Mein Leben & Ich
"Alles wird anders (Teil 2)"
(Staffel 2 - Folge 2)
Die beteiligten Personen:
Alexandra - Alex - Degenhardt
Hendrik Degenhardt (Alex' Vater)
Anke Degenhardt (Alex' Mutter)
Sebastian - Basti - Degenhardt (Alex' kleiner Bruder)
Claudia Fischer (Alex "beste" Freundin)
Nikolas - Niko - Pütz (Nervensäge)
Frau Dr. Grass - Frauenärztin
Arzthelferin
Sabine - Schulschlampe
Einige Schulfreunde von Basti
| Ort: | Das Haus der Degenhardts |
| Alex sitzt in ihrem Zimmer am Schreibtisch und schreibt in ihr Tagebuch. | |
| Alex (Tagebuch): | Letzte Woche ist also meine ganze Welt mit einem Mal zusammengekracht. Und ich? Ich hab's nich' mal kommen sehn. |
| Alex sieht vor ihrem geistigen Auge die Szenen der vorangegangenen Woche: | |
| Die Familie sitzt zum Abendessen am Tisch. | |
| Alex' Mutter: | "Ich bin schwanger." |
| Alex, Basti und Hendrik sehen entsetzt auf. | |
| Alex' Vater: | "Kannst'e das nochmal wiederholen?" |
| Alex (Tagebuch): | (Tonlos und entsetzt) Einmal reicht. |
| Alex' Mutter: | (Begeistert) "Ich bin schwanger. Ist das nicht fantastisch? Warum sagt denn keiner was?" |
| Alex (Tagebuch): | Weil "Ach du Scheiße" irgendwie die Stimmung kaputt machen würde. |
| Alex macht mit dem Gesicht eine hektische Bewegung zu ihrem Vater, um eine Reaktion zu provozieren. | |
| Alex' Vater: | "Ja, ich sach nur nix, weil... weil ich so sprachlos bin, also vor Freude, meine ich." |
| Alex' Vater macht mit dem Gesicht eine hektische Bewegung zu Alex und Basti, um sie zu einer Reaktion zu bewegen. | |
| Basti: | (Hektisch) "Ja, und ich... ich überleg' noch." |
| Alex: | (Erregt) "Siehste, er ist ja nun nicht gerade 'n gutes Argument für noch 'n Kind." |
| Alex' Vater: | (Aufgebracht) "Ach Alex, wie kannste denn jetzt sowas sagen, wo Mutti schwanger is'?" |
| Alex: | (Sarkastisch lächelnd) "Und du so sprachlos vor Freude." |
| Alex' Vater: | "JAWOHL!" (Er wendet sich an Alex' Mutter) "Äh... was sagt denn die Ärztin? Wie weit bist du?" |
| Alex' Mutter: | "Ich hab' erst übermorgen 'n Termin, aber... müßten über sieben Wochen sein jetzt. Jedenfalls muß ich jetzt nicht mehr verhüten." |
| Sie greift nach dem Wasserglas, das vor ihr auf dem Tisch steht und trinkt. | |
| Alex' Vater: | "Du meinst, ich muß nicht mehr verhüten." |
| Alex (Tagebuch): | Wahnsinn. Die beiden konnten sogar 'nem geplatzten Kondom noch was Gutes abgewinnen. |
| Alex' Mutter greift zu einer Gewürzgurke. | |
| Alex' Vater: | "Also... is' das denn sicher, daß du schwanger bist? Also, ich hoff' natürlich, daß du's bist, ich frag' nur, damit ich mich nich' zu früh freu'." |
|
Alex' Mutter verschluckt sich an der Gurke. Plötzlich wird ihr übel, sie steht schnell auf und verläßt die Küche. Alex macht ein sehr mißmutiges Gesicht. |
|
| Alex (Tagebuch): | Es ist sicher. |
| (Vorspann) | |
| Ort: | Schule |
| Alex (Tagebuch): | Es gibt viele Gründe, sein Abi zu bestehen und schnell erwachsen zu werden. Mit der Schwangerschaft meiner Mutter war ein neuer dazu gekommen. |
| Alex betritt das Mädchenklo. Auf der Heizung sitzt Basti. | |
| Basti: | "Alex, 'n Baby. Ich mein', was machen wir denn jetzt?" |
| Alex: | (Schnippisch) "Am besten verschwindest du erstmal vom Mädchenklo." |
| Basti: | "Ich hab' aber kein Bock auf so'n nervendes schreiendes Monster, das in die Ecken pinkelt." |
| Alex: | "Ja, hatt' ich auch nicht. Du bist trotzdem geboren." |
| Basti: | "Willst du das denn alles nochma'?" |
| Alex: | "Na, auf keinen Fall, aber was kann ich denn dafür, daß das Baby unterwegs is'?" |
| Eine der Kabinen öffnet sich und Sabine tritt heraus. Sie hat die letzte Bemerkung von Alex mitbekommen. | |
| Sabine: | (Sprachlos) "Ach..." |
| Sie stürmt davon. | |
| Basti: | (Betrübt) "Also ist in neun Monaten alles im Arsch." |
| Sie setzt sich neben Basti auf die Heizung. | |
| Alex: | (Versöhnlich) "Na ja, so kann man das auch nich' sagen. Ich mein', erstmal schläft's ja bei denen im Zimmer, und dann... wenn's 'n Mädchen wird, kommt's zu mir, und wenn's 'n Junge wird, zu dir. Immerhin kann ich in zweieinhalb Jahren auszieh'n. Du hast das Monster die nächsten fünf Jahre am Hals." |
| Basti: | (Gefrustet) "So,ne Scheiße." |
| Alex: | "Kannst'e laut sagen." |
| Alex (Tagebuch): | Das war das erste Mal, daß mein Bruder und ich länger als 'ne Minute in einem Raum waren, ohne uns zu fetzen. Vielleicht änderte sich durch die Babygeschichte ja unsere ganze Bruder-Schwester-Beziehung. |
| Basti: | "Oh nein..." |
| Basti springt entsetzt auf. | |
| (Erregt) "Ich hab' dich früher als Baby genervt, und darüber bist du nie hinweggekommen. Das heißt ja theoretisch, daß ich genauso 'n arroganter, bescheuerter Zombie werde wie du!" | |
| Alex (Tagebuch): | Soviel zu unserer neuen Beziehung. |
| Ort: | Das Haus der Degenhardts |
| Alex kommt die Einfahrt herauf, streift sich den Rucksack von den Schultern und sieht ihre Eltern, die in der Garage werkeln. | |
| Alex' Mutter: | (Singt opernartig) "Juchu!" |
| Alex: | (Ihren Tonfall nachäffend): "Klasse!" |
| Alex: | |
| Ihr Tonfall normalisiert sich wieder. | |
| (Trocken) "Ihr habt ja 'n neues Kinderzimmer gefunden." | |
| Alex' Vater: | "So ähnlich." |
| Alex' Mutter: | "Bastis alte Wiege." |
| Alex' Vater: | "Na ja, und die von Alex." |
| Alex: | "Sag ma', findet ihr das nich' 'n bischen zu früh? Ich mein, wir sind gerade erst dabei, diesen Schock zu verarbeiten." |
| Alex' Vater: | "Na klar, is' immer 'n Schock, wenn' Baby kommt. Öh, für die Geschwister, mein ich." |
| Alex' Mutter: | "Aber wenn's dann da is', wird's die ganz große Liebe." |
| Alex (Tagebuch): | Mit anderen Worten, sie waren seit dreizehn Jahren blind und taub. |
| Basti kommt gutgelaunt in die Garage. | |
| Basti: | "Also ich... ich freu' mich auf's Baby. Gut, ich bin dann natürlich dann nich' mehr der Jüngste und ähm... mehr so was wie 'n... lebendes Sandwich, aber..." |
| Alex verzieht das Gesicht. | |
| Alex' Mutter: | "Och je. Stimmt, du Ärmster..." |
| Alex' Mutter nimmt ihren Sohn in den Arm und küsst ihn. Basti sieht Alex triumphierend an. | |
| "Sag mal, was können wir denn für unser 'Noch-Nesthäkchen' tun?" | |
| Alex verzieht angewidert das Gesicht. | |
| Basti: | "Ach, 'n neuer Computer wär' ganz geil und neue Rollen fürs Skateboard und 'ne Geburtstagsparty." |
| Alex' Mutter dreht sich zu ihrem Mann um und sieht ihn eindringlich an. | |
| Alex' Vater: | "Party is' genehmigt." |
| Alex: | (Entsetzt) "Aber er hat gar kein Geburtstag." |
| Basti: | "Party is' genehmigt. Mit allen Jungs, und: ich will das Baumhaus!" |
| Alex: | "Aber das is' mein Baumhaus." |
| Basti: | "Was willst du denn damit. Du bis'n Mädchen." |
| Alex: | "Ja eben! Irgendwo muß ich mich ja vor Idioten wir dir verstecken können." |
| Alex' Vater: | "Aber du warst da seit mindestens drei Jahren nich' mehr oben." |
| Alex: | "Ja, weil's morsch is'." |
| Basti: | "Ja, und ich hab' Bretter zum Flicken besorgt." |
| Alex' Mutter: | "So. Ich koch' uns jetzt erstmal 'n Tee." |
| Alex' Mutter verläßt die Garage. | |
| Basti: | "Warte, Mutti. Ich helf' dir." (Zu Alex) "Rate mal, wer nich' auf die Party eingeladen is'." |
| Alex: | (Zischend)"Genieß' sie. Is' deine letzte." |
| Basti verläßt fröhlich die Garage. Alex und ihr Vater bleiben alleine zurück. | |
| Alex' Vater: | "Zieh' nich' so'n Gesicht, Alex..." |
| Er setzt sich neben sie. | |
| Alex' Vater: | "Nachher freust'e dich nämlich doch!" |
| Alex sieht ihn zweifelnd an. | |
| Alex' Vater: | "Wenn's Baby erstma' da is', dann... |
| Er spielt mit zwei kleinen Kinderschuhen. Plötzlich bricht es aus ihm heraus. | |
| Alex' Vater: | (Laut)"Ja, ich weiß, ich hatte mir unser Leben auch anders vorgestellt! Ich mein', jetzt, wo ihr beide groß seid, da hätten wir endlich mal mehr Zeit für uns gehabt... schöne Reisen machen... 'n Atelier einrichten... mal wieder ungestört Luftgitarre spielen..." |
| Alex betrachtet ihn nachdenklich. | |
| Alex' Vater: | (Hält einen der Babyschuhe hoch) "War'n das mal deine?" |
| Alex: | (Leise und verunsichert) "Mh..." |
| Alex' Vater: | "Naja..." |
| Er legt seinen Arm auf Alex Knie und spricht ihr Mut zu. | |
| Alex' Vater: | "Jetzt wird unser Leben halt auf andere Art und Weise aufregend, hm?" |
| Er tätschelt Alex mit dem Schuh die Wange. Sie verzieht das Gesicht und dreht ihren Kopf weg. Dabei sieht sie Claudia, die die Auffahrt herauf gestürmt kommt. | |
| Alex (Tagebuch): | Mich regt's schon genug auf! |
| Claudia: | "Mensch Alex, wie geht es dir?" |
| Sie breitet die Arme aus, um Alex zu umarmen. | |
| Alex: | "Äh..." |
| Claudia umarmt Alex, die sich versteift, fest. | |
| Alex: | "Wie soll's mir geh'n?" |
| Claudia zeigt mit dem Finger auf Alex Bauch und drückt ein bißchen. | |
| Claudia: | "Na, du bist doch schwanger?" |
| Alex' Vater, der immer noch in der Garage sitzt und mit den Babyschuhen spielt, richtet sich entsetzt auf. | |
| Alex: | (Sauer) "Nich' ich!" |
| Claudia: | "Hat Sabine erzählt." |
| Alex: | (Genervt)"Meine Mutter!" |
| Alex' Mutter erscheint in der Haustür. Sie trocknet sich mit einem Handtuch die Haare ab. | |
| Alex' Mutter: | "Hallo Claudia!" |
| Claudia sieht sie begeistert und öffnet wieder die Arme. | |
| Claudia: | (Strahlend) "Frau Degenhardt! Wie geht es ihnen?" |
| Claudia stürmt ins Haus. Alex sieht ihr entgeistert hinterher und folgt ihr dann. | |
| Claudia: | "Wow - sie seh'n aber toll aus! Durch die Schwangerschaft... glänzen die Haare ja total!" |
| Alex' Mutter: | (Geschmeichelt) "Ja?" |
| Claudia: | "Und... spannen die Brüste auch schon 'n bißchen?" |
| Alex, die in der Haustür steht und sich die Szene ansieht, wird es langsam zu viel. | |
| Alex: | "Claudia, was willst du eigentlich hier, außer Sachen fragen, die dich nichts angeh'n?" |
| Alex' Mutter sieht ihre Tochter an und nickt ganz leicht zur Bestätigung. | |
| Claudia: | (Empört) "Deine Mutter braucht doch jetzt Unterstützung!" |
| Sie ergreift Alex' Mutter an den Schultern, die hilfesuchend zu Alex sieht. | |
| Alex' Mutter: | "Das is'... lieb von dir, Claudia..." |
| Alex: | (Resolut) "Viel Spaß! Ohne mich!" |
| Claudia: | "Und ich mach' uns jetzt erstmal was zu Trinken!" |
| Sie nimmt Alex' Mutter bei der Hand und zieht sie in die Küche. Alex' Mutter wirft Alex das Handtuch entgegen. Alex folgt den beiden genervt. | |
| Claudia: | "Kräutertee natürlich, weil wir woll'n ja nich', daß das Kleine koffeinabhängig wird!" |
| Alex' Mutter: | "Ich hab' ja eben schon selber aufgesetzt..." |
| Claudia: | "Ach... dann können wir jetzt Tapeten für's Kinderzimmer gucken!" |
| Alex: | "Bleibt ihr länger weg?" |
| Claudia zieht einen Katalog aus ihrer Tasche. | |
| Claudia: | "Nee, gar nich' wir gucken ja im Katalog." (Vorwurfsvoll zu Alex) "Alex kümmert sich ja nich' so gerne..." |
| Alex' Mutter: | "Muß sie ja auch nich'..." |
| Alex: | "Will sie ja auch nich'!" |
| Alex dreht sich um und verläßt die Küche. | |
| Claudia: | (Schwärmt) "Ach, das wird wunderbar, die nächsten neun Monate!" |
| Alex bleibt ruckartig stehen und schluckt trocken. Ihre Mutter sieht zu ihr herüber. Alex dreht sich entschlossen wieder um und kommt zurück in die Küche. | |
| Alex: | "Sie will doch!" |
| Ort: | Praxis einer Frauenärztin - Vorzimmer |
| Alex (Tagebuch): | Bevor sich Claudia neun Monate bei uns einnistete, hielt ich lieber einen Nachmittag Händchen bei der Frauenärztin. |
| Alex und ihre Mutter betreten das Vorzimmer. Die Sprechstundenhilfe telefoniert. | |
| Sprechstundenhilfe: | "...gut, bis dann! Tschüß!" |
| Alex' Mutter: | "Tag! Mein Name is' Degenhardt, ich hab' ein Termin bei Frau Dr. Grass!" |
| Sprechstundenhilfe: | "Okay. Degenhardt?" |
| Alex' Mutter: | "Mit dt." |
| Sprechstundenhilfe: | "Gut... ja. Dann bräucht' ich jetzt ein..." |
| Sie reicht Alex' Mutter einen Becher. | |
| Alex' Mutter: | "Eine Urinprobe!" |
| Sprechstundenhilfe: | "Mhm... und anschließend bitte ein..." |
| Alex' Mutter: | "Impfpaß abgeben, die Temperaturkurve vorlegen und die Blutgruppe: Null positiv." |
| Sie reicht der Sprechstundenhilfe ihre Unterlagen. | |
| Alex' Mutter: | "Ich hab' alles dabei! Is' ja schon meine dritte Schwangerschaft!" |
| Alex: | "Und? Läßt'e die Ärztin später ausreden? Oder weißt'e die Ergebnisse auch schon?" |
| Alex' Mutter sieht ihre Tochter leicht amüsiert an und geht dann um sie herum. | |
| Alex' Mutter: | "Tschuldigung, ich bin einfach total aufgeregt! |
| Das Telefon klingelt und die Sprechstundenhilfe nimmt das Gespräch entgegen, während Alex' Mutter zur Toilette eilt. | |
| Sprechstundenhilfe: | "Praxis Dr...." |
| Ort: | Praxis einer Frauenärztin - Behandlungszimmer |
| Alex und ihre Mutter sitzen gemeinsam vor dem Schreibtisch der Frauenärztin. Alex mustert ihre Mutter skeptisch, der die Vorfreude und Aufregung am Gesicht abzulesen ist. Alex schüttelt ungläubig den Kopf. | |
| Alex (Tagebuch): | So aufgeregt, daß sie die Hälfte der Urinprobe verschüttet hatte... Aber selbst das machte sie immer noch glücklich. So sehr, daß sie ihr Glück jede Sekunde mit mir teilen wollte. |
| Alex' Mutter: | "Ich find' das so lieb von dir, daß du mit mir kommst!" |
| Alex lächelt gequält. | |
| Alex: | "Klar! ...ich muß aber nich' bei der Geburt dabei sein, oder?" |
| Alex' Mutter: | (Amüsiert) "Nö... da würd' sogar ich gern wegbleiben..." |
| Alex grinst. | |
| Alex (Tagebuch): | Ihr erster halbwegs vernünftiger Gedanke seit zwei Tagen! |
| In der Zwischenzeit hat sich die Ärztin mit den Befunden von Alex' Mutter beschäftigt. Alex' Mutter wechselt aufgeregt und voller Erwartung einen kurzen Blick mit Alex. Dann schaut sie die Ärztin ungeduldig an. | |
| Alex' Mutter: | "Und?" |
| Frauenärztin: | (Unsicher) "Ja... Frau Degenhardt..." |
| Sie nimmt ihre Brille ab. | |
| Frauenärztin: | "Wie fühl'n sie sich denn?" |
| Alex' Mutter: | "Ach naja, die üblichen Symptome... ich bin müde, ich hab' Blähungen... Gottseidank keine Morgenübelkeit, bis auf... äh... einmal abends, neulich..." |
| Alex ist die Sache sichtlich peinlich und verlegen lächelt sie die Ärztin an. | |
| Alex (Tagebuch): | Das freut uns alle... |
| Frauenärztin: | "Das ist schön, aber..." |
| Alex' Mutter unterbricht sie. | |
| Alex' Mutter: | (Eifrig) "Sie ham' ja keine Ahnung, wie aufgeregt ich bin, ich kann an gar nichts anderes mehr denken!" |
| Alex: | (Zur Ärztin) "Die Hormone, stimmts?" |
| Frauenärztin: | (Sachlich) "Die Hormone haben in der Tat auch schuld - ja." |
| Alex: | "Das entschuldigt einiges." |
| Frauenärztin: | "Frau Degenhardt, ich weiß gar nicht recht, wie ich's ihnen richtig sagen soll... ich mach's mal kurz: Sie sind nicht schwanger!" |
| Alex' Mutter schaut die Ärztin ungläubig an. | |
| Alex' Mutter: | "Natürlich bin ich schwanger!" |
| Alex schaut zu ihrer Mutter, dann wieder zur Ärztin. | |
| Alex' Mutter: | "...ich hab seit zwei Monaten keine Periode mehr, ich hab' drei Kilo zugenommen und alle leiden unter meinem Launen, stimmt's Alex?" |
| Alex blickt die Ärztin verzweifelt an. | |
| Alex: | "Ja, stimmt! Eigentlich bräuchten wir ärztliche Hilfe!" |
| Alex' Mutter: | (Lächelnd) "Was soll'n des sonst sein?" |
| Die Ärztin schaut Alex' Mutter etwas mitleidig an. | |
| Frauenärztin: | "Das Klimakterium." |
| Alex' Mutter gefriert das Lächeln im Gesicht. | |
| Alex' Mutter: | "Hm..." |
| Frauenärztin: | "Na, sie sind in den Wechseljahren." |
| Alex' Mutter: | (Empört) "Ach! Das ist doch unmöglich! Ich fühl' doch, daß ich schwanger bin!" |
| Alex mustert ihre Mutter unsicher. | |
| Alex' Mutter: | "Ich hab' neulich sogar... die letzten Zigaretten zu Hause weggeworfen ob...wohl ich ja sowieso ge... kaum mehr geraucht hab'." |
| Frauenärztin: | "Hm... ich weiß, sie sind ein bißchen zu jung, aber die Testergebnisse, die sind eindeutig..." |
| Alex betrachtet wieder ihre Mutter, die die Ärztin unsicher, fast verzweifelt anschaut. | |
| Alex' Mutter: | "Kein Baby?" |
| Die Ärztin schüttelt den Kopf. | |
| Alex' Mutter: | (Zu sich selbst) "Ich bin in den Wechseljahren..." |
| Frauenärztin: | "Mhm." |
| Alex' Mutter hat einen entsetzten Gesichtsausdruck. Die Ärztin mustert sie besorgt. | |
| Frauenärztin: | "Frau Degenhardt?" |
| Alex versucht die Situation zu entschärfen. | |
| Alex: | (Ironisch)"Ach... sie überlegt nur, wo sie die Zigaretten hingeworfen hat." (Zu ihrer Mutter) "Hm?" |
| Ort: | Das Haus der Degenhardts |
| Alex und ihre Mutter kommen mit dem Wagen die Auffahrt hochgefahren. In der Garage arbeiten Basti und Alex' Vater, der eine Säge in der Hand hält. | |
| Alex (Tagebuch): |
Die Nachricht hatte meine Mutter ziemlich umgehauen. Sie hatte seit der Praxis kein Wort mehr gesagt. Ich auch nich'... Aber das lag an den drei roten Ampeln, die sie überfahren hatte. |
| Der Wagen kommt vor der Garage zum Stillstand. Alex blickt ihre Mutter an. | |
| Alex: | "Wir sind da." |
| Der Blick von Alex' Mutter schweift in die Ferne. Alex zuckt mit den Schultern und schnallt sich ab. | |
| Alex: | "Okay!" |
| Sie steigt aus dem Wagen und geht zur Garage. | |
| Alex' Vater: | "Hier, guck mal!" |
| Er kniet neben einer Wiege, in der ein großer Teddybär sitzt, schaukelt die Wiege hin und her und lacht dabei fröhlich. Dann beginnt er, die Wiege von innen mit einem Lappen sauberzureiben. Alex geht nachdenklich an ihm vorbei. | |
| Alex' Vater: | "Na, wie war's?" |
| Alex bleibt stehen und dreht sich gedankenverloren zu ihrem Vater um. | |
| Alex: | (Nachdenklich)"Tja... wie war's... also..." |
| Alex' Vater: | "Claudia hat schon dreimal angerufen, die will natürlich wissen, ob's Mädchen oder Junge wird..." |
| Alex: | "Hm... das würd' ich Mutti jetzt nicht fragen..." |
| Alex' Vater putzt immer noch die Wiege. | |
| Alex' Vater: | "Wieso, stimmt was nicht?" |
| Alex zuckt ratlos mit den Schultern. | |
| Alex (Tagebuch): | Deine Frau will den Rest ihres Lebens im Auto verbringen. |
| Alex: | "Also... nö... d... das kann man so nich' sagen..." |
| Alex' Vater stutzt und erhebt sich. | |
| Alex' Vater: | (Besorgt)"Was is' denn los? Is' was nich' in Ordnung?" |
| Alex' Mutter kommt in die Garage. Sie wirkt locker und entspannt. | |
| Alex' Mutter: | "Nö, alles in Ordnung!" (Belustigt) "Ich bin gar nich' schwanger!" |
| Sie lehnt sich lässig an die Werkbank. Alex und ihr Vater sehen sie ungläubig an. | |
| Alex' Vater: | "Nich'?" |
| Alex' Mutter: | "Nee, sind nur die Wechseljahre." |
| Alex' Vater wirkt erleichtert. | |
| Alex' Vater: | "Also... also is' alles okay?" |
| Alex' Mutter: | "Pfft... alles locker!" |
| Alex' Vater lacht erleichter auf, läßt den Lappen fallen und klopft seine Hände aus. Während Alex ihre Mutter skeptisch mustert, klingelt das drahtlose Telefon, was neben Alex' Mutter auf der Werkbank liegt. Sie greift nach dem Hörer und nimmt das Gespräch an. | |
| Alex' Mutter: | "Degenhardt? ...Claudia! Du... war falscher Alarm...! Genau... ach... das Geld für den Wickelkurs kriegst'e bestimmt zurück..." |
| Alex' Mutter wandert mit dem Hörer in Richtung Haus. Alex folgt ihr. | |
| Alex (Tagebuch): | Meine Mutter hatte mich nach der ganzen Schwangerschaftsgeschichte tatsächlich nochmal überrascht. |
| In einer Ecke zwischen Haustür und Garage steht Basti. | |
| Basti: | "Aber ich mach' meine Party trotzdem!" |
| Er lächelt Alex an, die trocken zurücklächelt. | |
| Alex (Tagebuch): | Mein Bruder nich'... |
| Alex geht ins Haus. | |
| Ort: | Das Haus der Degenhardts |
| Es ist Abend geworden. Alex liegt im Wohnzimmer auf der Couch und schmökert in einem Buch. Auf der anderen Couch sitzen Alex Eltern. Ihr Vater liest Zeitung und ihre Mutter macht sich Notizen für die Party, die ihr Basti diktiert, der im Hintergrund überlegend auf und ab geht. | |
| Alex (Tagebuch): | Auch der Rest vom Tag verlief völlig normal. Das absurde war allerdings, daß mir diese Normalität plötzlich unnormal erschien. |
| Alex' Mutter: | (Vorlesend)"Fünf Tüten Chips... Luftschlangen ham' wir noch, oder?" |
| Alex' Vater: | "Mhm..." |
| Basti: | "Okay, ähm... dann brauch' ich noch ein Kasten, halb Cola, halb Limo... und äh... Grillzeug!" |
| Alex betrachtet ihre Mutter, die sich offensichtlich hochkonzentriert Notizen macht. Alex' Vater legt die Zeitung weg. | |
| Alex' Vater: | "GRILLEN?" |
| Er dreht sich hektisch zu Basti um. | |
| Alex' Vater: | "Also das übernimmt natürlich der Meister der Würstchen!" |
| Er grinst, während Alex das Gesicht verzieht. | |
| Alex' Vater: | "Wer kommt'n alles?" |
| Basti: | "Ach, die Jungs... Klausi, Dennis, Ollie..." |
| Alex' Mutter: | (Erstaunt)"Und Mädchen? Ihr habt doch so nette Mädchen in der Klasse!" |
| Basti beugt sich zwischen seine Eltern zur Couch herunter. | |
| Basti: | (Entrüstet)"Nett? DIE ZICKEN, DIE NERVEN TOTAL!" |
| Alex' Vater fängt zu lachen an. | |
| Alex' Vater: | "Das gibt sich!" |
| Er beugt sich zu seiner Frau herüber und gibt ihr lautstark einen Schmatzer auf den Mund. Alex betrachtet die Szene nachdenklich. | |
| Alex (Tagebuch): | Hm... vielleicht war's doch nur'n kurzer Schock gewesen und sie hatte alles überwunden... |
| Alex' Mutter steht ruckartig auf und rennt in die Küche. Alex richtet sich auf der Couch auf und blickt ihrer Mutter hinterher. | |
| Alex (Tagebuch): | ...oder es war alles nur Fassade und sie war 'ne super Schauspielerin. |
| Alex steht auf und geht zu ihrer Mutter in die Küche, die ihr den Rücken zuwendet. | |
| Alex (Tagebuch): | ...dann stand sie jetzt alleine in der Küche und würde sich die Augen ausheulen! |
| Alex' Mutter dreht sich ruckartig zu Alex um. In der Hand hält sie eine Faschingströte, in die sie kräftig hineinbläst. Ein lautes Tröten erklingt. Begeistert rennt sie an Alex vorbei ins Wohnzimmer. | |
| Alex' Mutter: | "Hör' mal Basti, ich hab' von denen noch gefunden! Klasse, oder?" |
| Alex (Tagebuch): | ...oder auch nich'. Ich wurde einfach nich' mehr schlau aus meiner Mutter. |
| Ort: | Das Haus der Degenhardts |
| Ein neuer Tag. Alex sitzt in ihrem Zimmer am Schreibtisch, als es an der Tür klopft. Alex verdreht die Augen. | |
| Alex: | (Genervt) "Jaaah!" |
| Alex' Vater und Basti kommen herein. | |
| Alex' Vater: | "Alex? Wir sind fast fertig mit'm Baumhaus. Fehlt nur noch 'ne Lampe." |
| Basti: | "Ja. So wie die hier!" |
| Zielstrebig greift er neben Alex' Schreibtisch zur Fensterbank, schnappt sich eine gasbetriebene Laterne und hält sie Alex vor die Nase. | |
| Alex: | "Ja, nehmt sie... wahrscheinlich kann ich froh sein, daß es doch kein Kind gibt... SONST HÄTTEN SIE DIR WAHRSCHEINLICH AUCH NOCH MEIN ZIMMER GEGEBEN!" |
| Basti: | (Gutgelaunt) "Hatt' ich überlegt... wollt' ich dann aber doch nicht." |
| Er beugt sich zu Alex herunter. | |
| Basti: | "Zu düster!" |
| Alex: | "Wieso? Passt doch!" |
| Sie dreht sich zu Basti um. | |
| Alex: | "Du bis' ja auch nich' grad' der Hellste! (Lächelt) "Hm..." |
| Basti verläßt das Zimmer. Alex' Vater muß über den Witz von Alex lachen. | |
| Alex' Vater: | "Jedenfalls vielen Dank, Alex. Oder bist du noch sauer wegen dem Baumhaus?" |
| Alex: | "Nee." |
| Alex' Vater: | "Na, da is' ja alles in Ordnung." |
| Er wendet sich ab und will Alex' Zimmer verlassen. Alex ruft ihm hinterher. | |
| Alex: | "Sicher, daß alles in Ordnung is'?" |
| Alex' Vater, der die Zimmertür gerade von außen schließen wollte, kommt zurück in ihr Zimmer. | |
| Alex' Vater: | "Wieso, is' was nich' in Ordnung?" |
| Alex: | "Na, ich mein' nur. Wegen Mutti. Aber ihr redet ja bestimmt drüber." |
| Alex' Vater: | (Unsicher) "Worüber?" |
| Alex dreht sich wütend zu ihrem Vater um. | |
| Alex: | "Wie's is', wenn man seine Tage hat und sie dann auf einmal nich' mehr hat." |
| Er dreht sich um, als wolle er schauen, ob Alex jemanden anspricht, der hinter ihm steht und ist sehr verunsichert. | |
| Alex' Vater: | "Was jetzt? Wenn man sie hat, oder ...wenn man sie nich' mehr hat?" |
| Alex: | (Vorwurfsvoll) "Ich mein' die Wechseljahre!" |
| Alex' Vater: | "Ach so... ja... muß man darüber reden?" |
| Alex: | (Wütend) "JA, IHR KÖNNTET!" |
| Alex' Vater: | "Ja, aber sollten wir? Ich mein'... wir ham nicht darüber geredet, als sie ihre Tage hatte, wieso sollten wir jetzt darüber reden... wenn sie sie nich' mehr hat?" |
| Alex: | (Resignierend) "Vielleicht is'n Mann auch einfach nich' der richtige Gesprächspartner." |
| Sie dreht sich wieder um zu ihrem Schreibtisch. | |
| Alex' Vater: | "Ja, oder es gibt gar keine Problem, über das man reden müßte." |
| Alex: | (Tonlos) "Oder so." |
| Alex' Vater: | "Genau!" |
| Er verläßt Alex Zimmer. | |
| Alex' Vater: | "Äh, Basti, wie mach'n wir denn..." |
| Alex sitzt nachdenklich vor ihrem Schreibtisch und schüttelt den Kopf. | |
| Alex (Tagebuch): | Die Tage vergingen, alles blieb normal. |
| Ort: | Schülerkneipe "anyway" |
| Alex (Tagebuch): | Normal wahnsinnig. |
| Alex und Claudia sitzen am Tresen. Alex beschäftigt sich mit ihrem Tee, während Claudia auf sie einredet. | |
| Claudia: | "Du hast bestimmt verpaßt, was heute während der Klausur passiert is'. Ich hab' nämlich Carola abschreiben lassen und plötzlich kam die Schnaase, hat unsere Hefte eingesammelt und alles verglichen. Und dann hat sich..." |
| Niko betritt das anyway und steuert zielstrebig auf Alex zu. | |
| Niko: | "Alex?" |
| Claudia: | (Resolut) "Moment!" |
| Niko: | "Willst du mich heiraten?" |
| Alex dreht sich entgeistert zu Niko um. | |
| Alex: | "Bitte?" |
| Niko sinkt vor Alex auf die Knie. | |
| Niko: | "Ich will, daß das Kind einen Namen hat. Es is' mir egal, wer der Vater is'. Ich... werd' für das Kind sorgen, als wär's mein eigenes. Ich weiß, ich bin nich' so dein Traumtyp, aber..." |
| Alex schüttelt fassungslos den Kopf. | |
| Niko: | "...ich bin sicher, mit der Zeit wirst du mich lieben!" |
| Alex: | "Sach mal, hast du Kreide geraucht? Ich bin nich' schwanger." |
| Niko: | "Äh... Aber... aber... Sabine hat dich doch mit Basti über das Kind reden hör'n. Und... äh, Carola hat dich beim Frauenarzt reingeh'n seh'n." |
| Claudia: | (Genervt) "Mensch, Niko. Alex' Mutter war schwanger... dachte sie jedenfalls." |
| Niko: | "Oh... äh, oh!" (Er räuspert sich) "Könnten wir das dann... vergessen, was gerad' passiert is'?" |
| Alex: | "Nichts lieber als das!" |
| Niko: | "Ich geh' das Streichquartett und die Rosen abbestellen." |
| Er verläßt die beiden Richtung Ausgang. | |
| Claudia: | "Idiot... na, jedenfalls wollte die Schnaase mich dazu zwingen zu sagen, wer von wem abgeschrieben hat. Hab' ich natürlich nich'!" |
| Sie unterbricht ihren Redefluß plötzlich, als sie merkt, daß Alex gedankenversunken neben ihr sitzt und ihr scheinbar gar nicht zuhört. | |
| Claudia: | "Irgendwas is'..." |
| Alex: | "Deine Geschichten werden immer langweiliger." |
| Claudia: | (Besorgt und skeptisch) "Nee, mit dir. Du stehst irgendwie unter Druck." |
| Alex: | "Ich muß auf' Klo." |
| Claudia: | "Machen deine Eltern Ärger?" |
| Alex: | (Traurig) "Nein." |
| Claudia: | "Also deine Mutter." |
| Alex: | (Genervt) "Ich hab' doch gerade nein gesagt." |
| Claudia: | "Aber du hast an deine Mutter gedacht. Hat sie Ärger im Job, oder mit deinem Vater?" (Erschrocken) "Will sie sich scheiden lassen?" |
| Alex: | (Zögerlich) "Glaub', meine Mutter hat 'n tierisches Problem mit den Wechseljahren." |
| Claudia: | "Verstehe." |
| Alex: | (Verblüfft) "Du verstehst, was mit ihr los is'?" |
| Claudia: | "Nein, was mit dir los is'. Alex, du machst dir Sorgen um deine Mutter! Du weißt, was gerade passiert?" |
| Alex: | "Ich hab' 'n Fehler gemacht." |
| Claudia: | "Nein. Du stellst gerade eine ganz besondere Bindung zu deiner Mutter her. Und du hast jetzt bestimmt 'ne Menge Fragen." |
| Im Hintergrund nähert sich Sabine und belauscht die beiden. | |
| Alex: | "Ja, da hast du ausnahmsweise mal Recht." |
| Claudia: | "Und ich werd' dir helfen, hier drin die Antworten zu finden." |
| Sie greift in ihren Rucksack und holt ein Buch mit dem Titel "Mysterium Frau" hervor. Sabine bekommt große Augen. | |
| Alex: | (Liest) "Mysterium Frau, Schwangerschaft und Hormone" |
| Claudia: | "Bestseller!" |
| Sabine kommt von hinten direkt an den Tresen, stützt sich mit einem Arm darauf ab und lächelt triumphierend. | |
| Sabine: | "Ich wußte es!" |
| Ort: | Das Haus der Degenhardts |
| Alex und Claudia liegen auf Alex' Bett. Claudia hat Alex aus dem Buch vorgelesen. | |
| Claudia: | "Das war alles zum Thema Hitzewallungen." |
| Alex: | (Genervt) "Noch 'ne Seite mehr, und ich hätt' selber welche gekriegt." |
| Claudia: | "Mann, ich hab' das ganze Thema total unterschätzt. Was da alles im Körper passiert. Die Gelenke verschleißen, die Knochen entkalken, das Gewebe schrumpft... erst die psychischen Veränderungen. Schlaflosigkeit, Depressionen, Selbstmordgedanken... sag mal, riecht's hier nach Würstchen?" |
| Alex: | (Noch genervter) "Ach nee, jetzt fangen die Typen auch noch an zu grillen..." |
| Claudia: | "Bastis Party?" |
| Alex: | "Mm." |
| Es klopft an der Tür und Alex' Vater kommt gutgelaunt mit Schürze und Grillbesteck ins Zimmer. Seine Nase ist voll Ruß. | |
| Alex' Vater: | "Alex? Hast du mal 'n Fön? Die Grillkohle geht dauern aus." |
| Alex: | (Verdreht die Augen) "Im Bad, im Schrank, unten rechts hinten." |
| Alex' Vater murmelt die Beschreibung leise vor sich hin. Er will sich gerade abwenden, hält jedoch inne. | |
| Alex' Vater: | "Gibt's 'n Problem?" |
| Claudia: | "'N ziemlich großes sogar. Es geht um die Wechseljahre bei ihrer Frau. Sie steckt offensichtlich in einer Krise und versucht, alleine damit klarzukommen. Dabei macht sie gerade eine der dramatischsten Erfahrungen im Leben einer Frau durch." |
| Alex' Vater verdreht die Augen. | |
| Alex' Vater: | "Ja, ich weiß. Äh, ich wollt' sowieso mal mit ihr reden." |
| Claudia: | "N... nee, Herr Degenhardt. Das is' 'ne reine Frauensache." |
| Alex' Vater: | "Nja, is' auch wieder wahr." (Zu sich selbst beim Rausgehen) "Im Bad, im Schrank..." |
| Er verläßt das Zimmer. | |
| Claudia: | "Das Thema muß man nämlich sanft und behutsam angeh'n." |
| Alex schließt die Augen und legt Claudia die Hand auf den Oberschenkel. | |
| Alex: | "OK, ich mach's. Ich red' mit ihr." |
| Claudia: | "Ich sagte... sanft und behutsam... das mach' lieber ich." |
| Ort: | Das Haus der Degenhardts |
|
Alex' Mutter steht mit einigen von Bastis Freunden in der Küche und reicht ihnen verschiedenes Grillzubehör an. |
|
| Alex' Mutter: | "OK, das noch." |
| Claudia: | "Frau Degenhardt!" |
| Claudia kommt in die Küche gestürmt, Alex folgt ihr. | |
| Claudia: | "Frau Degenhardt. Wir müssen reden. Es geht um ihre Schwangerschaft. Nein, um ihr neues Leben als Frau." |
| Alex' Mutter ignoriert sie und wendet sich an die anderen Kinder. | |
| Alex' Mutter: | "So, ihr nehmt euch jetzt mal 'n Teller, draußen gibt's Würstchen." |
| Alex: | (Gespielt motivierend) "Äh... Claudia, draußen gibt's Würstchen." |
| Claudia: | "Ich weiß genau, wie sie sich fühlen. Und warum es ihnen so schwer fällt, alles... raus zu lassen." |
| Alex' Mutter: | (Laut zu den Kindern, die dem Dialog interessiert folgen) "Draußen gibt's Würstchen!" |
| Claudia: | "Ich erinnere mich noch genau daran, als bei mir damals die Brüste angefangen haben zu wachsen." |
| Alex: | "Schönes Schlußwort, Claudia." |
| Entsetzt zieht Alex sie von den anderen Kindern weg. Claudia plappert dennoch weiter. | |
| Claudia: | "Ich hab' doch gerade erst angefangen. Also damals sind die Hormone in mir Achterbahn gefahren, und plötzlich wußte ich... jetzt kann ich Milch geben... und Kinder kriegen!" |
| Die Kinder hören weiter aufmerksam zu. | |
| Alex' Mutter: | "Claudia, ich weiß genau, was du meinst, aber ich hab' überhaupt keine Zeit. Draußen gibt's nämlich Würstchen." |
| Alex' Mutter schnappt sich einen Stapel Teller und rennt aus der Küche. | |
| Claudia: | "Du merkst, was hier passiert." |
| Alex steht mit verschränkten Armen am Küchenschrank. | |
| Alex: | (Trocken) "Ja, du hast Scheiße gebaut. Falsche Zeit, falscher Ort, falsches Thema." |
| Claudia: | "Nee, deine Mutter verdrängt so tief... das ist echt schlimmer, als ich dachte." |
| Claudia stürmt aus der Küche. Alex rennt ihr hinterher. | |
| Ort: | Der Garten der Degenhardts |
| Alex Vater steht am Grill und versucht ihn, in Gang zu bekommen. Alex Mutter steht an einem gedeckten Tisch kümmert sich um Salate, Saucen und Geschirr. Im Hintergrund steht Basti mit seinen Freunden. Claudia und Alex kommen hinzu. | |
| Claudia: | "Frau Degenhardt." |
| Basti: | (Sauer) "Hey, ihr habt Gartenverbot." |
| Junge: | "Hey, laß mal, die eine is' ja ganz lustig." |
| Alex' Mutter: | (Leicht genervt) "Würstchen sind gleich fertig." |
| Claudia: | "Die Zeit ist gekommen, wo sie ihre Gefühle rauslassen müssen." |
| Alex' Mutter: | "Ich glaube nicht, daß das jetzt hierher gehört, Claudia." |
| Alex: | "Genau. Wir geh'n am besten wieder rein." |
| Während Claudia weiter auf Alex' Mutter einspricht, wird diese zunehmend hektischer in ihrem Bemühen, die Saucen zu verfeinern. | |
| Claudia: | "Und deine Mutter einfach so im Stich lassen? Gut, wir beide wissen, daß sie noch nich' so alt is', aber die Natur sieht's anders. Eben noch gebärfähig, und zack, vergiß die Eierstöcke. |
| Alex: | "PST!" |
| Claudia: | "Alex, wir ha'm doch gelesen, was passiert. Die Knochen entkalken, das Gewebe schrumpft. Kein Wunder, daß man am Ende nur noch zwei hängende Schläuche hat und sich im Winter direkt das Genick bricht. Du denkst an nichts Böses, und paff... das Licht is' aus! DAS MUSS FÜR DEINE MUTTER DOCH 'N ZIEMLICH GROSSES PROBLEM SEIN!" |
| Alex Mutter greift nach zwei Tellern und hält plötzlich inne. | |
| Alex' Mutter: | (Verzweifelt) "Problem? Nur 'n Problem?" |
| Mit voller Wucht schmeißt sie die beiden Teller auf den Boden. Sie greift nach weiteren Tellern, die neben ihr auf dem Tisch stehen. | |
| Alex' Mutter: | (Schreit) "Es ist das Gemeinste, Brutalste und Beschissenste, was einem im ganzen Leben passieren kann." |
| Völlig verunsichert nähert sich Alex' Vater von hinten der Szene. | |
| Alex' Vater: | (Tröstend) "Anke, was is' denn?" |
| Alex' Vater zuckt zusammen, als sie erneut einen Stapel Teller zu Boden wirft. | |
| Alex' Mutter: | (Schreit)"Ahhhhh. Laß mich in Ruhe!" |
| Alex' Mutter bricht in Tränen aus, geht zum Baumhaus und steigt die Leiter hinauf. | |
| Alex' Vater: | (Zu Alex und Claudia) "Ihr habt mit ihr geredet, stimmts?" |
| Claudia: | (Schuldbewußt) "Ja, aber wir ha'm 'n großen Schritt nach vorne gemacht, glaube ich." |
| Alex atmet tief durch, sieht ihren Vater an und überlegt kurz. | |
| Alex: | "Ich kümmer' mich drum." |
| Alex' Vater: | "Sicher?" |
| Alex: | "Du kümmerst dich besser um den Grill."(Lacht trocken) |
| Im Hintergrund sieht man das Grillgut in Flammen aufgehen. Hendrik rennt zum Grill, Claudia beginnt, die Scherben einzusammeln und Alex kletter die Leiter hinauf zum Baumhaus. Alex' Mutter sitzt in der Ecke, in eine Decke gewickelt und weint leise vor sich hin. | |
| Ort: | Baumhaus |
| Alex: | (Leise) "Darf ich?" |
| Alex' Mutter: | "Is' ja dein Baumhaus." |
| Alex steigt hinein und setzt sich zu ihrer Mutter. | |
| Alex: | (Ironisch) "Könnten wir das dann bitte für's Protokoll festhalten?" |
| Alex lächelt ihre Mutter verlegen an. | |
| Alex' Mutter: | (Seufzt)"Du hast ja keine Ahnung, wie hübsch du nach der Geburt warst. Du hattest perfekte kleine Finger und Zehen. Ganz zu schweigen... von den Ohren." |
| Sie fängt wieder an zu weinen. | |
| Alex: | "Klar, im Vergleich zu mir is' Basti 'ne Katastrophe." |
| Sie lächelt wieder hilflos ihre Mutter an. | |
| Alex' Mutter: | (Versucht zu lachen, weint dann aber doch wieder) "Aber ich kann nie wieder so 'ne Katastrophe kriegen. Die Natur schreibt mir einfach vor, wie der Rest meines Lebens auszusehen hat." |
| Alex: | "Is' ja nich' so, als ob jetzt das ganze Leben vorbei wär'." |
| Alex' Mutter: | "Aber was ist es denn noch für'n Leben? Meine Kinder brauchen mich nicht mehr, und... das alle lachen, wenn ich mit meinen Patienten Tambourin spiele, is' mir auch klar." |
| Alex: | (Tröstend) "Vielleicht suchst du dir 'n neuen Job?" |
| Alex' Mutter: | "Nee, ich hab' ja alles genau so gewollt. Ihr wart mir eh immer tausend Mal wichtiger als die Arbeit. Ich hab' einfach gedacht, daß alles ewig so weitergeht." |
| Alex: | (Überrascht) "Soviel ändert sich doch gar nich'." |
| Alex' Mutter: | "Doch. Ich bin nich' mehr die Frau, die ich bis jetzt gewesen bin. Die Frau, in die Hendrik sich verliebt hat. Die Frau, die ihm die Kinder geboren hat." |
| Alex: | (Wütend) "Sach mal, hallo? Wer hat mir denn immer gepredigt, daß sich das Leben der Frau nich' nur auf Kinderkriegen beschränkt. Daß es mehr im Leben gibt, außer zu heiraten und 'ne Familie zu gründen. Du bist doch mehr als 'ne Gebärmutter!" |
| Alex sieht ihre Mutter an, als ob sie das Gefühl hat, zuviel gesagt zu haben. Alex' Mutter ist sichtlich überrascht. | |
| Alex' Mutter: | "Ach... ich hab' immer gedacht, du hörst mir nie zu." |
| Alex stutzt. | |
| Alex: | "Dacht' ich auch..." |
| Alex (Tagebuch): | Gut, daß eine oder andere kann man halt nich' überhören. |
| Alex' Mutter: | "Aber du hast ja Recht. Es stimmt. Ich hab' 'ne ziemlich schlaue Tochter!" |
| Alex (Tagebuch): | OK, das war der Moment, wo ich sie wahrscheinlich umarmen mußte. |
| Alex sieht ihre Mutter verlegen an. Sie schickt sich an, aufzustehen. | |
| Alex' Mutter: | "Alex, wir müssen uns jetzt nich' umarmen." |
| Beide schauen sich an und lächeln. Alex scheint ein wenig gerührt zu sein. | |
| Ort: | Der Garten der Degenhardts |
| Alex' Vater steht besorgt im Garten. Als er sieht, wie Alex und ihre Mutter die Leiter herunterkommen, geht er auf sie zu. Claudia sitzt auf einer Schaukel. | |
| Claudia: | "Na, sind wir über'n Berg." |
| Alex: | "Wenn du jetzt endlich den Mund hälst, ja." |
| Claudia: | "Ich will jetzt auch kein Dankeschön hör'n, Frau Degenhardt." |
| Alex Mutter schaut Claudia kurz giftig an. Dann nimmt sie ihren Mann am Arm und geht mit ihm durch den Garten. | |
| Alex' Mutter: | "Wir ha'm so 'ne tolle Tochter. Alex hat mir richtig die Augen geöffnet." (Begeistert) "Warum immer nach hinten gucken. Blick nach vorne, es gibt so viel neue Aufgaben." |
| Alex' Vater: | (Motivierend) "Tja, du... Es gibt hunderte von neuen Aufgaben." |
| Alex' Mutter: | "Ich könnte vielleicht zu Hause töpfern." |
| Alex' Vater: | "Ja!" |
| Alex' Mutter: | "Oder wieder Musik machen, wie früher. Warum nich' in der Garage 'nen Probenraum einrichten." |
| Alex' Vater: | "Wir könnten ja auch 'n ganzes Tonstudio einrichten, wenn du willst!" |
| Alex' Mutter: | "Hendrik..." |
| Alex' Vater: | "Ja." |
| Alex' Mutter: | "... das würdest du tun?" |
| Alex' Vater: | "Ja. Na klar." |
| Begeistert gehen beide durch den Garten und schmieden weiter Pläne für die Zukunft. Alex sieht den beiden entgeistert hinterher. | |
| Alex: | Was hab' ich getan? |
| Ort: | Das Haus der Degenhardts |
| Alex sitzt am Schreibtisch, öffnet ihr Tagebuch und beginnt zu schreiben. | |
| Alex (Tagebuch): | Ich hatte die ganze Geschichte also halbwegs heil überstanden. Gut, meine Mutter glaubt jetzt, wir beide hätten 'ne völlig neue Beziehung. Ach, is' mir auch Recht. Solange sie keine Teller mehr zerschmeißt. In der Schule verbreitet Sabine immer noch das Gerücht, ich sei schwanger. Aber das interessiert eigentlich keinen mehr. Oder? |
| Leise Cellomusik ist zu hören. Alex hört auf zu schreiben. | |
| Alex: |
"Hm..." |
|
|
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| Sie steht auf, geht zum Fenster, öffnet es und schaut hinaus. Unten, im Vorgarten sieht man Niko im weißen Hemd und Anzughose auf einem Cello spielen. Neben ihm steht ein Strauß Rosen. Er schaut zu Alex hinauf. Sie sieht in ungläubig an. |
Ende
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