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Mein Leben und Ich

"Alles wird anders (Teil 1)"

(Staffel 2 - Folge 1)

Die beteiligten Personen:
Alexandra - Alex - Degenhardt
Hendrik Degenhardt (Alex Vater)
Anke Degenhardt (Alex Mutter)
Sebastian - Basti - Degenhardt (Alex kleiner Bruder)
Claudia Fischer (Alex "beste" Freundin)
Nikolas - Niko Pütz (Nervensäge)
Daniel Kaminski (Alex heimliche Liebe)
Stefan "der Mops" (ekeliger Mitschüler)
Sabine (Schulschlampe)
Diverse Mitschüler
Dr. Orthmanns (Chemielehrer)
Eine Lehrerin
Eine betrunkene Frau aus Köln-Chorweiler

 

Alex (Tagebuch): Es gibt Wochen, in denen dich 'ne Grippe umhaut, es gibt Wochen, in denen du vom Auto angefahren wirst und es gibt Wochen, in denen die Schule anfängt. In diesen Wochen stehst du am besten montags gar nich' erst auf. Gut, wollt' ich auch gar nich'.
   
  Ein elektronischer Wecker fängt an zu klingeln. Alex liegt im Bett. Ihre Hand sucht nach dem Wecker, um das Klingeln abzustellen. Der Wecker fällt herunter und verstummt.
   
Alex (Tagebuch): Keiner will am ersten Schultag nach den Sommerferien aufsteh'n. Leider wußte meine Mutter das auch.
   
  Ein mechanischer Wecker beginnt zu schellen. Alex streckt sich aus dem Bett heraus, greift nach dem Wecker und stellt ihn ab. Danach schmeißt sie ihn in die Ecke. Es scheppert. Der Hund beginnt zu bellen und kommt in Alex Zimmer.
   
Alex: (Schläfrig und genervt) "Raus..."
   
  Alex geht gähnend über den Flur in Richtung Bad.
   
Alex (Tagebuch): Sechs Wochen lang hat' ich ausgeschlafen, alleine gefrühstückt und den Vormittag ganz gemütlich angefangen. Aber das war jetzt alles vorbei.
   
  Gerade, als Alex ins Bad will, kommt ihr Vater um die Ecke und will vor ihr hineinschlüpfen. Allerdings ist die Tür abgeschlossen.
   
Alex Vater: "Warum is' denn hier dauernd besetzt?"
Alex Mutter: "Na, weil heute die Schule wieder anfängt."
   
  Basti kommt aus dem Bad.
   
Basti: "Ja. Leider. So 'ne Scheiße."
Alex Mutter und Vater: (Gleichzeitig) "Basti!"
   
  Alex schlüpft schnell vor ihrem Vater ins Bad.
   
Alex Vater: "Alex!" (Er hämmert gegen die Tür) "Ich muß ins Büro!"
Alex: (Gespielt fröhlich) "Falsche Tür, hier ist das Bad."
Alex Mutter: "Kommt ihr frühstücken."
Alex Vater: "Das schaff' ich nicht mehr, Anke. Jetzt nich' mehr."
Alex Mutter: "Na toll. Kaum geht die Schule wieder los, is' alles so chaotisch wie immer."
Alex Vater: "Na, ich muß halt weg."
Basti: "Ja, ich auch."
Alex Mutter: "Ja, und ich nich'?"
   
  Alex kommt aus dem Bad.
   
Alex: "Hey, Schule is' eben Scheiße."
Alex Mutter: "Na, dann sind wir uns ja alle einig."
Alle: "Genau."
   
(Vorspann)  
   
Ort: Schule
   
Alex (Tagebuch): Das Schlimmste am ersten Schultag is' nicht der Unterricht und auch nicht der Geruch nach alten Putzmitteln. Es sind deine Mitschüler. Immer die gleichen Gesichter. Und auf die meisten von denen, konntest du schon vor den Ferien verzichten.
   
  Alex betritt die Schule und geht über den Flur. Vor dem schwarzen Brett hält sie inne und betrachtet ein Schwarzweißphoto von Daniel. Sie erinnert sich an Szenen aus dem vergangenen Schuljahr:
   
  Alex trifft Daniel auf der Party zu Claudias 16. Geburtstag. Sie stehen schweigend voreinander - schweigend und verlegen.
  Alex steht mit dem Mülleimer im Schulflur, direkt nachdem sie sich im Klassenzimmer dorthinein übergeben hatte. Daniel steht vor ihr " irritiert, weil in Alex Arbeit versehentlich ein Bild von ihm verwendet wurde.
  Auf Claudias 16. Geburtstagsparty spuckt der betrunkene Stefan eine Ladung Bier über Alex. Daniel steht daneben und weiß nicht so recht, ob er lachen, oder Mitleid mit ihr haben soll.
  Alex steht im Limit am Tresen, als plötzlich Daniels kleiner Bruder Nils hinter ihr auftaucht
   
Nils: "Du bist 'ne ganz böse Frau!"
Alex: (Genervt) "Na toll! Und deine Mutter? Hat die keine Lust, oder auch schon was Besseres vor? Wieso paßt die denn nich' auf dich auf?"
Nils: (Traurig) "Daniel meint, sie muß erst wieder nüchtern werden..."
   
  Alex zerknüllt das Bild.
   
Alex (Tagebuch): Tja... angeblich wird in der Oberstufe alles anders. Aber ich war nicht nur deshalb gut gelaunt. Das Beste war, daß man seine Fächer selber wählen konnte. Und ich hatte nur Kurse ohne Claudia gewählt.
   
  Alex betritt ein Klassenzimmer. Als erstes sieht sie Claudia.
   
Alex (Tagebuch) Hm, dann mußte das allerdings 'ne Fata Morgana sein.
   
Claudia: "Alex!"
   
  Claudia springt von ihrer Bank auf und läuft zu Alex
   
Alex (Tagebuch): Nee, dafür war sie definitiv zu laut...
   
  Claudia fällt Alex um den Hals und küßt sie zu Alex Entsetzen auf die Wange.
   
Alex (Tagebuch): ... und zu naß.
   
Claudia: "Ich hab' dich so vermißt. Ich hab' tausend Fragen an dich."
   
  Sie nimmt Alex Hand und zieht sie zu ihrem Tisch.
   
Alex: "Ich hab' eigentlich nur eine: Was machst du im Physikkurs?"
Claudia: "Tja, da wunderst'e dich, was? Ich habe einfach mein SFS genutzt."
Alex: "Bitte?"
   
  Claudia schiebt Alex einen Negerkuss, der auf dem Tisch neben einer großen Packung Negerküsse liegt, herüber. Alex zieht ihre Jacke aus.
   
Claudia: "Mein Sinn für's Schlußfolgern. Ich hab' mir erst alle Kurse angeguckt, die ich mag, dann alle, die du magst und für alle andern hab' ich mich dann eingetragen. Hier."
   
  Claudia reicht Alex ihren Kursplan.
   
Alex (Tagebuch): Das waren exakt die Kurse, die ich gewählt hatte.
   
  Alex betrachtet Claudia zum ersten Mal genauer.
   
Alex: "Sag mal, ist dein Fön explodiert?"
Claudia: "Hip, ne? Ach, ist das aufregend, Alex. Ab heute werden wir gesiezt!"
Alex: "Dazu brauchst'e doch nur an' Postschalter zu geh'n."
Claudia: "Du bist echt EBE. Ein bißchen egozentrisch..."
Alex: (Fällt ihr ins Wort) "Nee, 'n bißchen genervt. Sag mal, was soll'n denn überhaupt die ganze Zeit diese Abkürzungen?"
Claudia: "Ich war doch mit meiner Mutter in New York. Da macht das jeder. Abkürzungen sind total hip!"
Alex: "Das ha'mse dir nur erzählt, damit du weniger laberst."
   
  Alex schnappt sich den Negerkuss, betrachtet ihn kurz und steckt ihn sich dann in den Mund. Niko kommt hereingelaufen.
   
Niko: "Hach... da seid ihr. Ich hab' nicht einen einzigen Kurs mit euch."
Alex: (Mit vollem Mund) "Willst'e tauschen?"
Claudia: "Nicht nötig. Ich krieg den Direktor dazu, daß du zu uns wechseln kannst."
Niko: "Wie denn das?"
Alex: "Mit "ABWM": Aufdrängen, bearbeiten, wahnsinnig machen."
Claudia: "Also, in der Oberstufe is' irgendwie alles anders..."
   
  Alex holt ihre Unterlagen heraus.
   
Alex: (Genervt) "Quatsch. Nur weil 'se in New York nicht mehr in ganzen Sätzen reden, is' doch nich' alles anders."
Claudia: "Doch, guck mal, Stefan."
   
  Claudia deutet auf Stefan, der in der Tür mit einem Mädchen herumknutscht.
   
Alex: (Amüsiert) "Hm, ist das 'ne Gummipuppe?"
Stefan: "Nee, meine neue Freundin, Sarah."
   
  Er setzt sich vor Claudia und Alex an den Tisch.
   
Alex: "Uh, sie muß sich nich' ma' übergeben."
   
  Sabine kommt an den Tisch und beugt sich zu Alex herunter.
   
Sabine: "Die Kleine hat er sich aus der 8 geangelt. Für'n Kinderriegel" (lacht)
Alex: (Sabines Lachen nachäffend) "Und dich kriegt man immer noch umsonst?"
   
  Sabine stöhnt und wendet sich ab. Jetzt lacht Stefan.
   
Claudia: "Siehst'e. Wir werden gesiezt, Stefan hat 'ne Freundin und Sabine hat 'ne and're Haarfarbe. Alles ist anders."
Alex: "Ach, nur weil die einen auf erwachsen machen. Das sind doch immer noch alles die gleichen Dumpfbacken."
   
  Daniel sieht sich suchend im Raum um.
   
Niko: "Nich' ganz. Daniel fehlt."
   
  Claudia springt schockiert auf und sucht den Raum ebenfalls mit den Augen ab.
   
Claudia: "Stimmt. Daniel is' nicht da."
Alex: "Ja und?"
Claudia: (Empört) "Wie, ja und? Vielleicht ham wir Pech und er is' in gar keinen von unser'n Kursen! Wie schlimm!"
Alex: (Leicht verzweifelt) "Wieso schlimm? Dann müßt' ich ja nochmal alles umschmeißen."
Niko: (Hektisch) "Was? W-willst du jetzt wechseln? Wa-was soll ich denn nehmen?"
Claudia: "Ganz ruhig. Kann dir ganz egal sein. Ich sorg' dafür, daß wir zusammenbleiben. Wie früher."
   
  Alex ist schockiert. Claudia gibt ihr einen Kuss auf die Wange.
   
Ort: Das Haus der Degenhardts
   
  Alex kommt die Auffahrt entlang und schließt die Haustür auf.
   
Alex (Tagebuch): Der erste Schultag reichte, und ich fühlte mich schon wieder wie am letzten. Ausgepowert, genervt und reif für die Sommerferien.
   
  Alex tritt ein, zieht ihre Jacke aus und wirft sie achtlos auf den Boden. Im Wohnzimmer hört sie ihre Eltern.
   
Alex Vater: "Und das jetzt darüber..."
   
Alex (Tagebuch): Und zu Hause wartete schon die nächste Überraschung.
   
Alex Mutter: "Ja, mach doch einfach mal. Nee, noch mehr nach rechts."
Alex Vater: "Ich bin doch rechts."
Alex Mutter: "Ja, aber das Sofa nich'."
   
  Alex Eltern sind dabei, die Möbel im Wohnzimmer, welches im Moment ziemlich chaotisch aussieht, umzustellen. Alex setzt sich auf die Couch.
   
Alex: "Jetzt sag' nicht, du hast wieder über ihre Vase gelästert."
   
  Alex Vater setzt sich neben sie auf die Couch.
   
Alex Vater: "Nee, kein Stück."
   
  Alex Mutter kommt mit der Vase zurück ins Wohnzimmer.
   
Alex Mutter: "Doch. Du hast gesagt, wenn das Scheißding wenigstens chinesisch wäre."
   
  Sie stellt die Vase auf einen kleinen Couchtisch.
   
Alex Vater: "Wenigstens hab' ich nie gesagt."
   
Alex (Tagebuch): Es gab jedes Jahr mindestens einmal Terror wegen der Vase. Sie war potthäßlich, alle wußten das, außer meiner Mutter.
   
Alex Mutter: "Die Vase braucht ganz einfach Raum und Luft, dann sieht sie auch gut aus."
Alex Vater: "Anke, das Sofa stand doch gut da in'ner Mitte."
Alex: "Ja."
Alex Mutter: "Aber man hat die Vase ja überhaupt nich' gesehen."
Alex Vater: "Doch! Ich fand den alten Platz klasse, ehrlich."
Alex Mutter: "Dann hätt'ste ja nich' gemeckert."
Alex Vater: (Genervt) "Ich hab' mich doch nur gefragt, ob..."
Alex Mutter: "... ob sie da im Licht... nich' noch viel besser aussieht."
   
 

Alex Mutter stürmt mit der Vase zum Esstisch.

   
Alex Vater: "NEIN!"
   
  Alex Mutter hält inne.
   
Alex Mutter: "Gut. Dann laß uns einfach nochmal ganz neu denken. Sofa am besten in die Mitte."
   
  Sie zieht das Sofa in die Mitte des Raumes.
   
Alex Vater: (Zu Alex) "Was soll ich'n machen?"
Alex: "Mach' dir 'nen schönen Abend. Hm..."
   
  Sie steht auf und verläßt das Wohnzimmer. Alex Mutter setzt sich auf die Couch, die sie gerade in die Mitte des Raumes gezogen hat. Ihr Mann sieht sie kraftlos an.
   
Alex Mutter: "Das 's jetzt nicht schlecht, oder?"
   
  Alex betritt ihr Zimmer und schmeißt sich auf's Bett.
   
Alex (Tagebuch): Oh, Mann. Der Horror war komplett. Schulanfang, Vasenterror, Kopfschmerzen... uh, und mein Bruder.
   
  Basti betritt Alex Zimmer.
   
Alex: "Hab' ich herein gesagt?"
Basti: "Hab' ich angeklopft?"
Alex: "Was willst Du?"
Basti: "Kann ich mit Clausi in dein Baumhaus?"
Alex: "Nein! Kann ich meine Ruhe haben?"
   
  Claudia kommt zur Tür hinein.
   
Claudia: "Hi, Alex."
Basti: "Nein." (Basti dreht sich um und geht)
Alex: (Genervt zu Claudia) "Hab' ich herein gesagt? Sonst noch jemand, der rein will?"
Alex Mutter: "Ja, wir." (Alex Eltern kommen ins Zimmer) "Alex, wir ha'm 'ne schöne Stelle gefunden, wo die Vase hin paßt. Du hast doch diese blaue Überdecke. Können wir die mal haben?"
   
  Alex sieht sie entgeistert an. Hinter Alex Mutter steht ihr Vater und macht eindeutige Gesten, daß Alex bitte alles machen soll, was ihre Mutter von ihr verlangt. Alex hebt ihre Beine an und ihre Mutter zieht die Decke, die auf ihrem Bett liegt, unter ihrem Hintern weg.
   
Alex Mutter: "Damit paßt das Sofa dann auch zur Vase."
Claudia: "Aber die Vase sah doch super aus beim Sofa."
Alex Mutter: "Ja?"
Claudia: "Ich fand nur immer, sie paßt nich' so zum Beistelltisch."
   
  Alex Vater verzieht das Gesicht.
   
Alex Mutter: "Ach... Ja, dann gucken wir vielleicht doch nochmal." (Zu Alex und Claudia) "Bei euch alles in Ordnung?"
   
Alex (Tagebuch): Was für 'ne Frage, wenn Claudia im Zimmer is'.
   
Claudia: "Es geht um Daniel. Daniel war nämlich heute nicht bei uns im Kurs."
Alex: "Ja und, dann war er eben in 'nem ander'n Kurs."
Claudia: (Energisch) "Nein, eben nicht! Alex, der war überhaupt nicht in der Schule!"
Alex: "Dann hat er eben den Bus verpaßt oder verpennt."
Claudia: (Dramatisch) "Nein. Keiner weiß, wo er ist. Daniel... wird vermißt."
Alex Mutter: (Mitfühlend und schockiert) "Oh Gott. Daniel wird vermißt? Wie furchtbar. Was kann ihm denn passiert sein. Hendrik!"
   
  Alex richtet sich auf und sieht ihre Mutter ungläubig an.
   
Alex: "Du kennst Daniel doch gar nicht."
Alex Mutter: "Oh... ja... (Fröhlich) Möcht' jemand 'n Eis? Ich hab - noch was - im Kühlfach."
   
  Alex läßt sich stöhnend aufs Bett zurückfallen und dreht Claudia den Rücken zu.
   
Ort: Schule
   
  Alex, Claudia, Niko, Sabine und Stefan schlendern über den Schulflur.
   
Stefan: "Vielleicht ist er mit 'ner Braut durchgebrannt." (lacht)
Niko: "Also vor drei Wochen war er noch mit 'nen paar Typen aus Chorweiler skaten."
Claudia: "Daniel is' also zum letzten Mal vor drei Wochen gesehen worden."
Sabine: "Was, wenn er 'nen Unfall hatte und jetzt irgendwo liegt... ganz verwirrt und... und ohne Gedächtnis?"
Alex: "Ja und? In dem Zustand findest du doch auch jeden Morgen in die Schule."
Niko: "Ja, oder er is' auf 'ne Clownschule gegangen."
   
  Alex und Claudia bleiben stehen und sehen Niko entgeistert an.
   
Alex: (Ungläubig) "Warum sollte er auf 'ne Clownschule gehen."
Niko: (Kleinlaut) "Ich würd' gern auf 'ne Clownschule."
Alex: (Stöhnt) " Mann, ich wär am besten gar nicht erst aufgestanden. Anstatt mit so'n Haufen Pappnasen hier zu sitzen."
   
  Sie betreten den Chemiesaal. Hinter ihnen kommt auch Dr. Orthmanns durch die Tür.
   
Dr. Orthmanns: "Da haben wir ja was gemeinsam, Degenhardt!" (Stöhnt)
   
  Die Schüler setzen sich, Orthmanns geht zum Lehrerpult und stellt seine Tasche ab. Er sieht sich in der Klasse um.
   
Dr. Orthmanns: "Warum macht ihr das? Chemie wählen. Es gibt doch andere schöne Naturwissenschaften. Physik... (Zu Niko) Biologie... hm, Pütz." (Stöhnt) Ihr hättet alles nehmen können. Warum wählt ihr das schwerste Fach - Warum Chemie? Was ist passiert? Habt ihr das Kreuzchen ins falsche Feld gemacht oder euch verlaufen?"
Sabine: (Schippt) "Das Kreuzchen..." (kichert)
Dr. Orthmanns: "Hh, ah ja. Sie hat wenigstens 'ne Entschuldigung. Und ihr... Ah! Ich will's gar nicht wissen!" (Stöhnt) Es bringt ja eh nichts. Also bringen wir 's hinter uns."
   
  Er holt seine Brille aus der Jackentasche und setzt sie auf. Claudia meldet sich.
   
Dr. Orthmanns: "Bitte, nicht jetzt schon Fragen."
Claudia: "Werden wir nicht ab jetzt gesiezt."
   
  Orthmanns hält inne und atmet tief durch.
   
Dr. Orthmanns: "Jaaaa... werden sie. Haben sie noch eine Frage, Frau Fischer?"
Claudia: "Ja, wir!"
   
  Claudia ergreift Alex am Arm. Alex sieht sie verwundert an.
   
Claudia: "Aber nur 'ne klitzekleine. Wissen sie, wo Daniel ist?"
   
  Die ganze Klasse beugt sich wie eine Einheit vor und lauscht gespannt.
   
Dr. Orthmanns: "Herr Kaminski? Ja sicher. Wir hatten vor den Ferien noch ein Gespräch. Ich habe ihm nahegelegt, seinen Urlaub zu verlängern."
Alex: (Gelangweilt) "Will das nicht jeder?"
Dr. Orthmanns." "Das seh' ich genauso, Degenhardt. Aber leider kann ich die Schule nicht so einfach hinschmeißen... wie Kaminski. Hm... die Rente."
   
  Er beginnt, sein Frühstück aus seiner Tasche auszupacken.
   
   
Ort: Das Haus der Degenhardts
   
  Alex sitzt in ihrem Zimmer auf dem Bett und packt ihre Schulsachen aus dem Rucksack. Dabei findet sie das zerknüllte Bild von Daniel und betrachtet es nachdenklich.
   
Alex (Tagebuch): Daniel. Einfach abgegangen. Warum ist der Idiot bloß so verantwortungslos? Warum gibt der einfach auf? Hm, warum denk' ich überhaupt drüber nach? Daniel kann mir echt wurscht sein...
   
  Alex Eltern kommen zur Tür herein.
   
Alex Mutter: "Können wir kurz stören."
Alex: "Nein."
Alex Vater: "Geht ganz schnell."
Alex Mutter: "Können wir das hier lassen?"
   
  Alex Mutter setzt sich zu ihr auf das Bett und zeigt ihr eine kleine Dose.
   
Alex: "Sag nicht, das Döschen stört unten?"
   
  Sie nimmt das Döschen entgeistert entgegen und schaut ihren Vater verzweifelt an.
   
Alex Mutter: "Doch. Der Beistelltisch hinter'm Sofa wirkt ohne Döschen einfach eleganter."
   
  Sie steht auf und verläßt Alex Zimmer. Ihr Vater steht fix und fertig im Zimmer.
   
Alex: "Hinter'm Sofa? Steht da nicht das Regal?"
Alex Vater: (Leise) "Nich' mehr."
   
  Die Degenhardts stehen im Wohnzimmer und betrachten die neue Anordnung der Möbel.
   
Alex Vater: "Perfekt. Das uns das vorher nich' aufgefallen is', in all den Jahren. Die Vase kann eigentlich nur so stehen."
Alex Mutter: "Meinst'e nicht, das Sofa steht 'n Spur im Weg?"
Alex Vater: "Nee, da kann man doch super drum rum geh'n."
Alex Mutter: "Gut. Dann hol' ich jetzt mal den Läufer aus der Garage."
Alex Vater: "Au ja."
   
  Alex Mutter verläßt das Wohnzimmer. Alex ist völlig entsetzt ob der merkwürdigen Anordnung der Möbel.
   
Alex: "Sag mal, die Sachen steh'n total dämlich im Weg rum.
Basti: "Allerdings"
Alex Vater: (Zischt) "Pst. Bist du ruhig! Die Sofas bleiben da steh'n. Ihr findet's super und ihr sagt zu allem ja, wenn Mutti kommt."
Basti: "Aber das sieht total bescheuert aus."
Alex: "Jaaaaa!"
Alex Vater: (Verzweifelt) "Das weiß ich doch. Aber ich kann nicht mehr. (Weinerlich) Eure Mutter ändert alle fünf Minuten ihre Meinung. Das is' noch schlimmer, als beim letzten Mal."
   
Alex (Tagebuch): Und das sollte was heißen. Da hatten wir das Sofa zwei Wochen in der Küche steh'n.
   
  Alex Mutter kommt zurück. Alex stößt ihren Vater mit dem Ellenbogen in die Rippen, um ihn darauf aufmerksam zu machen. Alle lächeln sie begeistert an.
   
Alex Vater: (Gespielt begeistert) "Ahhhhhhh."
Alex Mutter: "Na?"
Basti: "Klasse."
Alex: "Toll."
Alex Mutter: "Und du?"
Alex Vater: "Super."
   
  Alex Mutter betrachtet das Wohnzimmer skeptisch und setzt sich dann resignierend auf's Sofa. Alex betrachtet sie nachdenklich.
   
Alex Mutter: "Nein... Sieht alles total häßlich aus. Völlig unmöglich. (Weint) Mensch, ihr müßt mir doch sagen, wenn ich was falsch mache."
   
  Alex Vater setzt sich neben seine Frau.
   
Alex Vater: (Tröstend) "Aber... du machst doch gar nichts falsch."
Alex Mutter: (Weint) "Natürlich, und du weißt es ganz genau. Guck dir das doch an. Die Vase hat keine Luft, die Decke paßt nicht zum Sofa, und der Läufer nicht zur Wand."
   
Alex (Tagebuch): Wahrscheinlich fingen gerade alle Drogen, die sie in ihrer Jugend genommen hatte, gleichzeitig an zu wirken.
   
Alex Vater: "Ja, und jetzt?"
Alex Mutter: (Schluchzt)
Alex Mutter: "Wir streichen."
   
  Es klingelt an der Wohnungstür. Alex geht in Richtung Tür.
   
Alex Mutter: (Wieder fröhlich) "Au ja. Wir streichen. Ah, das ist sowieso die beste Idee. (Zu ihrem Mann, der gerade auf dem Sofa zusammensinkt) Na komm!"
   
  Alex geht zur Wohnungstür und öffnet. Sie erblickt Claudia und stöhnt auf.
   
Claudia: "Alex, kann ich reinkommen?"
Alex: "Gern. Du kannst meiner Mutter streichen helfen."
   
  Sie gehen in die Küche und Claudia setzt sich an den Küchentisch.
   
Claudia: "Ich weiß, es interessiert dich nich', aber ich mach' mir echt Sorgen. Das wird Daniel noch total bereuen. Ich mein'... der setzt seine ganze Zukunft aufs Spiel! Ohne vernünftigen Schulabschluß hat man doch heutzutage keine Chance."
Alex: (Sarkastisch) "Du schon. Als Berufsberaterin."
Claudia: "Alex, ich mein's ernst. Anscheinend kümmert sich ja sonst keiner um ihn."
   
  Alex seufzt und setzt sich zu Claudia an den Tisch.
   
Alex: "Na, dann red' mit seinen Freunden."
Claudia: "Wollt' ich ja. Aber dann hab' ich gemerkt... der hat gar keine richtigen Freunde!"
Alex: "Der Glückliche!"
Claudia: "Alex. Keiner weiß irgendwas über Daniel. Niemand! Nichts! Warum bloß?"
Alex: "Weil's außer dich keinen interessiert."
 

 

  Alex schaut ein wenig entsetzt, als die Degenhardts im Hintergrund Möbel herumtragen.
   
Claudia: "Obwohl, wenn keiner was weiß... Vielleicht hat Daniel ja irgendwelche dunklen Geheimnisse. Schulden. Drogen. Psychoprobleme... deshalb hat er ja auch dauernd in der Schule gefehlt!"
Alex: (Genervt) "Ach Mann, Claudia. Komm mal wieder runter. Daniels Mutter hat 'n Alkoholproblem und deswegen muß er manchmal auf seinen kleinen Bruder aufpassen. Dann hat er eben in der Schule gefehlt."
   
  Alex sieht entsetzt zu, wie ihr Vater verzweifelt die Vase durch das Wohnzimmer trägt.
   
Alex: (Zu ihrem Vater) "Sach' ma'!"...
Claudia: "Woher weißt du das?"
Alex: "Ich weiß gar nichts."
Claudia: "Na, is' ja auch egal... (Stöhnt) Was für ein Mann! Die Mutter versagt, und der Sohn zieht den kleinen Bruder groß. GWT !"
   
  Alex sieht sie verständnislos an.
   
Claudia: "Gott, wie tragisch!"
   
Alex: (Resolut) "Und deswegen erzählst du's auch keinem! Verstanden?"
   
  Alex steht auf und verläßt die Küche. Claudia geht ihr hinterher.
   
Claudia: "Aber jetzt ist's doch kein Geheimnis mehr. Ich weiß es ja."
Alex: "Und du vergißt es auch gleich wieder!"
Claudia: "Und dann hätt'st es mir nicht erzählen dürfen."
Alex: "Stimmt! Einen Grund mehr für dich, den Mund zu halten."
 

 

  Alex geht die Treppe hoch zu ihrem Zimmer. Claudia bleibt unten stehen.
   
Claudia: (Ängstlich) "A-aber Alex, du kennst mich... I-ich kann das nich'!"
   
  Alex macht kehrt und beugt sich zu Claudia herunter.
   
Alex: (Sarkastisch) "Dann geh' ins Kloster und lern's endlich."
   
  Alex geht wieder hoch. Claudia äfft sie leise nach.
   
   
Ort: Schule
   
  Alex kommt die Treppe herunter. Claudia läuft ihr hinterher " Alex ignoriert sie.
   
Alex (Tagebuch): Den Mund halten - daß war von Claudia leider viel zu viel verlangt.
   
Claudia: "Alex!"
   
  Alex biegt um die Ecke vom Treppenhaus in den Schulflur. Claudia rennt gegen eine Glastür. Alex dreht sich ungläubig um.
   
Alex (Tagebuch): Ihre Hirnfunktionen setzten bereits aus.
   
Claudia: "Ich kann nicht mehr, ich muß mit dir reden."
   
  Alex sieht sie entgeistert an.
   
Alex: "Dein T-Shirt is' verkehrt 'rum."
   
  Claudia wirft einen hektischen Blick an sich herunter.
   
Claudia: "Oh!"
   
  Sie drückt Alex ihren Rucksack in die Hand und beginnt, sich das Shirt auszuziehen.
   
Claudia: (Schwer atmend) "Kannst'e mal sehen, wie ich durch'n Wind bin. Ich kann an nichts anderes mehr denken als an... du weißt schon, unser Geheimnis."
Alex: "Was soll das heißen?"
Claudia: "Ich denk' nur noch dran, daß ich mich nicht verplappern darf. Ich dreh' noch durch."
   
  Inzwischen hat Claudia es geschafft, ihr T-Shirt um 360° zu drehen, wodurch sich nichts geändert hat.
   
Alex: "Ich kenn' dich nich' anders."
Claudia: "Ehrlich Alex... diese ganze Sache... das ist wie 'n Zwang."
   
  Claudia rennt gegen die Flurtür.
   
Alex: "Ahhh, das hat wehgetan."
Claudia: (Psychotisch) "Nicht so, wie die Stimmen in meinem Kopf. Du darfst nichts erzählen. Erzähl's, dann geht's dir besser. Wehe, du verplapperst dich!"
Alex: "Zwei zu eins dagegen. Hör auf die Stimmen."
Claudia: "Wenigstens meiner Mutter...?"
Alex: "NEIN, keinem!"
Claudia: (Leise) "Ich hab's gestern Nacht meiner Puppe erzählt."
Alex: (Mitleidig) "'S is' schon okay."
Claudia: (Verzweifelt) "Aber es hat nich' geholfen. Alex, ich leide so."
Alex: "Ich kenn' das Gefühl."
   
  Nach der nächsten Stunde gehen Alex, Claudia und Niko die Treppe herunter.
   
Niko: "Na, Mädels, alles roger?"
Alex: "Alles roger."
   
  Niko zeigt mit dem Finger auf Claudia.
   
Niko: "Warum sagt denn die nix?"
Alex: (Ironisch) "Nächstenliebe?"
Niko: "Ey, Claudia, dein... dein T-Shirt is' falsch 'rum."
Alex: "Nich', wenn du von hinten guckst."
   
  Alex und Claudia betreten ein Klassenzimmer. Niko bleibt zurück. Claudia umfasst Alex Arm.
   
Claudia: (Verzweifelt) "Das belastet mich so, Alex."
Alex: (Genervt) "Kauf dir noch 'n paar Puppen und erzähl's denen so lange, bis du's selber nich' mehr hören kannst."
   
  Alex setzt sich an ihren Tisch.
   
Claudia: "Aber die könn' nich' antworten."
   
  Claudia setzt sich neben sie.
   
Alex: "Wozu auch? Sie kämen ja sowieso nich' zu Wort."
   
  Die Lehrerin betritt das Klassenzimmer.
   
Lehrerin: "Morgen."
Klasse: "Guten Morgen, Frau ??
Lehrerin: "Wir woll'n uns heute dem Thema Stadtsanierung anhand einer Maßnahme in Köln nähern. Wem sagt das Wohnraumprojekt Chorweiler was?"
   
  Claudia überlegt kurz, ob sie sich melden soll, überlegt es sich dann doch anders. Sabine meldet sich stolz.
   
Lehrerin: " Sabine!"
   
Sabine: "Chorweiler is'n Stadtteil von Köln."
   
  Alex entfährt ein trockenes Lachen.
   
Lehrerin: (Amüsiert) "Schön gewußt, Sabine. Weiß jemand 'was Genaueres? Stefan."
   
  Claudia beginnt hektisch zu zucken und mit den Armen zu rudern. Alex sieht sie schockiert an.
   
Stefan: "Da würd' ich an ihrer Stelle nich' mal durchfahr'n. Da wohn' nur Vollasis." (Lacht dreckig)
   
  Claudia springt auf und meldet sich energisch.
   
Lehrerin: "Claudia, hast du uns was zu erzähl'n?"
   
  Claudia greift völlig verwirrt nach ihrem Rucksack, den sie Alex gegen den Kopf schlägt und läuft aus dem Klassenraum.
   
Lehrerin: (Zu Alex) "Kommt Claudia aus Chorweiler?"
Alex: "Mm, mm. Aber sie nimmt sich Stadtsanierungen immer so zu Herzen."
   
  Die Lehrerin betrachtet Alex verstört.
   
   
 Ort: Schule
   
  Niko schlendert über den Schulflur. Alex kommt von hinten auf ihn zugerannt.
   
Alex: "Niko. Niko, sach' ma', hast du Claudia geseh'n?"
Niko: "Äh, ja, gerad' eben. Die is' ja total durch 'n Wind. Was'n los?"
Alex: "Ja, wo is'n die hin?"
Niko: "Keine Ahnung. Hat sie nich' gesagt."
Alex: "Komisch."
Niko: "Aber sie wollt' die Adresse von Daniel haben."
Alex: "Und wie is' die Adresse?"
Niko: "Kirchhornweg 66."
   
  Alex rennt los und läßt Niko stehen.
   
Niko: "Sag mal, is' es 'ne Party? Braucht ihr CDs oder..." (Zu sich selbst) Oder 'n DJ oder so..."
   
   
Ort: Köln-Chorweiler
   
  Claudia fährt mit dem Fahrrad vor ein Reihenhaus und klingelt Sturm an einer Wohnungstür, Hausnummer 69. Der obere Nagel der "9" hat sich gelöst, die "9" erscheint als "6". Eine heruntergekommene, betrunkene Frau mittleren Alters öffnet die Tür. In der Hand hält sie eine Schnapsflasche.
   
Bewohnerin Haus Nr. 69: (Unfreundlich) "Wat is?"
Claudia: "Ich weiß, daß Daniel da ist. Und ich will sofort mit ihm sprechen."
Bewohnerin Haus Nr. 69: "Wer bist'e überhaupt?"
Claudia: (Resolut) "Mein Name spielt keine Rolle. Wissen sie, meine Mutter muß ihr Kind auch alleine großziehen, aber sie braucht dazu kein Alkohol!"
   
  Sie geht an der verdutzen Frau vorbei in die Wohnung.
   
Claudia: Gut, vielleicht nimmt sie zu viele Massagen, Kosmetikstunden und Termine auf der Schönheitsfarm. Aber ansonsten..."
   
  Alex kommt mit dem Fahrrad aus der anderen Richtung und klingelt am Haus mit der Nummer 66. Daniel, der offenbar gerade unter der Dusche stand, öffnet. Er ist nur mit einem Badetuch bekleidet. Er scheint ein wenig verwirrt.
   
Daniel: "Hi."
Alex: "Hi. Äh... wo is' sie?"
Daniel: (Verständnislos) "Wer?"
Alex: "Claudia."
Daniel: "Äh... Keine Ahnung. Hier jedenfalls nich'."
Alex: (Zu sich selbst) "Hm... Wo denn dann?"
   
  Vor Haus Nr. 69 wird Claudia resolut von der Bewohnerin aus dem Haus gedrängt.
   
Claudia: "Das is' doch so kein Gespräch. Sie könn' mich rauswerfen. Aber sie könn' mich nicht aufhalten, wenn sie Daniel nich' so - fort da rauslassen, verständige ich die Behörden. Sie dürfen Daniel nich' einfach so von der Schule nehm'."
   
  Die Bewohnerin knallt ihr die Tür vor der Nase zu. Claudia linst durch den Türspion.
   
  Vor Haus Nr. 66 versucht Alex die Situation zu erklären.
   
Alex: "Also, falls sie vorbeikommt, m-mach' einfach die Tür nich' auf."
   
  Alex dreht sich um und geht zu ihrem Fahrrad.
   
Daniel: "Hat das was damit zu tun, daß sie meinen Bruder am Spielplatz angequatscht hat?"
Alex: (Verblüfft) "Was?"
Daniel: "Na ja, sie wollt' ihn nach Hause bringen, er ist aber nicht mitgegangen."
Alex: (Verlegen mit dem Gepäckträger spielend) "Hm, kennst ja Claudia. Die wollt' wahrscheinlich mal wieder deine Mutter vertreten."
Daniel: (Eisig) "Was hat denn Claudia mit meiner Mutter zu schaffen?"
Alex: "Nee, nee, nichts. Äh, weiß nicht. A-also, vielleicht hat sie was gehört, oder so."
   
  Vor Haus Nr. 69 versucht Claudia immer noch, von der Bewohnerin die Herausgabe Daniels zu fordern.
   
Claudia: "Ich hol' gerade mein Handy 'raus!"
   
  Durch den Spion sieht man die betrunkene Bewohnerin, die sich kaum noch auf den Beinen halten kann.
   
Claudia: "Ich wähle!"
   
  Man hört das Piepen der Tastatur von Claudias Mobiltelefon. Die Bewohnerin kommt näher zur Tür.
   
Claudia: "Freizeichen!"
   
  Claudia hält das Display ihres Mobiltelefons an den Spion, durch den die Bewohnerin von innen hindurchschaut.
   
Claudia: "Ich geh' hier nich' weg!"
   
   
  Vor Haus Nr. 66 erhitzen sich langsam die Gemüter.
   
Daniel: "Was is' hier eigentlich los?"
   
  Alex geht auf Daniel zu, der immer noch in der Tür steht.
   
Alex: "Sie... sie hat gehört, daß... daß deine Mutter zuviel trinkt."
Daniel: "Wer erzählt denn so'n Scheiß?"
Alex: "Ich. We-weil, dein kleiner Bruder, der hat mir das gesagt, und dann... dann is' es mir vor Claudia rausgerutscht."
Daniel: (Wütend) "Das geht dich alles nichts an. Laß mich in Ruhe. Ich..."
   
  Er wendet sich von Alex ab und geht zurück in die Wohnung und knallt die Tür zu.
   
Alex: (Durch die geschlossene Tür rufend) "Aber du mußt wissen, daß sich andere Leute vielleicht Sorgen machen."
   
  Daniel antwortet durch die geschlossene Tür.
   
Daniel: "Und du mußt wissen, daß mich das immer noch nicht interessiert. Schon gar nicht von so 'ner Tratschtante."
Alex: (Schnippisch) "Ja klar. Der harte Mann löst seine Probleme natürlich alleine. Gut, bin ich halt 'ne Tratschtante. Is' mir sowas von egal. Aber du, du bist 'n Feigling."
   
Alex (Tagebuch): Ich Idiot.
   
  Daniel öffnet die Tür wieder und sieht Alex an.
   
Daniel: "Warum das?"
Alex: "Nur weil Orthmanns sagt, daß du die Schule nicht schaffst, kneifst du den Schwanz ein. Hast ja jetzt endlich 'n Grund."
Daniel: "Na, is' ja toll, daß du immer alles so schön im Griff hast. Aber vielleicht kannst' dich mal aus meinem Leben raushalten."
Alex: (Genervt) "Ja. Nichts lieber als das."
   
  Alex verzieht das Gesicht und geht zurück zu ihrem Fahrrad.
   
Alex (Tagebuch): Daniel wird also nich' mehr zur Schule kommen. Und ich werd' ihn nie wieder seh'n. War wohl auch das Beste. Ich hatte mich ziemlich blamiert. Aber da war ich anscheinend nicht die einzige.
   
  Alex sieht entgeistert zu, wie Claudia an ihr vorbeiradelt, verfolgt von der Bewohnerin vom Haus Nr. 69, die ihr schreiend einen Besen hinterher wirft. Weil diese Claudia nicht mehr einholten kann, pöbelt sie Alex an, die schnell ihr Fahrrad schnappt und flüchtet.
   
Ort: Schule
   
  Alex betritt das Schulgebäude. Claudia rennt ihr hinterher.
   
Claudia: "Alex. Alex, ich muß dir was beichten. Ich war gestern bei Daniels Mutter. Aber mit der Frau konnt'ste gar nich' reden. Daniel ist also echt von der Schule. Was machen wir'n jetzt?"
Alex: "An der Oberstufe wird eben alles anders."
   
  Auf dem Flur sieht man, wie sich Stefan mit seiner Freundin streitet und sie ihm eine kräftige Ohrfeige gibt.
   
Alex: "Okay - fast alles..."
   
  Die Schüler betreten den Chemiesaal, in dem schon Orthmanns sitzt und Zeitung liest. Auf einem Bunsenbrenner hält er seinen Kaffee warm.
   
Alex (Tagebuch) Sogar Sabine hatte sich wieder ihre Haare blondiert.
   
Dr. Orthmanns: "Morgen, die Damen. Na, auch schon da. Nur zu ihrer Information, ich gebe immer noch keinen Einzelunterricht. So, dann sind wir ja alle komplett."
   
  Er steht auf und will die Tür schließen. Von draußen kommt Daniel und hindert ihn daran.
   
Daniel: "Nee, jetzt sind wir komplett."
Dr. Orthmanns: "Kaminski. Jetzt sagen sie nicht, sie wollen zurück zur Schule kommen und mir wieder auf die Nerven geh'n."
   
  Alex mustert ihn ungläubig.
   
Daniel: "Gibt's 'nen besseren Grund?"
Dr. Orthmanns: "Eh, was rede ich mir überhaupt den Mund fusselig. Wißt ihr was, schreibt einfach ab."
Claudia: "Und jetzt rate mal, warum Daniel zurück ist. Bah, hast du geseh'n, wie er mich angeguckt hat? Ach, dir ist ja eh alles egal."
   
  Während die Schüler in ihren Taschen kramen grinst Alex über das ganze Gesicht.
   
Alex: "Genau."
   
Ort: Das Haus der Degenhardts
   
  Alex liegt entspannt auf der Couch im Wohnzimmer und spielt mit dem kleinen Döschen, daß ihre Mutter in ihr Zimmer gebracht hatte. Auf der zweiten Couch döst der Hund.
   
Alex (Tagebuch): Am Ende der Woche hatte sich dann auch meine Mutter wieder eingekriegt. Das Wohnzimmer durfte so bleiben, wie es war. AWN, wie Claudia sagen würde: alles wieder normal. Hin und wieder wird deine Welt durchgeschüttelt, wie 'ne billige Schneekugel. Aber auch, wenn's oft so aussieht. In Wirklichkeit verändert sich gar nichts.
   
Alex Mutter: "Alex, Abendessen!"
   
  Alex und der Hund begeben sich vom Wohn- ins Esszimmer, wo der Rest ihrer Familie bereits Platz genommen hat. Sie setzt sich an den Tisch - der Hund beginnt, aus einem Napf auf dem Boden, zu fressen.
   
Alex Mutter: "Ich muß mich entschuldigen bei euch allen. Ich weiß, ich hab' mich... sehr schlecht benommen!"
Alex Vater: "Ach, das ha'm wir doch gar nich' bemerkt, oder?"
Alex: (Sarkastisch) "Nee, nur wenn wir bei Bewußtsein war'n."
Alex Vater: (Ermahnend) "Alex."
Alex Mutter: "Sie hat doch Recht, Hendrik. Ich war doch gar nicht mehr ich selbst. Diese Stimmungsschwankung. Diese Unfähigkeit, mich zu entscheiden."
Basti: "Na ja, solange du aber immer zwei Eissorten kaufst, is' das okay."
Alex Vater: (Lacht)
Alex Mutter: "Von jetzt an wird alles anders. Ich weiß nämlich, warum ich so komisch war. Ich bin schwanger."
   
  Alex, Basti und Hendrik erstarren.
   
Alex Mutter: (Fröhlich) "Warum sagt denn keiner was?"
   
Alex (Tagebuch): (Versteinert)"ADHS". Ach du heilige Scheiße.
   

Ende

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