehnt."
Claudia: "Hm... zum Glück! Sonst wär' die Welt von Schattenmännchen überschwemmt worden."
Alex: "Ich frag' mich nur, warum er's abgelehnt hat."
Claudia: "Wahrscheinlich wollt' er jemand 'ne Chance geben, der mehr Talent hat."
Alex: "Nee, hier guck mal! 'S Datum! Sieben Monate vor meiner Geburt!"
Claudia: (Aufbrausend) "DAS IST ALLES? Und wegen sowas mach ich mir Sorgen? Oh Mann, da denkt man sich Gott weiß was und er hat einfach nur 'n Stipendium abgelehnt?"
Alex: (Laut) "EINFACH NUR? Mensch Claudia, Malen, das war mal sein großer Traum!"
Claudia: "Na und? Meine Mutter hat immer vom perfekten Körper geträumt. Dann kam ich, jetzt hat 'se Schwangerschaftsstreifen und 'nen Hängebusen."
   
  Claudia zieht einen Stoffteddy aus dem Karton und schaut ihn sich an. Alex reißt ihn ihr aus der Hand und drückt ihn traurig gegen ihre Brust und sieht sehr nachdenklich aus.
   
Alex (Tagebuch): In Momenten wie diesem, hätte ich Claudia umbringen können. Aber ein Leben ruiniert zu haben reichte mir für's Erste.
   
   
Ort: Das Haus der Degenhardts
   
  Alex liegt wieder in ihrem Bett und betrachtet nachdenklich ihre Mutter beim Schlafen.
   
Alex (Tagebuch): Wie oft hatte ich mich über das Leben meiner Eltern lustig gemacht. Und jetzt stellte ich fest, daß sie dieses Leben nur wegen mir so lebten. Hatte ich etwa 'n schlechtes Gewissen? Oder Schuldgefühle? Lag ich deshalb wach?
   
  Die schlafende Claudia räkelt sich und legt eine Arm um Alex.
   
Alex (Tagebuch): Okay, aber das war'n Grund.
   
  Alex springt auf. Wenig später liegt sie mit vielen Handtüchern in der Badewanne.
   
Alex (Tagebuch): Ich brauchte genau 17 Handtücher, um zu erkennen, daß die Wanne zu kalt war und ich den absoluten Tiefpunkt des Abends erreicht hatte. Naja, Hauptsache allein.
   
  Es klopft an der Tür.
   
Alex: (Genervt) "Die Badewanne is' besetzt!"
   
  Alex Vater öffnet die Tür.
   
Alex Vater: "Ich wollt' nur mal kurz 'n bißchen Wasser holen."
   
  Er macht das Licht an.
   
Alex: "Hat Niko immer noch das Wasserwerk?"
Alex Vater: "Mh...ja - und Basti hat Durst."
   
  Er geht zum Waschbecken. Alex richtet sich in der Badewanne auf und beide betrachten sich stumm durch den Spiegel.
   
Alex Vater: (Seufzt) "Hm... tut mir leid, daß wir vor allen Freunden so ausgeflippt sind!"
Alex: "Macht nix!"
Alex Vater: "Gut..."
Alex: "...sind nich' meine Freunde."
Alex Vater: (Holt tief Luft) "Weißt du, deine Mutter und ich, wir haben..."
   
  Er setzt sich auf die geschlossene Toilette.
   
Alex Vater: "...also damals..."
Alex: "...ich weiß Bescheid, ich hab' den... Koffer gefunden. Du hast damals 'n Stipendium an der Villa Massimo abgelehnt?"
Alex Vater: (Nickend) "Ja! Und is' gar nich' so leicht, da 'n Stipendium zu kriegen, da muß man nämlich verdammt gut sein!"
Alex: "Klar." (Fragend) "Sowas gibt man nich' so leicht auf?"
   
  Alex Vater nickt bestätigend.
   
Alex Vater: "Sowas gibt man nich' so leicht auf, ja..."
   
  Alex zögert.
   
Alex: "Es sei denn, man kriegt 'n Kind, um das man sich kümmern muß!"
Alex Vater: (Erstaunt) "Du glaubst...!"
Alex: "... daß du wegen mir deine Künstlerkarriere an den Nagel gehängt hast. Ha, ich versteh' auch, daß du denn total enttäuscht bist..."
Alex Vater: "Bin ich aber nich'!" (Lächelt)
Alex: "Verbittert?"
Alex Vater: "Nee!" (Lacht auf) "Erleichtert!"
   
  Alex Mutter steht plötzlich in der Tür.
   
Alex Mutter: (Ungläubig) "Erleichtert?"
Alex: "Ja, wär' auch meine nächste Frage gewesen."
Alex Vater: (Zu seine Frau) "Ja! Froh und erleichtert!"
   
  Alex Mutter kommt näher.
   
Alex Mutter: "Aber die Malerei war doch immer alles für dich?"
Alex Vater: "Äh...ja, aber..." (Holt tief Luft) "...ich hatte Angst, am Ende nur Mittelmaß zu sein."
   
  Alex Mutter kniet sich vor ihm nieder. Alex sitzt immer noch in der Wanne und lauscht aufmerksam.
   
Alex Mutter: "Und warum hast du mir das nie gesagt?"
Alex Vater: (Zögernd) "Feige? Weil du dich doch in mich als Künstler verliebt hast."
Alex Mutter: (Aufmunternd) "Und du bist immer noch einer! Und zwar 'n großartiger!"
Alex Vater: "Hm, ja aber ich... muß mir eben meine Maßstäbe selber setzen."
Alex Mutter: (Seufzt) "Gut. Solange ich die restlichen Sachen entscheiden darf!"
   
  Beide lächeln sich an und küssen sich. Im Hintergrund schält sich Alex leise aus den Handtüchern und verläßt das Badezimmer auf Zehenspitzen. An der Tür steht Claudia.
   
Claudia: (Sentimental) "Wie rührend! Hab' ich was verpasst?"
   
  Alex zieht sie mit sich aus dem Badezimmer und schließt die Tür.
   
Alex: "Ja, aber das ist jetzt echt Familiensache!"
Claudia: "Meinst' denn, die sind jetzt da friedlich?"
   
  Durch die geschlossene Badezimmertür hört man gedämpft eindeutige Geräusche.
   
Alex Mutter: "Ohhh, Hendrik...!
Alex: "Ganz bestimmt! Mich hält jedenfalls nichts mehr vom Schlafen ab!"
   
  In diesem Moment erlischt mit einem lauten Klicken im ganzen Haus das Licht.
   
Basti: (Rufend) "Hey? Was soll'n das?"
Niko: "Mir gehört jetzt das E-Werk..."
Claudia: "Cool!"
Niko: "...da kann ich machen, was ich will!"
   
  Er lacht dreckig. Claudia ist begeistert, Alex genervt.
   
   
Ort: Das Haus der Degenhardts
   
  Der nächste Morgen. Alex sitzt an ihrem Schreibtisch und schreibt in ihrem Tagebuch.
   
Alex (Tagebuch): Ich dachte immer, Träume sind das, was man sich wünscht. Zum Beispiel Ruhe. Aber Träume sind manchmal mehr. Manchmal können sie eine Last sein...
   
  In der Garage packen Alex Eltern die Sachen wieder ein.
   
Alex (Tagebuch): ...manchmal träumt man von Dingen, die man noch gar nicht versteht...
   
  Im Wohnzimmer zieht Basti pfeifend ein Sexmagazin aus Nikos Tasche.
   
Alex (Tagebuch): ...oder von Dingen, die man längst verlor'n hat...
   
  In der Küche hat Claudia den Tisch gedeckt und betrachtet stolz ihr Werk.
   
Alex (Tagebuch): ...manchmal möchte man seine Träume nicht teilen...
   
  Im Wohnzimmer erwischt Niko Basti mit seinem Heft, entreißt es ihm und steckt es zurück in seine Tasche.
   
Niko: (Böse zu Basti) "Hey!"
   
Alex (Tagebuch): ...aber egal, was mit deinen Träumen passiert...
   
  In der Garage beginnt Alex Vater ein Portrait von seiner Frau zu malen.
   
Alex (Tagebuch): ... sie werden immer ein Teil von dir sein...
   
Claudia: (Aus der Küche rufend) "Aaaaalex! Frühstück ist fertig!"
   
  Alex schlägt ihr Tagebuch zu.
   
Alex (Tagebuch): ...ich hoffe, bei Alpträumen ist das anders.

Ende

Für Kritik, Änderungsvorschläge oder Fehler bitte e-Mail an info@alex-degenhardt.de

(c) SPFFP 2004

www.alex-degenhardt.de